Alfred Steinheimer

Eine ungewöhnliche Hochzeitsfeier

Am 2. November 1704 schloß der Bauernsohn Johannes Bloß mit der Witwe Ursula Huber die Ehe in der St.-Laurentius-Kirche in Roßtal. Dieses Ereignis wurde, über den Eintrag ins Trauregister der Pfarrei hinaus, zu einem aktenkundigen Vorgang.

Die künftigen Eheleute wohnten beide in Buchschwabach und waren Untertanen des Grundherren Jakob Wilhelm Forster, eines markgräflichen Hofrats. Dieser erwarb das Lehen in Buchschwabach am 10. Februar 1692 von den Hanolf sehen Brüdern Johann Adam, Sebald und Georg Paulus um 2400 Gulden. Der Besitz umfasste eine Reihe von Anwesen, darunter auch das Wirtshaus, früher Hausnummer 21/22, heute das Gasthaus „Rotes Roß“ der Familie Keller.

Hochzeiten und Taufen waren schon zu allen Zeiten Anlässe, die entsprechend gefeiert wurden, aber diese Feiern müssen dazumal Ausmaße angenommen haben, dass mit hochfürstlichen Verordnungsmandaten in den Jahren 1671, 1704 und später noch 1706 dagegen eingeschritten wurde.

Offenbar genügten die Verordnungen des Ansbacher Markgrafen den Roßtaler Richtern noch nicht, denn schon im Jahre 1702 erließen sie zusätzliche Einschränkungen. Demnach hatten nur die Wirte in Roßtal, als markgräfliche Untertanen, das Recht solche Feiern auszurichten, während man den Wirten in Buchschwabach dagegen, deren einer dem schon genannten Forster, der andere der Nürnberger Patrizierfamilie von Oelhafen abgabepflichtig war, dies verwehrte.

Über diese Maßnahme gab es Streit zwischen dem Pfarrer, damals Ernst Georg Schülin und den jeweiligen Richtern, zuerst Johann Wilhelm Sartorius (1703–1709), aber ganz besonders mit des Pfarrers Intimfeind, Johann Friedrich Rötter (1711–1737). Die Auseinandersetzung entstand deshalb, weil der Pfarrer seinen auswärtigen Gemeindemitgliedern, z. B. bei Haustaufen in Buchschwabach, die Möglichkeit geben wollte, eine entsprechende Feier am Ort begehen zu können.

Ebenso zornig über diese Anordnung der Roßtaler Richter reagierte auch der markgräfliche Hofrat Jakob Wilhelm Forster, weil das zu seinem Besitz gehörende Gasthaus in Buchschwabach mit dieser richterlichen Anordnung leer ausging.

Diese Entscheidung brachte ihm eine Minderung seiner Einnahmen, denn wenn der Wirt keinen Verdienst hatte, konnte er auch keine Abgaben an seinen Grundherren entrichten. Am 8. Oktober 1704 verfasste er, man spürt seinen Zorn, ein Schreiben an seine Untertanen in Buchschwabach:

„Meinen sämtlichen Unterthanen zu Buchschwabach wird hiermit angedeutet: Nachdem ich vernommen, dass in 14 Tag eine Hochzeit solle gehalten werden, so vermutlich des verstorbenen Salomon Hubers Wittib ihre sein wird, so bleibt diesen angehenden Eheleuten zwar unverwehrt sich in die Kirchen zu Rostall einsegnen und copulieren zu lassen. Nachdem aber die Hochzeitsgäste nach der Kirchen wider ihren Willen und wider das Herkommen zur Einnehmung der Mahlzeit in die Wirtshäußer allda gezwungen werden sollen, ich dahin gestellt sein lassen muß, wider aber diese als Neuerung, so vorher nie gewesen.

Also befehl ich hiermit allen meinen Unterthanen davon Weib, Kind und Brödling (?) hiermit ernstlich und bei ohnablässiger Straff zehn Gulden, dass niemand von ihnen nach Rostall in die Kirche gehen, sondern zu Haus verbleiben sollen und dieses alles bei obgesetzter Straff, maßen ich darauf fleißig inquirieren und Kundschaft legen werde. Onolsbach, den 8.0ktober 1704 Jakob Wilhelm Forster

Hochfürstl. Brandenbg. geheimbter Rath und Hofraths-Präsident“

Das Mahnschreiben mit Strafandrohung zeigt einerseits, welche Rechte der Lehensinhaber über seine Untertanen besaß oder sich anmaßte und andererseits die Spitzfindigkeit des hochfürstlichen Hofbeamten, der ja nicht gegen die Anweisung der markgräflichen Richter vorgehen konnte.

Im Schreiben mißbilligte er nur die „vorher nie gewesene Neuerung“ widersetzt sich dem Ganzen aber dadurch, dass er den Freunden und Bekannten des Brautpaares die Teilnahme an der kirchlichen Feier verbot und damit auch die Möglichkeit, ein Wirtshaus in Roßtal besuchen zu können.

Zehn Gulden Strafe waren kein „Pappenstiel“, wenn auch die Umsetzung auf heutige Kaufkraft mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist. Noch 16 Jahre später, im Jahre 1740, soll nach einer Aufzeichnung der Preis für ein Kalb sechs Gulden betragen haben. Die angedrohte Strafe hat mit Sicherheit die Forster'schen Untertanen davon abgehalten, das Brautpaar nach Roßtal zu begleiten.

Ob das Paar nach der Kirche in einer der beiden Tabernen auf dem Marktplatz das Festmahl allein eingenommen hat, ist eher unwahrscheinlich.

Man darf jedoch annehmen, dass die in Buchschwabach zurückgebliebenen Hochzeitsgäste Mittel und Wege gefunden haben, das Ereignis trotzdem entsprechend zu feiern.

Archiv St. Laurentius, Roßtal Akten Nr. 9 und 96


Quelle:
Alfred Steinheimer, St.-Laurentius-Kirche zu Roßtal – Geschichte und Geschichten um die Pfarrei, Roßtal 2001, S. 53 ff.