Rusam, Georg

Zur Siedlungsgeschichte von Mittelfranken
in alter und neuerer Zeit

Aus einem in der Gesellschaft für Familienforschung zu Nürnberg gehaltenen Vortrag, auf Wunsch dem Drucke übergeben von Kirchenrat Rusam in Sachsen bei Ansbach 1930

Woher stammt die gegenwärtige Bevölkerung von Mittelfranken? Welches waren einst die Siedler und Kolonisten, aus welchen unser heimisches Land- und Stadtvolk hervorgegangen ist? Bei Beantwortung dieser Frage müssen wir absehen von den sog. vorgeschichtlichen Siedlungen, über welche nur die Fachmänner, und auch diese nur mit vielen Vorbehalten sprechen können. Auch die Kelten-Niederlassungen dürfen wir übergehen, obwohl noch viele Flußnamen, wie Alcmona = Altmühl, Radenza = Rednitz, Rethradenza = Rezat, Cinna = Zenn, Aisga = Aisch, Paganiza = Pegnitz, wie auch manche Bergnamen (Hahnenkamm) und vor allem viele Gräber von dieser Zeit zeugen. Ebenso brauchen wir von den Römern nicht zu reden trotz des Limes (Teufelsmauer, Pfahl), der mitten durch unsere Heimat zieht (von Kehlheim über den Jura nach Pleinfeld, Gunzenhausen, östlich um den Hesselberg, nach Württemberg hinein), und trotz der von ihm geschützten römischen Niederlassungen bei Weißenburg, Gunzenhausen und an anderen Orten. Denn von allen diesen Vorsiedlern haben sich keine nachweisbaren Überreste in die spätere Zeit hinein erhalten. Sie spielen also für die Zusammensetzung der nachmaligen mittelfränkischen Bevölkerung keinesfalls eine irgendwie bedeutsame Rolle.

Wenn wir dann weiter herabgehen in die geschichtliche Zeit, so stehen uns für die Beantwortung unserer Frage keinerlei schriftliche Urkunden zur Verfügung, abgesehen von allgemeinen Notizen und gelegentlichen Bemerkungen. Aber eine besondere und noch dazu ganz authentische Quelle gibt uns den gewünschten Aufschluß: die aus ältester Zeit stammenden Ortsnamen. Daneben würden auch die alten Flurnamen eine gewichtige Sprache reden, wenn nicht ihre Sammlung und Deutung noch fast ganz in den Anfängen stecken würde. Auch die Dialektforschung und die volkskundliche Wissenschaft könnten wertvolle Beiträge liefern, wenn von ihnen nicht ähnliches gelten würde wie von der Flurnamensammlung.

Auch die Ortsnamenkunde ringt noch mit schweren Problemen. Es ist deshalb noch viel Vorsicht geboten. Aber im großen und ganzen können doch schon für eine Siedlungsgeschichte wichtige Schlüsse aus ihr gezogen werden, mag auch im einzelnen das Urteil noch schwankend sein.

Wenn wir so die Ortsnamen von Mittelfranken befragen, so werden sie uns zunächst das eine sagen, daß unser Frankenland ehedem zum allergrößten Teile ein weites, zusammenhängendes Waldgebiet gewesen sein muss. Das beweisen z. B. die vielen auf „reuth“ endigenden Ortsnamen, besonders um Schwabach, Nürnberg, Erlangen, aber auch noch bei Ansbach und anderwärts. Sie besagen, daß hier der Wald „gereutet“, d. i. gerodet und urbar gemacht wurde. In die gleiche Richtung weisen Ortsnamen, die auf „lohe“ ausgehen; denn Lohe bedeutet einen lichten, mit Graswuchs bestandenen feuchten, oft sumpfigen Wald. Dann Rodungsnamen, wie „Prünst“ (vom Abbrennen des Waldes), „Schwand“ (vom Abschwenden = Roden des Holzes), „Strüht“ (ein mit Waldgebüsch bestandener Ort), „Osang“ (Flurname vom Absengen des Holzes) u. a. Ferner zielen darauf Orte, in deren Namen bestimmte Holzarten erscheinen, wie Eschenbach und Eschenau von der „Esche“, Büchenbach von der „Buche“, die verschiedenen Erlbach von der „Erle“, dann Birkenlach, Haslach, Weidenbach, Tennenlohe (von der „Tanne“), Aspach („Aspe“, Espe), Eibach („Eibe“) und viele andere. Vor allem muß hier auf die mit „auer“ gebildeten Ortsnamen geachtet werden, wie Aurau, Barthelmesaurach, Veitsaurach, Petersaurach, Frauenaurach, dann unmittelbar an Mittelfranken anschließend Herzogenaurach, Münchaurach u. a. Sie tragen ihren Namen von dem Auer, dem Urstier, der einst in deutschen Wäldern lebte, der aber ein unruhiger, immerzu wandernder Geselle war und deshalb mit seiner Herde nur da leben konnte, wo ihm ein großes, weitgedehnes Waldgelände die nötige Bewegungsfreiheit sicherte. Viel Wald brauchte auch der „Hirsch“, der uns in Namen wie Hirschbronn, Hirschneuses begegnet; dann der „Eber“ (Ebersbach) und anderes Wild. Alle diese und noch viele andere Beobachtungen bestärken in uns den Eindruck, den wir auch sonst gewinnen, wenn wir von einer Bergeshöhe aus das Land überschauen: daß nämlich Mittelfranken in der Hauptsache ein weites Waldgelände in vorgeschichtlicher Zeit gewesen ist, daß insbesondere die große Keuperplatte vom Jura westwärts bis zu ihrem Steilabfall gegen Burgbernheim und Windsheim noch in geschichtliche Zeit mit dichtem Wald bedeckt gewesen ist. Damit stimmt auch Professor Gradmann überein, der die Frankenhöhe mit Recht zu denen spät besiedelten Mittelgebirgen zählt (Zeitschrift für bayer. Landesgeschichte 1928, S. 340).

Gewiß fehlte es nicht an altem Kulturboden, der wohl schon in grauer Vorzeit angebaut war. Wir dürfen dazu rechnen die sog. Weißenburger Bucht und das mittlere Altmühltal, wo sich bereits die Römer und vor ihnen die Kelten niedergelassen hatten. Ebenso gehört hierher die Gegend westlich von der Frankenhöhe, die Talgegend um Windsheim und Uffenheim und wohl auch die Thalmässinger Landschaft sowie das untere Altmühltal. Dagegen war die Jurahöhe zumeist mit Wald bedeckt, wie schon die Namen Petersbuch, Kaltenbuch, Raitenbuch, Reuth am Wald, Eichstätt u. a. bekunden. Es bildete der dortige Wald ebenso wie der auf der ganzen mittelfränkischen Keuperplatte (Frankenhöhe) einen Teil des von römischen Schriftstellern erwähnten großen Herzynischen Waldes, der sich über Mittel- und Süddeutschland hinzog.

Welches waren nun die Siedler, welche in dieses so beschriebene Gebiet einst hereinzogen und den Grundstock zu der heutigen mittelfränkischen Bevölkerung abgaben? Am wenigsten werden wir uns mit einem nichtdeutschen Volke zu beschäftigen haben, die früher gern in den Vordergrund gestellt wurden, mit den Wenden oder Slaven. Gewiß sind einzelne Splitter dieses Volkes auch in unser Gebiet gekommen; aber es sind doch recht wenig Ortsnamen zu finden, welche auf wendischen Ursprung schließen lassen. Man kann nur nennen etwa Lauf, das alte Lubno, dann Windisch-Hembach (jetzt Oberhembach), vielleicht auch das nahe dabei liegende Pyrbaum, weiter Windischhausen, Windisch-Schneidbach (jetzt Winterschneidbach) bei Ansbach, Windisch-Brünst (jetzt einfach Brünst) bei Rohr, Premezelun bei Ansbach (ehemaliger Ort, jetzt längst Wüstung auf dem Boxberg) und sonst noch allenfalls einen oder den anderen Ort. Am häufigsten pflegt man auf die mit "winden" zusammengesetzten Orte hinzuweisen: Ratzenwinden, Wohlfartswinden, Brodswinden, Dautenwinden, Eggloffswinden, Meinhardswinden, Meinhardswinden, sämtlich um Ansbach gelegen, aber ähnlich sich auch anderwärts findend. Ob es sich bei diesen wirklich um Wendenorte handelt, ist noch nicht allgemein anerkannt. Dr. Bacherler in Eichstädt und andere leiten die Endung „winden“ von dem deutschen Wort „winithi“ = Grasplatz, Weide ab. Doch spricht die Nähe unzweifelhafter Wendenorte gerade um Ansbach mehr für die Ableitung von den Wenden. Es handelt sich bei diesen wie wohl bei allen Wendenniederlassungen in Mittelfranken um Siedlungen, deutscher Herren, die gefangene oder auch leibeigene Slaven zur Kolonisierung ihrer Wälder kommen ließen, wie z. B. Dr. Zellfelder es vom Gumbertuskloster in Ansbach als glaubwürdig hingestellt hat. Nichtwendisch sind aber auf jeden Fall die Städte Windsheim und Windsbach, wo schon das genitivische „s“ in der Mitte des Wortes auf dem deutschen Personennamen „Windo“ (vgl. den Familiennamen „Winter“) hinweist; ebenso Wendelstein, dem der Personennamen „Wendel“ zugrunde liegt.

Wenn wir so von den Wenden abzusehen haben, so liegt der Gedanke nahe, daß die Franken das Land eingenommen und kultiviert haben. Heißt doch unser Kreis Mittelfranken und – was wichtiger ist – gehörte das Gebiet doch zum alten Herzogtum Franken. Allein die alten politischen Grenzen deckten sich durchaus nicht immer mit den Volksgrenzen und zumal die Franken griffen gerne über ihre Stammesgrenzen hinaus. Verfehlt wäre es auch, die Gegenwart beizuziehen und sich etwa auf die altfränkische Kultur in Nürnberg, Ansbach und anderwärts berufen zu wollen im Gegensatz etwa zur schwäbischen oder bayerischen Kultur südlich der Donau. Gewiß hat das alte Herzogtum Franken und die Verbundenheit unseres Gebietes mit Bamberg, Würzburg und Mainz dem Lande seinen Stempel aufgedrückt und es zu einem echt fränkischen Kulturgebiet gemacht; aber das entscheidet noch nicht über die Frage, von wem das Land zuerst und zunächst besiedelt worden ist.

Selbstverständlich sind auch fränkische Kolonisten nach Mittelfranken gekommen. Wir finden sie unfraglich in dem an Unterfranken angrenzenden nordwestlichen Teil von Mittelfranken unterhalb der Frankenhöhe. Hier stoßen wir um Uffenheim und Windsheim auf die zahllosen, auf „heim“ auslautenden Orte, wie Ipsheim, Kaubenheim, Nordheim, Krassolzheim, Berolzheim, Herbolzheim, Ulsenheim, Ergersheim, Herrnbergtheim, Martinsheim, Enheim, Gnötzheim usw. Diese „heim“-Orte sind charakteristisch für die von Unterfranken, einem zweifellos fränkischen Lande, ausgehende Siedlung und entsprechen den gleich auslautenden Orten, am Rhein und noch in der Pfalz, also den altfränkischen Sitzen. Wohl muß man sich hüten, etwa jeden auf „heim“ endigenden Ortsnamen ohne weiteres als fränkisch anzusprechen; es gibt auch im bayerischen und schwäbischen Siedlungsgebiet nicht wenige solche Orte (z. B. im Ries oder bei Ingolstadt). Aber in dieser Fülle treffen wir sie doch nur bei den Franken. Wir werden darum auch das mittlere Altmühltal und die Weißenburger Bucht als fränkisches Siedlungsgebiet ansprechen dürfen, obwohl dort das schwäbische und bayerische Gebiet mit seinen nicht wenigen „heim“-Orten auf dem Jura und im Ries bereits ganz nahe gerückt ist. Wir finden dort südwärts von Gunzenhausen und bei Weißenburg die mit Unterfranken parallel gehenden Orte wie Gundelsheim, Dittenheim, Meinheim, Berolzheim, Wettelsheim, Bubenheim, Trommetsheim, Emezheim, Weimersheim u. a., wobei wir nicht übersehen dürfen, daß in Weißenburg ein fränkischer Königshof stand. Ein zweiter Königshof befand sich weiter im Wiesethgrund, eben der jetzige Ort Königshofen. Doch ist auffallend, daß sich um diesen zweiten Königshof, der dem am Hesselberg beginnenden schwäbischen Sprach- und Siedlungsgebiet ganz nahe liegt, recht wenig fränkische klingende Ortsnamen finden. Diese Beobachtung drängt sich aber weiterhin auch für das ganze übrige Mittelfranken auf. Die „heim“-Orte scheinen da wie verschwunden zu sein, und man muß lange suchen, bis man da oder dort einen findet, wie etwa Clafheim bei Ansbach, Görgsheim bei Leutershausen. Ähnlich ergeht es, wenn man andere Frankenorte ins Auge faßt. So liebt der Franke die Endung „hausen“ und „hofen“; denken wir in Unterfranken an Sommerhausen, Winterhausen, Tückelhausen, Albertshausen, Sickershausen, Welbhausen und besonders zahlreiche „hausen“-Orte im nördlichen Unterfranken; dann an Iphofen, Ermetzhofen, Pfaffenhofen, Uttenhofen, Urphertshofen usw. Aber auch von solchen Ortsbenennungen treffen wir auf unserer Keuperplatte recht wenige an. Wir finden sie zahlreicher erst da wieder, wo das unzweifelhaft bayerische Siedlungsgebiet gegeben ist, an und auf dem Jura (z. B. Alfershausen, Albertshausen, Dixenhausen, Weizenhofen, Stadelhofen, Röckenhofen und viele andere in der Gegend um Thalmässing). Wir treffen in Unterfranken Ortsnamen auf „leben“ (Unsleben, Eßleben, Güntersleben); sie fehlen in Mittelfranken völlig. Dagegen muß man in Unterfranken sehr die Orte auf „dorf“ suchen (Rottendorf, Repperndorf, Wässerndorf); aber gerade von diesen Orten wimmelt es in Mittelfranken. Wenn wir endlich noch spezifisch unterfränkische Ortsnamen hernehmen, wie Rottenbauer, Bütthart, Custenlohr, Randersacker, Rimpar, Gramschatz, Heßlar, Thüngen, Reusch u. ä., so wird sich von uns selbst das Gefühl aufdrängen, daß wir da ein ganz anderes Sprachidiom vor uns haben, als wir es bei unseren mittelfränkischen Namen gewöhnt sind. Das schließt natürlich nicht aus, daß sich da und dort noch eine Frankensiedlungen bei uns eingeschoben hat, der man aber ihren Ursprung nicht mehr anmerkt, weil sie einen mehr neutralen Siedlungsnamen gewählt hat, etwa eine Flurbezeichnung auf „bach“ oder „brunn“ oder ähnlich. Man hat auch die Burg von Nürnberg schon als einen Stützpunkt fränkischer Macht und damit als Frankensiedlung angesprochen; doch dürfte das sehr zu bezweifeln sein, da gerade die Ortsnamen um Nürnberg einen nichts weniger als fränkischen Laut aufweisen, ganz abgesehen von der dabei völlig unbegreiflichen kirchlichen Abhängigkeit Nürnbergs von der Muttergemeinde Poppenreuth.

Nicht sehr viel brauchen wir uns mit der Möglichkeit zu befassen, daß etwa die Schwaben unsere fränkische Heimat besiedelt hätten. Sie saßen freilich ganz dicht an der Südwestgrenze von Mittelfranken im Ries und im heutigen Württemberg, und sie reichen auch in einer ziemlichen Anzahl von Ortschaften noch herein in unser Gebiet. Schwäbisch sind z. B. Wassertrüdingen, Ehingen, Gerolfingen, Röckingen, Döckingen, Hechlingen, Hüssingen, Unterschwaningen, welche die für Schwabenorte charakteristische Endung auf „ingen“ aufweisen; dann Feuchtwangen, Veitsweiler mit den ebenfalls typischen Auslauten auf „wangen“ und „weiler“, und noch eine Reihe anderer Orte. Die Grenze schwäbischer Siedlung ist hierbei unverkennbar durch den Dialekt gezogen, der sehr deutlich Schwäbisches und Nichtschwäbisches voneinander scheidet. Gehen wir aber weiter herein nach Franken, so vermissen wir nicht nur die schwäbische Dialektform, sondern ebensosehr die spezifisch schwäbischen Ortsbezeichnungen. Nur vereinzelt werden wir da schwäbische Niederlassungen gelten lassen dürfen, wie Schwabach – Stadt und Fluß –, die beide nicht anders gedeutet werden können als durch Ableitung von dem Volksstamm der Schwaben; dann vielleicht noch Katzwang, das durch Namensform und Geschichte auf Schwaben weist, und Erlangen = Erlenwangen (Alterlangen) an dem Flusse Schwabach.

Nur im Vorübergehen sei bemerkt, daß auch Sachsen in unsere Gegend gekommen sind. Auf sie weisen die Orte Sachsen bei Ansbach, Sachsen bei Leutershausen, Ober- und Untersachsen bei Neustadt a. d. Aisch, vielleicht auch Leutershausen selbst – auch anderwärts findet sich ein Leutershausen und Sachsen dicht einander –, dann etwa Roßtal, das alte Horsedal mit seinem ganz sächsisch klingenden Namen, und möglicherweise noch der eine oder andere Ort. Daß es sich um Zwangssiedlungen durch Karl den Großen als Folge seiner Sachsenkriege handelt, ist bekannt.

Nachdem wir so gesehen haben, wie als Kolonisatoren für Mittelfranken die Franken nur zu einem Teil, die Schwaben nur sehr wenig in Betracht kommen, so bleiben uns lediglich die Bayern noch übrig. Und diese sind es auch in der Tat, auf welche die meisten Ortsnamen mit stärkster Eindeutigkeit hinweisen.

Man hat sich bei dem Volksstamm der Bayern allzu sehr daran gewöhnt, ihn nur jenseits der Donau in Ober- und Niederbayern zu suchen. Und doch greifen seine Grenzen weit, sehr weit darüber hinaus. Nach dem allgemeinen anerkannten Werke von Döberl „Entwicklungsgeschichte Bayerns“ hat sich der bayerische Volksstamm zwischen den Jahren 488 und 565 n. Chr. an der Donau von Regensburg ab niedergelassen, nachdem er aus seiner vorigen Heimat Böhmen und Mähren fortgezogen war. Regensburg wurde die Hauptstadt, und Niederbayern war und blieb lange fort das Hauptland der Bayern. Aber in raschem Wachstum dehnte sich nun von da aus das Volk strahlenförmlich nach allen hin Seiten hinaus. Sie besetzten nach und nach ganz Oberbayern bis zum Lech, wo sie an die schwäbische Volksgrenze stießen; sie drangen nach Tirol, in das Salzkammergut und tief in die Alpen hinein vor; sie füllten ganz Ober- und Niederösterreich aus; sie wandten sich nach Norden und besiedelten die Oberpfalz, weiterhin das östliche Oberfranken, das böhmische Egerland und sogar noch einen Teil des Vogtlandes. Da war es nicht zu verwundern, daß sie auch nach Nordwesten ihre Schritte lenkten und nach Mittelfranken hereinzogen. Schon sehr früh müssen sie da das untere Altmühltal und dessen Seitentäler – Anlauter, Schwarzach, Sulz, Thalach – besetzt haben, weil wir hier die für die ältesten Bayernsiedlungen typischen Ortsnamen auf „ing“ und „hofen“ treffen. Es seien genannt Thalmässing, Höbing, Ober- und Untermässing, Greding, Berching, Titting, Nennsling, Hötting, Walting u. a., im Zusammenhalt mit den zahllosen „ing“-Orten um Regensburg: Prüfening, Isling, Burgweinting, Barbing, Traubling, Demling, Reifelding, Sarching, Aubing, Geisling, Köfering, Thalmaßing uff. bis nach Freising, Straubing, Plattling usw. Dann „hofen“-Orte bei Thalmässing: Reinwarzhofen, Weizenhofen, Landertshofen, Röckenhofen, Friebertshofen, Rudertshofen u. a., im Vergleich mit solchen Orten um Regensburg: Pfaffenhofen, Vilshofen, Lauterhofen, Hinkofen, Gebelkofen, Heidenkofen, Sengkofen – diese mit Umlaut des „h“ in „k“ –, Pielenhofen usw. Einer etwas späteren Siedlungperiode gehören die auf „dorf“ auslautenden Orte an. Sie finden sich zumeist in einiger Entfernung von Regensburg bzw. Niederbayern, oder doch in Gegenden, die nicht mehr die gleiche Fruchtbarkeit aufweisen wie die Landschaften mit den „ing“- und „hofen“-Orten. Es ist eine fast unübersehbare Fülle von Ortsnamen auf „dorf“, die teils über den Jura hin zerstreut liegen, teils im Österreichischen wie auch – in spärlichem Maße – in der Oberpfalz und im östlichen Oberfranken sich finden. So begegnen uns z. B. in der Thalmässinger Gegend: Schutzendorf, Landersdorf, Groß- und Kleinnottersdorf, Kahldorf, Gersdorf, Reichersdorf, Gebersdorf, Mettendorf, Altdorf, Ottersdorf, Mindorf u. a.; im südlichen Niederbayern: Arnsdorf, Jägerndorf, Petersdorf, Esterndorf, Schmierdorf, Münchsdorf, Grafendorf, Kohlsdorf, Malgersdorf, Elpersdorf, Watzendorf, Marasdorf, Gerbersdorf, Eggersdorf, Reichsdorf, Wallersdorf usw. (sämtliche nahe beieinander gelegen); im nördlichen Oberösterreich: Erdmannsdorf, Witzersdorf, Wolkersdorf, Lampersdorf, Ammersdorf, Volkersdorf, Seibersdorf, Lanzersdorf, Alberndorf, Rumersdorf, Weickersdorf, Eckersdorf, Dittersdorf, Andorf usf.; im nordöstlichen Oberfranken: Eckersdorf, Donndorf, Limmersdorf, Casendorf, Trumsdorf, Atzendorf, Hutschdorf, Lanzendorf, Seibelsdorf, Rugendorf u. a. Dem entsprechen die außerordentlich zahlreichen „dorf“-Orte in Mittelfranken, z. B. um Nürnberg. Reichelsdorf, Dietersdorf, Gebersdorf, Ober- und Unterwolkersdorf, Weißmannsdorf, Zirndorf, Wetzendorf, Mögeldorf u. a.; dann in der Richtung auf Ansbach: Ammerndorf, Großhabersdorf, Zautendorf, Deberndorf, Seukendorf, Seckendorf, Siegelsdorf, Wilhermsdorf, Heinersdorf, Ebersdorf, Götteldorf, Adelmannsdorf, Andorf usf.; endlich um Ansbach selbst: Alberndorf, Rutzendorf, Volkersdorf, Herpersdorf, Wilmersdorf (ursprünglich Wilmannsdorf), Malmersdorf, Immeldorf, Kirschendorf, Unterrottmannsdorf, Oberrammersdorf, Wallersdorf, Desmannsdorf, Kurzendorf, Elpersdorf, Steinersdorf, Kühndorf, Thurndorf, Wustendorf usw. Bei einer Vergleichung dieser Fülle von Ortsnamen auf „dorf“ ergibt sich nicht nur, daß der bayerische Volksstamm eine ganz außerordentliche Vorliebe für diese Form von Siedlungsbezeichnungen hatte, sondern daß auch die Personennamen, welche hier zur Bildung der Ortsnamen verwendet sind, ihr ganz bestimmtes Gepräge zeigen, so daß sich sogar eine Reihe wörtlich gleichlautende Orte aus den verschiedensten Siedlungsgebieten ergibt (vgl. Alberndorf, Volkersdorf, Gebersdorf, Dietersdorf, Wolkersdorf, Andorf, Elpersdorf u. a.). Der Eindruck, daß wir im Hauptteil von Mittelfranken bayerisches Siedlungsgebiet haben, ergibt sich damit von selbst.

In die gleiche Richtung weisen aber auch noch viele andere Beobachtungen. So liebt der Bayer für Spätsiedlungen sehr die Endung auf „reuth“ oder „greuth“. Wir treffen sie in Oberbayern, Österreich, in der Oberpfalz, in Oberfranken, und so auch in Mittelfranken; z. B. recht zahlreich um Nürnberg und Schwabach: Poppenreuth, Klein- und Großreuth, Kalchreuth, Schnepfenreuth, Uttenreuth, Götzenreuth, Neppersreuth, Günzersreuth, Albersreuth, Putzenreuth usf.; aber auch in der Nähe von Ansbach: Wicklesgreuth, Kaltengreuth, Pfaffengreuth u. a. Im Fränkischen ist dieser Rodungsname unbekannt, der Schwabe liebt mehr sein „rieth“, der Thüringer sein „roth“. Ähnlich verhält es sich mit den Ortsnamen auf „lohe“, wie Tennenlohe, Sperberslohe, Breitenlohe, Schwarzenlohe, Meckenlohe, Langenlohe, Eyerlohe, Beutellohe; sie sind typisch bayrisch und finden sich im Fränkischen nicht. Auch die Ortsnamen auf „strüht“, „brünst“, „nohe“ u. a. können nur in diesem Sinne gedeutet werden. Auffallend ist der Ortsnamen „Zandt“, den wir bei Eichstätt, bei Kötzting, bei Amberg und sonst noch, auch bei Ansbach, finden, aber stets nur im bayerische Sprachgebiet, niemals jedoch im eigentlichen Franken oder Schwaben. Eine Vorliebe hat der Bayer auch für Ortsnamenbildungen auf „bach“, auch auf „au“, „feld“ und „stetten“, Namensformen, die freilich auch im Schwäbischen und Fränkischen viel vorkommen, die sich aber auch in das bayerisches Siedlungsbild restlos einfügen, ja die teilweise mehr für Bayern als für einen anderen Volksstamm sprechen (vgl. z. B. das im bayerischen so oft vorkommende „Hofstetten“). In zahllosen Variationen liebten die Bayern die mit „leite“ zusammengesetzten Flurbezeichnungen: Sommerleite, Winterleite, Vorderleite, Hinterleite, Schafleite, Wolfsleite, Brandleite usf. Dieselbe Erscheinung begegnet uns aber allenthalben im östlichen und mittleren Mittelfranken, nicht zum letzten auch in der Ansbacher Gegend; wir treffen sie aber nur selten auf echt fränkischem Boden. Gleiches darf gesagt werden von der Flur- und Ortsbezeichnung „klinge“ (Göddersklingen, Hainklingen, Buchklingen u. ä.). Wie die Ortsnamen bei uns oft mit denen aus dem altbayerischen Gebiet zusammenstimmen, ist bereits gesagt worden. Es sei nur noch ein auffallendes Beispiel erwähnt. Südöstlich von Ansbach liegen nahe beieinander die Orte Waltendorf, Malmersdorf, Wattenbach, Gotzendorf, Wallersdorf; genau die gleichen Namen begegnet uns in Niederbayern, und man wäre fast versucht, eine unmittelbare Einwanderung von dort in das Ansbacher Gebiet anzunehmen, wenn nicht die Entfernung allzu groß wäre.

Nur ein kurzer Hinweis sei noch auf die mundartliche Form der Ortsnamen gestattet. Der Bayer sagte z. B. „Bruck“ (Feldbruck, Seebruck, Schwarzenbruck, Ochenbruck, Bruckberg, Neubruck, Wiesethbruck), der Franke dagegen spricht „Brück“ (Brückenau, Heigenbrücken, Zweibrücken). Im Bayerischen heißt es „Münch“ (München, Münchberg, Münchaurach, Müncherlbach, Münchzell), im Fränkischen dagegen „Mönch“ (Mönchsondheim, Mönchsambach). Auch die alten Kirchenheiligen ließen sich anziehen trotz der einst weit nach Mittelfranken hereinreichenden kirchlichen Oberhoheit des Bistums Würzburg. Der Bayer verehrte z. B. in ganz besonderer Weise „St. Peter“, nach dem deshalb nicht nur viele Kirchen, sondern auch viele Orte benannt wurden; wir denken dabei an St. Peter in Nürnberg, Petersgmünd, Petersdorf, Petersbuch, Petersaurach usw. Der Franke dagegen war mehr für den heiligen „Martin“ eingenommen und in Unterfranken vor allem für „St. Kilian“; ersterer ist aber bei uns sehr spärlich, letzterer anscheinend fast gar nicht vertreten.

Zusammenfassend darf auf Grund all der vielen Beobachtungen gesagt werden, daß für den Großteil von Mittelfranken siedlungsgeschichtlich die stärksten Verbindungslinien in das bayerische Stammesgebiet hineinlaufen, während nach Franken nur sehr wenige Spuren weisen, abgesehen von dem nordwestlichen Teil von Mittelfranken, dann vom mittleren Altmühltal und von der Weißenburger Gegend. Man kann selbstverständlich im einzelnen da und dort an den gemachten Aufstellungen Kritik üben, zumal die Ortsnamenforschung, wie schon oben hervorgehoben wurde, noch lange keine fertige Wissenschaft ist; aber die Fülle der Erscheinungen drängt dazu, bei der Frage der Besiedlung von Mittelfranken den Blick in erster Linie nicht nach Nordwesten, sondern nach Südosten zuwenden.

Das Bild, welches sich uns hierbei ergibt, dürfte etwa folgendes sein: die Bayern haben sich frühzeitig von der Donau aus aufgemacht und sind zunächst in die fruchtbaren Juratäler eingedrungen, haben auch schon bald das ebenso fruchtbaren Jura-Vorgelände in der Thalmässinger und Neumarkter Gegend besetzt. Es mag das etwa um 600 n. Chr. gewesen sein. Bis sie dann dieses Gelände ausbauten und insbesondere die Jurahöhen kultivierten, mögen weiter an die 100 Jahre und vielleicht noch mehr vergangen sein. Erst als sich dort kein rodungsfähiges Land mehr vorfand, richteten sie ihre Blicke weiter hinaus auf den „Sand“, wie man dort heute noch sagt, d. h. auf die sandige Keuperfläche Mittelfrankens. In die Weißenburger Bucht und in das mittlere Altmühltal konnten sie sich dabei nicht wenden, weil dieser alte Kulturboden bereits von den Franken eingenommen war. So blieb ihnen nur das Rezat- und Rednitzgebiet mit seinen Seitentälern übrig, weiterhin das Pegnitztal und die Fränkische Schweiz, soweit dort nicht schon Franken saßen (vgl. den alten fränkischen Königshof Forchheim!). Daß ihnen hierbei die bei Windsheim und Uffenheim sesshaften Franken keine große Konkurrenz machten, lag wohl daran, daß diese noch genug anderen und besseren Boden für ihre Neusiedlung in der Nähe hatten, den oberen Zenn- und Aischgrund, dann die Gegend südwärts bis tief nach Württemberg hinein. So wird es sich erklären, daß die Bayern bis über Ansbach hinaus vordringen konnten. Sie mögen dort etwa um das Jahr 750 angelangt sein. Selbstverständlich ist die Vollbesiedlung nicht mit einem Male erfolgt, sondern erst nach und nach im Laufe der nächsten Jahrhunderte vollzogen worden.

Es ist natürlich ein mißliches Ding, eine Statistik über den Anteil der verschiedenen Volksstämme an der ursprünglich angesiedelten Bevölkerung aufstellen zu wollen, zumal die Frankensiedlungen auf dem guten Kulturland jedenfalls viel dichter waren als die Bayernsiedlungen auf dem viel geringeren Keuperboden. Aber mit allem Vorbehalte dürfte, wenn wir die Grenzen des heutigen Mittelfranken zugrunde legen, der bayerische Anteil vielleicht auf zwei Drittel, der fränkische nebst dem schwäbischen auf ein Drittel zu schätzen sein.

Natürlich hat sich die Bevölkerung späterhin stark vermischt. Wenn dabei Mittelfranken ein mehr fränkisches statt bayerisches Gepräge annahm, so hat dies seinen Grund darin, daß das Land von Anfang an, als die Kolonisation begann, unter fränkischer Oberhoheit stand. Fränkische Gaugrafen regierten das Land, fränkische Gesetze werden eingeführt worden sein, fränkische Sitte und Kultur wird sich, je länger je mehr, durchgesetzt haben. So ist das Land trotz seiner ursprünglich überwiegend bayerischen Bevölkerung doch schließlich ein fränkisches Land geworden.

Inwieweit späterhin noch bayerische, fränkische und andere Siedler nachgezogen sind, läßt sich selbstverständlich nicht mehr feststellen. Es dürfte der nachfolgende Zustrom wohl in einem ähnlichen Verhältnis wie die Urbesiedlung erfolgt sein. Nur aus viel jüngerer Zeit sind uns allerlei Zuflüsse bekannt. Als der Bischof Julius Echter von Würzburg in Unterfranken die Gegenreformation durchführte, mußten viele seiner Untertanen auswandern, und ein Teil dieser Franken kam auch in das ehemals markgräfliche und reichsstädtische, speziell nürnbergische Gebiet. Ein größerer Zustrom kam weiter aus der Oberpfalz, als Kurfürst Maximilian von Bayern dort das katholische Bekenntnis an Stelle des evangelischen wieder aufrichtete und dabei viele Bewohner das Land verlassen mussten; letztere suchten gerne das Gebiet von Nürnberg auf. Auch aus Böhmen kamen Flüchtlinge nach der unglücklichen Schlacht am Weißen Berg bei Prag zu Beginn des dreißigjährigen Krieges; doch wandten sich diese mehr nach Sachsen und teilweise nach Oberfranken. Erwähnt mögen auch die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten sein, von denen eine Anzahl in Erlangen, Schwabach und sonst noch da oder dort Unterkunft fand. Doch bedeuten alle diese Zuflüsse wenig im Vergleich zu dem großen Strom, der im Dreißigjährigen Kriege und nach demselben aus Österreich nach Mittelfranken floß. Er kam vor allem aus Oberösterreich, dann aber auch aus Niederösterreich, Salzburg und Steiermark, und ergoß sich hauptsächlich in das Landgebiet des Markgrafentums Ansbach und der freien Reichsstadt Nürnberg.

Wenn man die Kirchenbücher jeden Zeit durchsieht, so begegnet einem immer wieder der Eintrag: „aus dem Ländlein ob der Enns“ (Oberösterreich) oder nur „aus Österreich“ oder ähnlich; oder es werden die Orte und Pfarreien angegeben, aus denen sie kamen, oder es finden sich andere Merkmale, die auf österreichische Herkunft schließen lassen. Pfarrer Lizentiat Clauß in Gunzenhausen hat hierüber weitgehende Forschungen angestellt und teilweise auch schon veröffentlicht (so in den Schwabacher Geschichtsblättern 1927 und im 64. Jahresbericht des historischen Vereins für Mittelfranken). Er hat dabei im Dekanatsbezirk Ansbach festgestellt, daß auf den Dörfern einige Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege in der Regel ein Drittel der Bevölkerung aus österreichischen Emigranten bestand, öfters sogar die Hälfte und noch mehr. Wie es möglich war, daß sich bei uns so viele Leute neu ansiedeln konnten, lehrt die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, der auch im fränkischen Lande die Bevölkerung aufs schwerste mitnahm. Wenn es richtig sein sollte, was spätere, allerdings unverbürgte Nachrichten sagen, daß nämlich in Zandt und Volkersdorf nach dem Kriege nur noch je drei Haushaltungen vorhanden gewesen seien, so würde das auf eine geradezu furchtbare Dezimierung der Bevölkerung deuten. Doch ist leider die Auswirkung dieses Krieges auf unsere Landbevölkerung noch viel zu wenig erforscht, als daß man genaue Aufstellungen machen könnte. Jedenfalls waren aber die bäuerlichen Anwesen in großer Zahl verödet, sodaß den Landesherren der Zuzug der österreichischen Bauern – solche waren es zumeist – hoch willkommen war. Weniger Raum war in den Städten vorhanden, doch stoßen wir auch hier auf eine nicht ganz kleine Anzahl von eingewanderten Bürgern, Handwerkern und auch gelehrten Berufen.

Warum diese Leute aus Österreich auswanderten, sagt uns die Geschichte dieses Landes. Es war die Gegenreformation, die hier Jahrzehnte hindurch tätig war, die auch zu dem schrecklichen Bauernaufstand im Jahre 1626 geführt hatte (vgl. Stieve, Der oberösterreichische Bauernaufstand 1626, München 1891).

Wenn man nun die oberösterreichischen Namen in den Kirchenbüchern zusammenstellt, so ist es überraschend, wie viele von den in Mittelfranken gegenwärtig vorhandenen Familiennamen Namen von solchen Emigranten sind. Der Familienforscher wird, wenn er aus unserem Frankenlande stammt, unter seinen vielen Ahnen väterlicher- und mütterlicherseits stets eine größere oder kleinere Anzahl mit österreichischem Blute entdecken. So zählt der Berichterstatter folgende Vorfahren aus dem Emigrantenkreise: Rusam, Erdmannsdörfer, Paukner, Oßberger, Knoll, Fischer, Neuhäuser, Sichart, Foistner, Wagner, Brückel, Ziegler, Weglehner, Neumüller, Gänsbauer, Ellinger, Eder, Rommelmüller, Pfitzinger, Stumpf, Winkler, Hamberger. Dies nur als ein Beispiel für den gewaltigen Blutzustrom, den die ursprüngliche Bevölkerung in unserem Lande von Österreich her erhielt.

Vielfach sind die österreichischen Namen schon an ihrer besonderen Form und Zusammensetzung kenntlich. Wohl ausnahmslos müssen als österreichisch angesprochen werden die auf „eder“ oder „öder“ auslautenden Namen wie Hocheder, Maueröder, Kleinöder, Geißelsöder, Humpenöder, Rohleder, Hameter, Platzeder, Hemmeter, Schlageter. Auch die meisten Zusammensetzungen mit „mayer“ („meier“, „maier“ oder ähnlich) stammen aus Österreich: Billmeier, Griesmeier, Birkmeier, Lehmeier, Kammermayer, Schachenmayer, Fellermaier, Obermeier, Schretzmaier usw.; wobei ausdrücklich bemerkt sei, daß man ja nicht ohne weiteres von einem solchen „mayer“-Namen auf Emigranten-Ursprung schließen darf, da ja, wie gesagt, nur die Mehrzahl dieser so gebildeten Namen bei uns österreichisch sind. Auch die meisten Namen auf „inger“ – entstanden aus Ortsnamen auf „ing“ – weisen auf Österreich; so Keplinger (von dem Orte „Kepling“ in Oberösterreich), Amslinger, Buchinger, Häußinger, Holzinger, Lamminger, Laubinger, Stamminger, Wiesinger, Inzinger, Peutinger und viele andere. Ferner sehr viele Namen auf „dörfer“, wie Erdmannsdörfer, Ammesdörfer, Besendörfer, Egersdörfer; noch mehr Namen auf „berger“, wie Arnsberger, Ballenberger, Eckenberger, Großberger, Guggenberger, Hohenberger, Rottenberger, Scheibenberger, Schönberger, Weinberger, aus späterer Zeit der bekannte Schaitberger. Weiter die Namen auf „hammer“ (ursprünglich „heimer“ von Ortsnamen auf „heim“, im Bayerischen und Österreichischen gern in „ham“ umgewandelt); so Aufhammer, Dallhammer, Doppelhammer, Grieshammer, Korhammer, Lierhammer, Schmitthammer u. a. Nicht selten sind aus Österreich auch Namen auf „höfer“ wie Meierhöfer, Pillhöfer, Reitelshöfer, Wellhöfer; dann Namen auf „egger“ und „reuther“; doch ist bei diesen Namen schon Vorsicht geboten, da sie leicht auch aus einem anderen bayerischen Sprachgebiet stammen können. Dagegen sind charakteristisch für Österreich die Namen auf „schlager“ oder „schläger“, z. B. Frauenschlager, Wollenschläger (von Ortsnamen auf „schlag“, in Oberösterreich häufig); ebenso Namen wie Fürhäußer, Fürholzer, Haunschild, Heubeck, Heidner, Hierl, Himmelseher, Simandl, Steurer, Leykam, Neukamm, überhaupt nicht wenige mit „neu“ angehende Namen, wie Neufischer (= Nehfischer), Neuberger, Neuhäußer, Neumayer usw.

Wie man sieht, ist es ein gewaltiges Heer von österreichischen Namen, die man so aufzählen kann. Sie sind der lebendigen Beweis dafür, daß der bayerische Einschlag in unserem Volke im Laufe der Zeit nicht geringer geworden ist, sondern sich eher verstärkt hat. Freilich haben sich auch diese neuen Siedler dem mittelfränkischen Volkstum so vollständig assimiliert, daß das Bewußtsein ihrer früheren Volkszugehörigkeit gänzlich aus dem Bewußtsein der Leute geschwunden ist. Auch sie sind treue Glieder der mittelfränkischen und weiterhin überhaupt der fränkischen Kulturgemeinschaft geworden. Der aus Mittelfranken stammende Familienforscher wird sich aber der Tatsache nicht verschließen können, daß ein Großteil seiner Ahnenschaft und wahrscheinlich sogar der größte Teil seine Wurzeln im bayerischen Volkstum liegen hat, mag er sich auch im übrigen noch so sehr – und mit Recht – als Franke fühlen.

Quelle:
Familiengeschichtliche Schriften herausgegeben von der Gesellschaft für Familienforschung in Franken, E.V., Sitz Nürnberg, Heft 3, Kirchenrat Georg Rusam in Sachsen bei Ansbach, Nürnberg 1930