Alfred Steinheimer

Aus alten Zehntregistern der Pfarrei Roßtal
die Ortsteile Oedenreuth, Kastenreuth, Trettendorf und Wimpashof betreffend

Die geschichtlichen Quellen über die genannten Ortsteile des Marktes fließen spärlich. Im Falle Oedenreuth mag es wohl daran liegen, dass dieser Ort als Bamberger Lehen durch seinen Herrensitz ein „Eigenleben“ unter den Ortschaften um den Pfarrort Roßtal führte, aber auch für die der ehemaligen Gemeinde Weitersdorf zugehörigen Ortschaften Kastenreuth, Trettendorf und Wimpashof sind die Akten des Pfarrarchivs wenig ergiebig.

Oedenreuth entstand, so nach dem „Historischen Ortsnamenbuch von Bayern“, in der Rodetätigkeit des 10. und 11. Jahrhunderts.

Der Ort wechselte im Laufe seiner Geschichte mehrmals den Namen und hieß bis etwa 1700 Kleinreuth aber auch Ebenreuth und obwohl zum Pfarrort Roßtal gehörig, hatte die Kirche keine Einnahmen von den wenigen Einwohnern dort.

Ein Zehntregister, angelegt von einem der letzten katholischen Geistlichen, dem Pfarrer Johann Neff im Jahre 1482 vermerkt kurz und lapidar: „Kleinreuth, dasselbstens hat der Pfarrer nichts, als ein Bauer gibt dem Vicario auf das Capital 6 Heller“.

Leider ist der Name des Bauern nicht angegeben und ebensowenig erfährt man, für welches Kapital der Zins zu entrichten war.

Alle Unterlagen über den Zehnt bis zum Jahre 1790 lassen erkennen, dass der Herrensitz Oedenreuth mit seinen „Hintersassen“ keine Abgaben an die Pfarrei entrichten musste.

Eine geschichtliche Quelle berichtet 1413, dass „Klein-Rewt“ zum burggräflichen Amt Roßtal zählt, was auch heißt, dass bei schweren Rechtsverletzungen die Oedenreuther Einwohner dem Richteramt Roßtal unterstellt waren. Bei minderschweren Vergehen war der Lehensinhaber und der Lehenspropst in Bamberg zuständig.

Aus den Matrikeln der Pfarrei lassen sich bis zum Jahre 1675 zurück die Lehensinhaber des Herrensitzes ermitteln. Eine Eintragung im Sterberegister 1675 zeigt das Ableben der Elisabeth Rosina von Roggenbach an, deren Ehemann „Herr auf Oedenreuth Georg Engelhardt“ fünf Jahre später gestorben ist.

Der Besitz Oedenreut verblieb offenbar bis zum Jahre 1696 der genannten Familie, da in dem genannten Jahr der letzte Hinweis auf einen Todesfall verzeichnet ist. Um das Jahr 1700 wurde der Familie von Lemp das Lehen übertragen und das „Salbuch für den freiadeligen Sitz zu Rostall“ das im Jahre 1692 beginnt, zeigt nachstehenden Eintrag:

„Herr Johann Christoph von Lemp uf Ebenreuth in Nürnberg
zinßet jährlich zu Michaelis dreyßig Kreuzer statt zweier Fast-
nachts-Hennen, von vier Morgen Holz Egerten auf dem Sand
zwischen Weißmannsdorf .Ebenreuth und Defersdorf“.

Der letzte der Herren von Lemp, Septimus Andreas von Lemp, starb unverheiratet im Alter von 44 Jahren am 18. März 1738 und wurde, wie in der Sterbematrikel vermerkt, mit großer Anteilnahme der Bevölkerung um 6 Uhr früh in der St.-Laurentius-Kirche begraben. Seine Grabstätte ist im Chor „nächst der Thüre der Sacristey“in der vormals Roggenbach'schen Gruft.

Über die Bestattung musste der „Hochfürstliche Geheime Rath“ in Ansbach entscheiden, da die markgräfliche Verwaltung am Ort einer Bestattung in der Kirche nur dann zustimmen wollte, wenn „eine hinlängliche Stiftung zum Heyligen (Kirchenvermögen) von 50 Thalern bis 100 Gulden entrichtet werde“.

Die von Lemp'schen Erben, die hier nicht ansässig waren, wollten wegen dieser Forderung eine Bestattung im Friedhof und beauftragten einen Nürnberger Notar damit, eine Grabstätte auszusuchen. Schließlich einigten sich die Erben doch auf eine Stiftungssumme von 50 Gulden; vielleicht gab das Standesbewußtsein der Adeligen auf dem Schloß den Ausschlag, dass Andreas von Lemp im Chor bestattet werden konnte. Die Anmerkung in der Kirchenrechnung über die Einnahme der 50 Gulden läßt den Schluß zu, dass die finanzielle Situation des Verstorbenen, ausgelöst durch Bautätigkeiten am Herrensitz, nicht besonders rosig war. Mit ihm starb der Lemp'sche Stamm aus und das Oedenreuther Gut ging an den Lehensherrn, dem Bischof von Bamberg zurück.

Wenige Jahre später belieh der Bischof die Nürnberger Familie Kreß mit dem Lehen. Der im Jahre 1741 ausgestellte Lehensbrief hat folgenden Wortlaut:

„Von Gottes Gnaden wir Friedrich Carl Bischof von Bamberg und Würzburg,
des Heil. Rom. Reichs Fürst, Herzog von Franken, bekennen und thun kund
öffentlich an diesen Brief, dass wir unserem Lieben Getreuen Bathasar
Christopf Kreß zu Nürnberg zu rechten Zinßlehen geliehen haben zwey Güter
zu Kleinreuth jetzt Oeden- oder Ebenreuth genannt, bey Rostall gelegen, darauf
der Zeit ein Guth gemacht und folgender Gestalten bebauet und eingerichtet ist,
nehmlich mit einem Herrenhauß,Gesindhauß, Roß- und Rindviehe Stallung,
dann ein Gärtners Häußlein und zwey Stadeln ect. “

Im Jahre 1790 zählte das Kreß'sche Lehen in Oedenreuth sechs Anwesen und der Herrensitz blieb im Besitze der Familie Kreß von Kressenstein bis er im Jahre 1868 in bürgerliche Hände überging und die Gebäude teilweise anderen Zwecken zugeführt wurden.

Anders als im Adelssitz Oedenreuth waren die Herrschaftsverhältnisse und Abhängigkeiten der Bauern in Kastenreuth, Trettendorf und Wimpas.

In Kastenreuth, das erst im Jahre 1530 „Castnersreuth“ geschrieben wird, vermerkt der Pfarrer in seinen Aufzeichnungen: „Da hat der Pfarrer den 3ten Theil am Zehenden, der ihm bestehet, gibt dem Vicario 60 Heller, auch den 2ten Theil am Hauszehenden“

Aus den Aufzeichnungen des Pfarrers ist nicht zu erkennen, wer noch an diesem Zehnt beteiligt war. Nach weiteren Forschungen konnte in einem Verzeichnis des 18. Jahrhunderts die Patrizierfamilie Rieter zu Kornburg gefunden werden, die über 213 des großen und kleinen Zehnt verfügte; 1/3 des großen Zehnts (Korn, Weizen, Gerste und Hafer) ging an das markgräfliche Steueramt, das sogenannte Kastenamt in Cadolzburg. (Der kleine Zehnt erfasste die Ernteerträge von Erbsen, Wicken, Linsen, Buchweizen, Hirse, Rüben, Zwiebeln, Flachs, Hanf und dergl.).

1655 werden nach dem Zehntverzeichnis dem Johann Christoph Dietherr von Nürnberg Felder, Holz und Wiesen in der Kastenreuther Flur zugeteilt und in gleicherweise erhielt eine Frau Susanne Ayrer Grund und Boden übereignet.

Da es im Jahre 1632 in den kriegerischen Auseinandersetzungen des 30-jährigen Krieges in Kastenreuth 23 Tote gab und somit kaum Überlebende existierten, war das Land unbebaut und öd geworden. Es gab aber auch noch weitere Nürnberger Patrizier wie die Familie Kötzer, die allein drei Höfe in Kastenreuth besaß.

In Trettendorf hatte die Pfarrei den gesamten Zehnt. Nach den Eintragungen des Pfarres im Zehntbuch bezog er diese Einkünfte von zwei Höfen. Außerdem gab es noch pfarreigenes Land, das gegen Abgaben ein Bauer Schmitterer bearbeite.

Nach dem 30-jährigen Krieg zog der Markgraf den Zehnt von Trettendorf völlig ein. Dieser musste zeitweise an das Kastenamt in Cadolzburg abgeführt werden. In nicht wenigen Fällen hatte dieses Amt keine Klarheit über die Abgabenpflicht der Bauern. Die Überlebenden in den Dörfern übernahmen zum Teil zehntpflichtige Grundstücke, bebauten, verkauften oder vererbten sie und verschwiegen dies gegenüber dem kirchlichen Zehntnehmer. Da die jeweiligen Pfarrer nicht aus dem Ort stammten, konnten diese nur gestützt auf ältere Verzeichnisse, so diese den Krieg überstanden hatten, zurückgreifen und so den alten Zustand wenigstens annähernd wieder herstellen.

Um eine Vorstellung von der Höhe der Abgaben zu erhalten sei eine Notiz des Roßtaler Pfarrers Abraham Heinrich Lips, Pfarrer in Roßtal von 1735–1747 angeführt. Er bestätigt, dass er im Jahre 1740 von den Bauern Michael List, Adam Roth und Martin Roth aus Trettendorf folgende Abgaben erhielt:

2 Simra 8 Metzen Korn
2 Simra 10 Metzen Gerste
6 Metzen Weizen
24 Metzen Hafer
und einen halben Schober Stroh.

Auf heutige Gewichtseinheiten umgerechnet bestand die Abgabe der drei Bauern allein aus rd. 60 Zentnern Körnerfrucht.

In Wimpashof, der Ortsteil erhielt diesen Namen erst 1904, besaß der Pfarrer 1/3 des Zehnt, während im 18. Jahrhundert die Familie von Kreß auf Oedenreuth Grundstücke dort erwarb und damit 2/3 dieses Zehnts erhielt.

Die Abgaben wurden oft nur unter Widerstand geleistet, vor allen Dingen bei Missernten. Hier gab es Abschläge oder der Zehnt fiel ganz aus. Bei weniger guten Ernten gab es heftige Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Abgaben, denn der Zehntnehmer sollte wie der Bauer am Risiko der Ernte beteiligt sein.

So muss es im Jahre 1740 eine recht mäßige Ernte gegeben haben und es kam zu Verweigerungen den Zehnt zu leisten. Pfarrer Lips vermerkte diesen Vorgang im Zehntbuch: „Die Raitersaicher haben nach langen verhandeln nichts mehr geben wollen“.

Erst im Jahre 1848 wurde im Königreich Bayern der Zehnt aufgehoben. Die neue Form der Besteuerung war ein „Bodenzins“, der in Geld zu begleichen war. Diese Grundabgabe konnte später durch eine Bezahlung des 18-fachen Jahresbetrages abgelöst werden, wobei der Bayerische Staat den Bauern durch die Herausgabe eines 4%igen Schuldbriefes die Ablösung erleichterte.

Mit der Aufhebung des Zehnt ging ein rd. 1000 Jahre aufrecht erhaltenes Besteuerungssystem zu Ende.

Quellen:

Archiv der Evang.-Luth. Pfarrei St. Laurentius Roßtal Akte Nr. 96, 127, 144, 265, 267 Kirchenrechnungen von 1737/42
Geburts-, Sterbe- und Cop.-Register 1675–1738

Literatur:

Dr.Wolfgang Wiessner: „Die Ortsnamen des Fürther Umlande“, Kommission für Bay. Landesgeschichte, 1963
August Gebessler: „Stadt- und Landkreis Fürth“, Deutscher Kunstverlag Münch., 1963
Adolf Rohn: „Heimatbuch von Roßtal und Umgebung“, 1928
Werner Sprung: „Zehnten und Zehntrechte um Nürnberg“, Nbg., 1968
Dietmar Stutzer: „Geschichte des Bauernstandes in Bayern“, Süddeutscher Verlag München, 1988


Quelle:
Alfred Steinheimer, St.-Laurentius-Kirche zu Roßtal – Geschichte und Geschichten um die Pfarrei, Roßtal 2001, S. 89 ff.