Jörn Künne

Jakobswege – Pilgerwege

Daß Roßtal einst eine bedeutende Pilgerstation war und in der Kirche neun bedeutende Altäre standen, läßt sich in unserer schlichten Kirche kaum mehr ahnen. Dennoch war die Laurentiuskirche im Mittelalter eine der bedeutendsten Kirchen im weiten Umkreis und auch ein lohnendes Ziel für Pilger und Wanderer auf dem Weg von Osten nach Westen. Zum Grab der Kirchengründerin Irmingard, von manchen wird sie sogar heiliggesprochen, pilgerten Menschen aus dem gesamten fränkischen Umland. Daß Roßtal darum auch für die Pilger auf dem Jakobsweg ein lohnendes Ziel war, darf als sicher gelten.

Jakobspilger waren Menschen, die ab dem frühen Mittelalter auf dem Weg nach Santiago de Compostela unterwegs waren. Dort werden die Gebeine des Apostels Jakobus gezeigt. Der Pilgerweg war eine der großen Wallfahrten des Mittelalters (die anderen führten nach Rom und nach Jerusalem). Aufgrund frommer Gelübde oder auch als Sühne für eine Untat brachen Menschen aller Volksschichten zu diesen Wallfahrten auf. In Mittelfranken führte dabei der Jakobsweg von Nürnberg nach Rothenburg o.T.

Verlauf Jakobsweg

Mit Beginn der Reformation geriet dieser Weg zusehends in Vergessenheit, zumal das pöbelhafte Verhalten mancher Pilger den religiös-meditativen Aspekt diskreditierte. Erst zu Beginn dieses Jahrzehnts trat der Jakobsweg wieder ins Interesse eines breiteren Publikums. Angestoßen durch den Heilsbronner Pfarrer Geißendorfer wurde der mittelfränkische „Camino“ (spanisch „Weg“) wieder entdeckt. Anhand der Jakobskirchen läßt sich sein Weg relativ genau bestimmen. So führt er von St. Jakob in Nürnberg über Roßtal und Heilsbronn nach Rothenburg.

Gleich zwei Jakobskirchen konnte Roßtal auf diesem Weg vorweisen. So gab es auf dem Friedhof eine Jakobskapelle, die um 1804 abgerissen wurde und natürlich die Buttendorfer Kirche, die dem Jakob geweiht ist.

Wegmarkierung In Roßtal führt der Jakobsweg von Weitersdorf kommend die Bahnlinie entlang hinaus zum Pelzlein in den Buttendorfer Weg und von dort nach Heilsbronn. Markiert ist dieser Weg mit der weißen Muschel auf blauem Grund und vielleicht bekommt jemand Lust, diesen Weg zu laufen, es muß ja nicht gleich bis nach Spanien sein.


Hinweis für Jakobspilger: Diesen Stempel können Sie im Ersten Evang.-Luth. Pfarrhaus erhalten:

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