Die Landschaft um Roßtal

Lage
Landschaftsform
Geologie
Klima
Pflanzenwelt

Lage

Unsere Ortschaft liegt 15 km westsüdwestlich von Nürnberg an der Eisenbahnlinie Nürnberg-Ansbach. Ihre geographischen Koordinaten sind: 10 Grad 53 Minuten östlicher Länge und 49 Grad 24 Minuten nördlicher Breite.

Die Höhenlage über dem Meer schwankt zwischen 342 m NN an der ehemaligen Mühle und 397 m NN an der Siedlung beim Wasserreservoir. Die Höhenmarke am Roßtaler Kirchturm, der bei der bayerischen Landesvermessung in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts als trigonometrischer Stützpunkt diente, zeigt die Höhe 372,6 m NN. Der Bahnhof ist mit einer Höhe von 368,4 m NN eingemessen.

Landschaftsform

Die Gegend um Roßtal gehört zur Landschaft der mittelfränkischen Keuperabdachung, die von der Frankenhöhe im Westen zur Rednitz-Regnitz-Furche sanft einfällt. Es ist ein Hügelland mit breiten, schwach welligen Hochflächen zwischen deutlich eingetieften Flußtälern, die, dem allgemeinen Gefälle der Landschaft folgend, hauptsächlich nach Osten streben. Unsere Gegend wird also über Rednitz, Regnitz, Main und Rhein zur Nordsee hin entwässert. Die beiden uns benachbarten Flüsse sind Bibert und Schwabach, deren Wasserscheide südlich des Ortes auf der Hochfläche von Raitersaich, Wimpashof, Kastenreuth verläuft.

Von den Flußtälern ausgehend zergliedern zahlreiche Seitenbäche die Hochflächen durch rückschreitende Erosion. Für uns ist es der Mühlbach, früher auch Schwalmbach genannt, ein südlicher Zufluß zur Bibert, der zusammen mit seinen Quellbächen die Geländeform unserer Ortschaft formte. Es entstanden mehrere Talsporne, deren Deckflächen im flachen Anstieg mit der Wimpashofer Höhe zusammenhängen, während Stirnflächen und Flanken steil zu den 20 Meter tiefer liegenden Bachläufen abfallen.


Lageplan

So bildete sich ein Gelände heraus, das zu Fortifikationen in alter Zeit geradezu einlud; auf dem Hauptsporn noch zusätzlich begünstigt durch eine Einschnürung im Bereich der Spitzweed, was die Verteidigung gegen den von der Hochfläche her angreifenden Feind erleichterte. Auch die Bodenbeschaffenheit kam dem zustatten; denn im Bereich der Spitzweed ist der Boden ein zäher toniger Lehm, der es wegen seiner Wasserundurchlässigkeit ermöglichte, Himmelsteiche - also Teiche ohne Quellzufluß - für Verteidigungszwecke anzulegen. (Die Spitzweed ist ein uraltes Kulturdenkmal unseres Ortes, das unbedingt erhalten werden sollte.)

Heute ist die Landschaftsform vielfach verändert, vor allem durch den Bau der Eisenbahndämme, die die Täler kappten. Zudem wurden die Bäche verrohrt. Unser Mühlbach durchfloß noch vor 30 Jahren den unteren Ort in einem flachen Bett zur Freude der Kinder und der Schwalben, Gänse und Enten.

Geologie

Die Ablagerungen

Unser Gebiet liegt im mittleren Keuper, einer Formation der Trias, die dem Erdmittelalter angehört.

Den weitaus überwiegenden Teil nehmen Ablagerungen des Blasensandsteines und des Coburger Sandsteines ein. Sie bestehen aus einer rund 50 Meter mächtigen unregelmäßigen Folge von Sandsteinen und tonigen Zwischenlagen. Die Sandsteine, meist mittelkörnig ausgebildet, sind von gelbbrauner, bräunlich grauer, hellgrauer bis rosagrauer Farbe. Manche Partien sind durch Manganausfällungen auch dunkelbraun bis schwarz verfärbt. Der Feldspatgehalt der Sandsteine ist sehr hoch. Häufig enthalten sie Tongallen und aufgearbeitete Steinmergelgerölle, die im anstehenden Gestein leicht herauswittern, so daß blasenartige Hohlräume entstehen, was dem Blasensandstein den Namen gab. Das Bindemittel der Sandsteine besteht teils aus Ton (Kaolin), teils aus Karbonat oder Quarz in sehr unterschiedlichen Verhältnissen. Dementsprechend variieren auch die Festigkeitseigenschaften: teils weicher, teils härter dienten die Sandsteine verschiedenen Zwecken. So war im Winkel früher ein Steinbruch in den härteren Lagen, der das Baumaterial für viele alte Roßtaler Häuser lieferte, während in den mürben Sandsteinen des Galgengrabens Stubensand zum Fegen der Zimmer gewonnen wurde. Die Höhlen sind heute noch zu sehen. Die Gruben in den Hasenbüschen und im Trettendorfer Wald lieferten dagegen Bausand.

Zwischen die Sandsteinschichten schieben sich tonig-schiefrige Lagen ein. Sie enthalten viel Glimmerstaub und meist auch etwas Feinsand. Oft sind diese Zwischenlagen nur einige Dezimeter stark, zuweilen erreichen sie aber auch Mächtigkeiten von mehreren Metern. Sie wechseln in ihrem örtlichen Auftreten ebensosehr wie in ihrer Farbe, die von Grau über Grün und Rot bis Rotbraun gehen kann. Den Erdanschnitten geben sie oft ein recht buntes Gepräge. Für die Ertragsfähigkeit der Böden spielen diese Zwischenlagen eine erhebliche Rolle. Dort, wo sie an der Oberfläche anstehen, vernässen die Felder, die Böden sind schwer und die Äcker schwierig zu bearbeiten. Wenn sie hingegen nur im tieferen Unterboden vorhanden sind, verbessern sie die Bodengüte, indem sie die Versickerung des Niederschlagswassers abbremsen, so daß den Pflanzenwurzeln mehr Wasser zur Verfügung steht. Daraus geht bereits hervor, daß die Zwischenschichten für die Wasserführung des Geländes sehr bedeutsam sind. Auf ihr Konto gehen die Feuchtstellen der Hochfläche, wie bei Clarsbach südlich der Eselsheide, um Wimpashof, zwischen Oedenreuth und Weismannsdorf, um Kastenreuth, Sichersdorf und Anwanden, wo wir überall Wiesen antreffen. Zum Teil sind die Böden hier sogar anmoorig. Außerdem bedingen die Zwischenschichten an den Talanschnitten zahlreiche Schichtquellen, die zuweilen erhebliche Wassermengen schütten, wie die gefaßte Bader-Quelle unterhalb des Roßtaler Schloßberges und die Sieben Quellen. Auch die Schwalbenhofquelle und die Mühlbachquelle im Block sind Schichtquellen der tonigen Zwischenlagen im Blasensandstein.

Die Sandsteine mit ihren tonigen Zwischenletten bilden bei uns die Hochflächen, sozusagen den Deckel unserer Landschaft. Verlassen wir diese Hochfläche, wenn wir zum Beispiel das Mühlbachtal hinuntergehen oder uns von Stöckach aus dem Biberttal zuwenden, so gelangen wir in den Bereich der Lehrbergtone, einer etwa 25 bis 30 Meter mächtigen Lage aus überwiegend rotbraunen schieferigen Tongesteinen, die stellenweise mergelig sind. Es sind typische Talflankenbildner; aber nur selten stehen sie rein an, meist überdeckt sie eine Lage von sandigem Verwitterungsmaterial aus dem Blasensandstein und mischt sich in sie hinein. Für die Landwirtschaft ist diese Mischung recht günstig, führt sie doch auf den schwach geneigten Lagen zu den fruchtbarsten Böden unserer Landschaft. Die Lehrbergtone werden aber auch gewerblich genutzt, wie in den Ziegeleien von Zirndorf, Altenberg, Langenzenn und Siegelsdorf. Für die Wasserführung unserer Landschaft sind sie mindest ebenso bedeutsam wie die tonigen Zwischenlagen im Blasensandstein. An der Schichtgrenze zwischen dem Sandstein und den dichten Lehrbergtonen entspringen nicht nur Quellen wie der stark schüttende Rumpelbrunnen im Buttendorfer Wald, die Quelle im Badergäßlein oder am Geißberg, hier befindet sich auch die Zone der Karpfenweiher, so die Espanweiher, die Weiher zwischen Buttendorf und Ammerndorf, zwischen Stöckach und Neuses oder jenseits der Bibert im Tälchen von Pleikershof.

Geländeprofil

Eine hydrologische Besonderheit sei noch erwähnt, die vor allem im Bereich der Lehrbergtone auftritt: die artesischen Quellen. In den Quelltöpfen dieser Brünnlein sprudelt das Wasser nach oben, das Erdreich wie in kochender Bewegung ständig aufwirbelnd. Dieses schöne Naturspiel kommt dadurch zustande, daß zwischen einer grundwassertragenden Schicht und einer schrägliegenden wasserundurchlässigen Deckschicht das Grundwasser unter hydrostatischem Druck sich einen Weg nach unten sucht. Die schönste Quelle dieser Art, das Doktorsbrünnlein im unteren Mühlbachtal, wurde leider überbaut. Ein zweiter artesischer Quelltopf befindet sich im Mühlbachtal unweit des Gemeindewaldes.

Auf unserem Gang zur Bibert queren wir unterhalb der Lehrbergtone noch eine weitere recht charakteristische Schicht des mittleren Keupers, den Schilfsandstein. Er ist wegen seiner schönen Farbe und leichten Bearbeitbarkeit ein gesuchter Bau- und Bildhauerstein gewesen und wurde früher 500 m nordöstlich der Weinzierleiner Mühle in flachen Brüchen abgebaut. Die alten Grabsteine auf unserem Friedhof bestehen aus diesem Sandstein.

Im Biberttal treffen wir auf eine weitere erdgeschichtlich interessante Erscheinung: die mächtigen Talflankensande. Sie begleiten die Talauen der Bibert bis zur Mündung. Sehr schön aufgeschlossen sind sie in der Sandgrube im Erlach bei der Kernmühle, wo man erkennen kann, daß es sich um sehr alte Ablagerungen der Bibert handelt. Die überwiegend grobkörnigen Sande liegen heute bis zu 15 Meter über dem Flußbett, sind kreuzgeschichtet und von dünnen Geröllagen unterbrochen. In den Geröllen finden sich übrigens zahlreiche verkieselte Hölzer aus abgeräumten Keuperschichten (Podocarpoxylon). Diese Talflankensande entstammen dem Eiszeitalter und werden von den Geologen als Hauptterrassensande angesprochen. Sie sind also erheblich jünger als die Keuperschichten.

Eiszeitliche Ablagerungen finden wir nicht nur im Biberttal, sondern auch auf der Hochfläche. So konnten westlich, südlich und östlich unseres Orts dünne Flugsanddecken nachgewiesen werden, ebenso Fragmente uralter Schotterablagerungen aus Quarzgeröllen bis Hühnereigröße, so in den Hasenbüschen und westlich von Kastenreuth. Diese Schotter beweisen, daß auch einmal im Niveau unserer Hochflächen größere Flüsse am Werke waren.

Noch jünger sind die Ablagerungen auf dem untersten Niveau der Bibert, die großenteils als Wiesen genutzt werden. Es sind die Alluvionen der geologischen Jetztzeit, wie sie die Bibert bei ihren früher fast alljährlichen Hochwassern als Schlick und Sandablagerungen auf dem Talboden hinterließ. Solche Alluvionen bilden auch den Talgrund der Seitenbäche. Im mittleren Mühlbachtal sind sie über 6 Meter mächtig, was auf eine starke Erosion im Einzugsgebiet nach der Rodung im Mittelalter hindeuten könnte.

Zu erwähnen wäre noch, daß die Schichten des Keupers nicht mehr in ebener Lage liegen, so wie sie einst sedimentiert wurden, sondern daß sie aufgrund tektonischer Bewegungen der Erdkruste nach Nordosten gekippt sind.

Die Erdgeschichte

Die Schichten des Blasensandsteines und Coburger Sandsteines wurden vor mehr als 180 Millionen Jahren in einem trocken-heißen Wüstenklima sedimentiert. Sandstürme fegten über das Land und verwehten das feine Verwitterungsmaterial weithin. Wolkenbruchartige Regenfälle führten zu Schichtfluten und kurzlebigen Flüssen, die den Abtragungsschutt stückweise weiterverfrachteten, eine flachwellige Landschaft bildend, die von zahlreichen Wadis durchzogen war, eine lebensfeindliche Umwelt.

In der folgenden Jurazeit senkte sich allerdings das Land, das Meer drang vor und bedeckte schließlich auch unser Gebiet vollständig. Erst gegen Ende der Jurazeit hob sich unser Land wieder über den Meeresspiegel und ist seither Festland. In den letzten 120 Millionen Jahren formte also wieder das fließende Wasser unsere Landschaft. Rund 600 Meter mächtige Schichten des Jura und des oberen und mittleren Keupers fielen der abtragenden Wirkung des Wassers zum Opfer, unterstützt durch innere Kräfte der Erde, die im Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen das Gebiet nördlich der Donau stark heraushoben und dadurch die Erosionsenergie verstärkten. In dieser Zeit des Tertiärs zerbrach unser Land auch in einzelne Schollen, die sich hauptsächlich nach Osten neigten. Die heutige Keuperabdachung geht also auf diese Zeit zurück.

War es in der Kreidezeit und im Tertiär über lange Zeiträume hinweg warm mit tropischen und subtropischen Bedingungen, so folgte mit dem Pleistozän vor rund einer Million Jahren der Zyklus der Eiszeiten. Wir können heute mindestens fünf solcher Eiszeiten unterscheiden, die von warmen Zwischeneiszeiten unterbrochen waren. Während sich das nordische Inlandeis bis weit nach Norddeutschland hereinschob und im Süden riesige Gletscherkuchen aus den Alpentoren herausquollen, die sich bis in die Gegend des heutigen Münchens erstreckten, blieb unser Gebiet eisfrei. Es glich eher einer nordischen Tundra, bedeckt mit Flechten, Moosen und Zwergsträuchern, wo Rentiere nach Asung suchten und Mammute weideten und wo jagende Menschen im kühlen Sommer das Land durchstreiften. Vor rund 13000 Jahren endete die (vorerst) letzte Eiszeit und unsere heutige Entwicklung begann.

Klima

Das Gebiet um Roßtal gehört zu den warmen, niederschlagsarmen Gegenden Süddeutschlands.

Die mittlere jährliche Lufttemperatur beträgt 8 °C. Das ist für Bayern ein recht hoher Wert, beschränkt er sich doch auf den Bereich der Rednitz-Senke, das Aisch- und Maintal sowie auf die unterfränkische Platte. Ein Jahresmittel von 9 °C wurde in Bayern nur im Aschaffenburger Untermaintal festgestellt.

Die wärmeklimatische Begünstigung unseres Gebietes zeigt sich in einer Reihe weiterer Daten: Die mittlere Lufttemperatur beträgt in der Hauptvegetationszeit (Mai, Juni, Juli) 15,2 °C, im Monat Juli sogar über 17 °C. Die Anzahl der Tage mit einer mittleren Temperatur von mehr als 10 °C liegt bei 155. Über 25 °C klettert das Thermometer bei uns an durchschnittlich 35 Tagen. Solche "Sommertage", wie sie die Meteorologen nennen, gibt es in München beispielsweise nur rund 25.

Die langjährige mittlere Januartemperatur beträgt -1,5 °C. Die Anzahl der Frosttage, an denen das Thermometer wenigstens kurzfristig unter 0 °C sinkt, liegt bei 110, die Anzahl der Eistage, an denen das Thermometer nicht über den Gefrierpunkt ansteigt, bei 27. Die ersten Fröste kommen bei uns im Durchschnitt erst um den 10. bis 15. Oktober, die letzten um den 30. April bis 2. Mai, so daß sich eine ungefähre frostfreie Zeit von 160 bis 165 Tagen errechnet.

Die Temperaturdifferenz zwischen dem wärmsten und dem kältesten Monat beträgt 18,7 °C und erweist unsere Gegend als ein Übergangsgebiet zwischen dem subkontinentalen und dem subatlantischen Raum.

Das hohe Wärmedargebot führte dazu, daß in unserer Gegend der Obst- und Tabakanbau florierte. So waren die Roßtaler Zwetschgen weitbekannt. Auch Weinbau wurde früher bei uns betrieben - der Ortsname Weinzierlein und einige Flurnamen deuten darauf hin. Der nächstgelegene Weinberg befindet sich heute 30 km westnordwestlicher von uns bei Weimersheim auf der Frankenhöhe. Niederschlagsmäßig gehört unser Gebiet zu einer Trockeninsel, die von Nürnberg über Neustadt/Aisch, Bad Windsheim nach Würzburg und Schweinfurt reicht. In der langjährigen Beobachtungsperiode von 1891 bis 1930 fielen im Mittel nur knapp 600 mm Niederschlag pro Jahr. Niederschlagsreichster Monat ist der Juli mit rund 80 mm, niederschlagsärmster der Februar mit rund 35 mm. Im Vergleich zu anderen bayerischen Gegenden ist unser Gebiet arm an Sommerregen: In der Hauptvegetationszeit Mai, Juni und Juli fallen bei uns nur 200 mm Regen, auf der Jurahochfläche dagegen 250 mm, im Fichtelgebirge 300 mm oder in München - infolge der Stauregen vor den Alpen - fast 350 mm.

Die sommerliche Niederschlagsarmut bedingt, daß bei uns keine ausgedehnte Grünlandwirtschaft betrieben werden kann. Die Wiesen beschränken sich auf grundwassernahe Tallagen, auf stauwasserfeuchte Flächen und auf quellige Hänge, an denen das Wasser durch künstliche, quer zum Hang verlaufende Gräben verteilt wird, so daß sickerfrische Hanglagen entstehen. Das letztere Verfahren wird vor allem im Bereich der Schichtquellen der Lehrbergtone angewandt.

Die Gewitterhäufigkeit ist bei uns nicht sehr hoch. Die mittlere Zahl der Tage mit Gewitter beträgt nur 23, in München dagegen 31. Auch die Hagelhäufigkeit ist gering.

Insgesamt fällt an 35 Tagen im Durchschnitt Schnee. Am Gesamtniederschlag beträgt der Schneeanteil nur 12 % des Niederschlagswassers, im Januar allerdings immerhin 38 %. Eine Schneedecke von mehr als 1 cm Dicke ist an rund 40 Tagen vorhanden, zusammenhängend allerdings selten mehr als 2 bis 3 Wochen, was das Wintersportvergnügen recht einschränkt. Dagegen sind wir vom Sonnenschein bevorzugt. Die mittlere Zahl der trüben Tage liegt mit 140 deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt. Dasselbe gilt für das mittlere Bewölkungsprozent und die Nebelhäufigkeit.

Die vorherrschenden Winde wehen meist aus West, Südwest und Nordwest und bringen gute Waldluft heran, was die Besucher aus den dunstüberwölbten Ballungsräumen von Nürnberg, Fürth und Erlangen besonders wohltuend empfinden.

Die angegebenen Zahlen sind Durchschnittswerte, die sich aus einer langen Beobachtungsperiode ergeben. Die einzelnen Jahreswitterungen können hiervon beträchtlich abweichen.

Pflanzenwelt

Hätte der Mensch nicht in die Landschaft eingegriffen, so bedeckten heute urige Eichenwälder den größten Teil unserer Landschaft. Das Eichenwäldchen am Hunnenberg, Teile des Gemeindewaldes und des Schwellholzes sind letzte Zeugen dieser natürlichen Pracht. Allerdings waren es keine reinen Eichenwälder. Auf großen Flächen gesellten sich Linden, vor allem Winterlinden, zu den Stiel- und Traubeneichen; auf nährstoffkräftigeren Böden traten auch Hainbuchen, Vogelkirschen und Elsbeerbäume dazu. An frischen Nordhängen wie im Gemeindewald, im Schwellholz und im Erlach mischte sich die Rotbuche ein und gewann hier gelegentlich sogar die Oberhand. Auf solchen Standorten wuchs vereinzelt auch die Weißtanne; einige mutmaßlich natürliche Alttannenvorkommen waren bis vor einigen Jahren noch im Privatwald des Erlachs vorhanden. Auf trockenen, nährstoffarmen Sandstandorten wie auf den Talflankensanden im Biberttal oder auf den Sandsteinverwitterungsböden der Hochflächen trat der Eichenmischwaldtyp zurück zugunsten von Kiefern-Eichen-Wäldern mit beigemischten Birken, Vogelbeerbäumen und Espen. Ganz andere Wälder waren indessen in den Talauen ausgebildet: Im Überschwemmungsbereich der Flüsse und Bäche bildeten sich üppige Eschen-Schwarzerlen-Wälder heraus mit beigemischten Schwarzpappeln, Silberweiden, Traubenkirschen, Flatterulmen, Feldulmen, gelegentlich auch Stieleichen, Hainbuchen und Birken. Auch die Strauchvegetation war hier sehr bunt zusammengesetzt mit verschiedenen Hartriegelarten, Weißdorn-, Schwarzdorn-, Kreuzdorngesträuch, Heckenkirschen, Pulverholz, Haselnuß, Spindelbäumen, wilden Johannisbeerarten und manch anderen. Wo die Täler vermoorten, ging die Üppigkeit zurück. Hier herrschte die Schwarzerle und mit ihr die Fichte, die von da aus vereinzelt wohl auch in die buchenreicheren Schattlagen vordrang.

Für das natürliche Vorkommen der Fichte in unserem Raum fanden wir in den 50er Jahren bei den Ausschachtungsarbeiten für die Roßtaler Kläranlage im Mühlbachtal einen eindrucksvollen Beweis: In 6 Meter Tiefe unter der heutigen Talauenoberfläche befindet sich ein mooriger Horizont, der aufgrund von menschlichen Kulturresten in die Hallstattzeit um etwa 800 vor Christi Geburt datiert werden konnte. In diesem moorigen Horizont waren neben den Wurzelstöcken von Schwarzerlen auch Fichtenzapfen konserviert, die mit Sicherheit von natürlichen Fichtenvorkommen stammten.

Im Gegensatz zur natürlichen Vielfalt kennzeichnet das heutige Waldbild die Kiefer, die rund 90 % der Waldfläche einnimmt. An die zweite Stelle tritt die Fichte, die vor allem auf den frischeren Nordlagen angebaut wird. Auch einige Ausländer wurden eingeführt, so die aus Nordamerika stammenden Douglasien und Stroben oder Weymouthskiefern. Von den letzteren stehen einige mächtige Exemplare im Erlach (Nordwestteil, in einem Eichenbestand). Auch die Bankskiefer, ebenfalls eine Nordamerikanerin, wurde gelegentlich angebaut, so auf der Hochfläche bei Trettendorf. Für die ursprüngliche Laubbestockung blieb nur wenig Raum. Er beschränkt sich meist auf Feldgehölze und Waldränder.

Die Gegend um Roßtal kann als waldreich betrachtet werden. Vor allem in den letzten 100 Jahren nahm die Waldfläche wieder zu, denn viele Felder wurden zur Zeit der Agrarkrise während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts aufgeforstet. Die heutige Wald-Feld-Verteilung mit ihren eingesprengten Waldparzellen geht großenteils darauf zurück. Heute sind rund 50 % der Fläche mit Wald bestockt. Den übrigen Teil nimmt die landwirtschaftliche Nutzung ein oder es decken ihn Siedlungen und Verkehrswege. In der Landwirtschaft überwiegt der Anbau von Getreide, Mais und Kartoffeln. Auch Futterrüben werden gebaut. Der Obstbau ist allerdings rückläufig, und der Anbau von Kraut und Tabak ist nahezu ganz verschwunden.

Was die Flora anbelangt, wäre zu sagen, daß durch die starke menschliche Einflußnahme erhebliche Veränderungen eingetreten sind, nicht zuletzt durch Flurbereinigung und vermehrte Herbizidanwendung in der Landwirtschaft während der letzten zwei Jahrzehnte. Allgemein kennzeichnet die Flora den klimatischen Übergangstypus unserer Region. So mischen sich Florenelemente des atlantischen und des kontinentalen Florenreiches. Als Besonderheit sei angeführt, daß einer der südlichsten Standorte der stark atlantischen Glockenheide (Erica tetralix), einer Verwandten unseres Heidekrautes, im Erlach sich befindet. Neben den zahlreichen Arten der collinen Stufe drangen in unseren wärmebegünstigten Raum auch Pflanzenarten südlicher Gebiete ein, und zwar sowohl aus dem Mediterrangebiet wie aus dem pontisch-sarmatischen Raum der südosteuropäischen Steppen. Meist waren sie als Begleiter des Getreidebaus zu uns gekommen und sind heute durch den Herbizideinsatz großenteils wieder vertrieben.

Quelle: Karl Kreutzer, in: Roßtal - Vergangenheit und Gegenwart, S. 361 ff.