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Ansitz der Ministerialen von Putendorf in Buttendorf

850 JAHRE BUTTENDORF 1132 erscheinen die Ministerialen Gernot von Putendorf und sein Sohn Rudolf als Zeugen auf der Stiftungsurkunde des Klosters Heilsbronn. Das Bild zeigt die Lage ihres Ansitzes in Buttendorf. Hinter dem Zaun in der Bildmitte verlief der Burggraben. Links oben im Bild die Kapelle.

Dieter Koerber

850 Jahre Buttendorf

Unsere Nachbargemeinde Heilsbronn konnte in diesem Jahre in großem Rahmen ihre 850-Jahr-Feier begehen. Das Datum bezieht sich auf die Gründung des Klosters Heilsbronn; 1132 kaufte Bischof Otto von Bamberg ein Gut bei „Halesprunnen“ und überließ es mit weiteren Gütern in der Umgebung den Zisterziensern aus Ebrach. Noch heute geht man von Roßtal nicht nach Heilsbronn, sondern „aff Kloustä“, ein Hinweis, wie diese Klostergründung in unsere Gegend hineinwirkte.

Unter den adligen Zeugen der Klostergründung verzeichnet die Urkunde Gernot von Putendorf und seinen Sohn Rudolf. – Die erste Erwähnung unseres Ortsteils Buttendorf. Unser Ort hätte also genauso wie Heilsbronn Anlaß, seine 850-Jahr-Feier zu begehen.

So wenig wie in Heilsbronn ist bei Buttendorf freilich die erste urkundliche Nachricht ein Hinweis auf das Alter des Ortes. Wir haben hier mit einer längeren Vorgeschichte zu rechnen: Wolfgang Wießner zählt Buttendorf zu den -dorf- und -bachorten, die in der Zeit nach 700 in Verbindung zu einem fränkischen Königshof oder einer Urpfarrei (Roßtal) entstanden sind. Damit läge der Ursprung von Buttendorf im frühen achten Jahrhundert.

Zum weiteren Ausbau des Königslandes wurden seit dem 11. Jahrhundert die sog. Reichsministerialen eingesetzt. Es waren zunächst unfreie Dienstmannen, denen es oft gelang, sich zu einem niederen Ortsadel aufzuschwingen. Zu solchen gehörten auch die in der Heilsbronner Urkunde 1132 erstmals genannten Herren von Buttendorf. Ihr Geschlecht ist stammesverwandt mit denen von Leonrod. So erscheinen 1278 ein Gottfried von Buttendorf und sein Bruder Johannes von Leonrod. Wir finden die Buttendorfer in den folgenden Jahrhunderten nicht nur in unserer näheren Umgebung begütert, sondern als Burg- und Schloßherren und Beamte in weiten Gebieten Mittelfrankens. So nannte sich bereits der dritte Buttendorfer, den wir kennen, Erkenbrecht (I.), der Sohn Rudolfs, „von Buttendorf zu Buttendorf und Flüglingen“. Den gleichen Namen führte sein Sohn Erkenbrecht (II.).

Flüglingen, ein heute abgegangener Ort bei Weißenberg, wo der Name noch im „Flüglinger Berg“ weiterlebt.

4 km südwestlich von Weißenburg liegt Emmetzheim. 1381 vermacht Ulrich von Buttendorf, zu Emmetzheim gesessen, seiner Mutter Margarethe „seine allda innegehabten Güter zu einem Leibgeding“. Da sowohl in Flüglingen wie auch in Emmetzheim das adelige Geschlecht der Kropf zu Hause war, liegt die Vermutung einer Verwandtschaft der Buttendorfer mit den Kropf nicht ferne.

1383 verkauft Ulrich der Putendorfer sein Schloß Neuhaus bei Geyern mit allen Gerichtsrechten und Eigenleuten, dazu den Zehnt zu Nennslingen um 1800 ungarische und böhmische Gulden.

Der Sohn Ulrichs, Hans der Jüngere, ist hochfürstlich Eichstättischer Pfleger zu Sandsee.

Stieber erwähnt einen Caspar von Buttendorf, der von 1415–1446 Pfleger des Oberamts Roth war.

Ein Georg von Buttendorf verkauft 1430 sein Schloß Altenmehr bei Gunzenhausen an Konrad von Lentersheim.

Die Verbindung zum Kloster Heilsbronn hat im Geschlecht der Herren von Buttendorf wohl immer bestanden. Die Ritterkapelle beim Münster bewahrt in ihrer nordwestlichen Ecke noch zwei Grabsteine mit dem Buttendorfer Wappen (abgebildet bei Rohn). 1343 wird ein Caspar von Buttendorf in Heilsbronn begraben. 1464 lieh ein Hans von Buttendorf dem Kloster 1200 Gulden zu 5 %. Bei der Rückzahlung erließ er den Heilsbronnern 50 Gulden für seinen künftigen Jahrtag. Er war vermutlich der letzte seines Geschlechtes.

Als Nachfolger der nur wenig bezeugten Herren von Roßtal hatten die Buttendorfer auch in Roßtal herrschaftliche Rechte. Bekannt ist die Geschichte der Buttendorfer Anordnung, daß jeder Flucher ein Fuder Steine zum Bau der Mauern zu führen hatte (1226).

Nach dem Aussterben der Buttendorfer gingen ihr Besitz und ihre Rechte an die verwandten Herren von Leonrod über.

Im Anwesen Hügelstraße 1 in Buttendorf (Bauer) finden sich noch die Reste der Buttendorfer Burg. Ein kreisförmiger Wall und Graben, leider zum Teil überbaut und eingeebnet, lassen noch die Anlage einer Turmhügelburg erkennen. Der Zeit entsprechend war es keine Burg auf der Anhöhe, sondern sie lag in einer etwas sumpfigen, von außen schwer zugänglichen Niederung. Die letzten Gebäudereste wurden 1857 eingelegt.

Blick in den Burggraben

Blick in den Burggraben nach Südwesten

Die Entstehung der Kirche dürfte auch den Buttendorfer Ministerialen zu verdanken sein. Sie hatte nie die Rechte einer Pfarrkirche, zu der auch ein Friedhof gehörte, sondern sie muß als Burgkapelle gelten. So fehlt für die Buttendorfer Kirche die sonst immer nötige Kirchenstiftung, aus deren Gewinn der Bauunterhalt und der Bedarf für die Gottesdienste bezahlt werden konnten. Vermutlich hatten die Buttendorfer Herren die Baulast an der Kirche, die später dem Ort Buttendorf bzw. den Gemeinden Weinzierlein und heute Roßtal zugefallen ist.

Aber es gehörte zur Kapelle eine kleine Pfründe. (Die Pfründe ist die Versorgung des Geistlichen, in Buttendorf des Frühmesners, die in Naturalgaben, Geldrechten oder Grundstücken und Häusern bestehen konnte.)

Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Besitzer der Pfründe und dem tatsächlich am Ort den Dienst verrichtenden Geistlichen, der – oft gegen einen Hungerlohn – als Vikarier (Verweser) vom Besitzer der Pfründe beauftragt wurde. Das Recht, die Pfründe zu verleihen, das Präsentationsrecht, lag für die Buttendorfer Pfründe zuletzt beim Markgrafen, der es wohl von den Leonroder Herren übernommen hatte. Aus der Zeit vor der Reformation wissen wir, daß der langjährige Verweser der Roßtaler Pfarrherren, Johann Neff, sich in Buttendorf Capellherr nennen konnte, weil ihm die dortige Frühmeßpfründe zu eigen war.

Neff beschwert sich 1494 in Ansbach, er habe ein Pfründlein vom Markgrafen in Buttendorf, zu welchem ein Bauer in Brunst mit Gült und Zins gehört. Nun unterstehen sich Pfarrer und Gotteshausmeister zu Vincenzenbronn „und nehmen meinem Bauern eine Wiese, die in sein Gut gehört“; sie mähen seit Jahren das Heu hinweg etc. Der Amtmann von Cadolzburg habe erklärt, er habe keine Zeit, er müsse mit dem Gn. Herrn wegreiten (?) etc. Darauf bekommt der Amtmann Anweisung, den Vincenzenbronnern Einhalt zu tun ...

Um 1525 ist der Pfründebesitzer der Ansbacher Hofprediger Johann Rurer. In seiner Vertretung ist zunächst der Roßtaler Pfarrverweser Erasmus Enck, nach dessen Absetzung 1530–1535 Johann Sutor Frühmesner in Buttendorf. Auch er zeigt sich freilich bald als Anhänger der alten Lehre (Roßtaler Heimatbuch, S. 259 f., 323). Nach seinem Wegzug wird die Stelle nicht mehr besetzt. Die Pfründe wird vom Oberamt Cadolzburg verwaltet und teils zur Roßtaler Pfarrbesoldung, teils für Stipendien verwendet.

Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1562 hatte die kleine Pfründe folgende Einkünfte:

  1. Ein Bauernhof zu Buttendorf, auf dem Jörg Paul sitzt, ist Lehen der Pfründe. Er gibt zwei Fastenhennen, acht Simra Kornzehnt, allen Heuzehnt und Handlohn.
  2. Die Gemeinde gibt 6 Simra Kornzehnt und 7 Pfdt. Zins aus dem Pfarrhof, den sie dem Hutmann eingeräumt hat, und vier Gulden für die Nutzung des Gartens am Pfarrhof.
  3. Ein Bauernhof in Brunst, auf dem Lienhard Höfflich sitzt, gibt zwei Fasten- und zwei Herbsthennen, zwei Simra Korn, ein Simer Hafer und 5 Pfdt, 10 Pfg Michelsgilt. Den Hauszehnt gibt man nach Amberg (!) (gemeint: Abenberg) ins Frauenkloster, den Handlohn zur Pfründe. - (Handlohn war an den Lehensherrn zu zahlen, wenn das Gut, etwa durch Vererbung oder Verkauf, in eine andere Hand gekommen ist; er betrug zumeist 5 % des Verkehrswertes.)
  4. Der Halbbauhof in Buttendorf gibt allen Hauszehnt an die Pfründe.

Mit dieser Aufstellung wird auch die alte Vermutung bestätigt, daß das leider vor wenigen Jahren abgerissene „Gemeindehaus“, in dem die Waage untergebracht war, nördlich der Kirche mit seinem großen Garten tatsächlich das Frühmesnerhaus gewesen ist.

Das abgebrochene Frühmesnerhaus

Das abgebrochene Frühmesnerhaus in Buttendorf

Literatur:

 Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Wolfgang Wießner, Stadt und Landkreis Fürth, München, 1966
 Matthias Simon, Ansbachisches Pfarrerbuch, Nürnberg, 1957
 Winfried Schich, Heilsbronn, ein Zisterzienserkloster im Mittelalter
 89. Jahrbuch des Hist. Vereins für Mittelfranken, 1981
 Ludwig Veit, das liebe Geld. Band 30 der Bibliothek des Germ. Nationalmuseums zur deutschen Kunst- und Kulturgeschichte, 1969
 Gottfried Stieber, Historische und topographische Nachricht von dem Fürstentum Onolzbach etc., Schwabach, 1761
 Adolf Rohn, Heimatbuch von Roßtal und Umgebung. Roßtal, 1928
 Hans Kreutzer/Robert Düthorn, Roßtal, Vergangenheit und Gegenwart, Roßtal, 1979

Hans Schrodberger

„Die Zeit heilt alle Wunden“, so pflegt man allgemein leichthin über Vergangenes zu sprechen. Es kann aber auch nicht schaden, einmal kurz zurückzuführen an jenes Ereignis vom 18. April 1945:

„Dem Tod der Roßtaler Winkelbrücke“

Über die Winkelbrücke, 1874 für die Eisenbahnlinie Nürnberg–Roßtal–Ansbach errichtet, brausen täglich knapp 150 Züge, während darunter ein lebhafter Durchgangsverkehr (2800 Pkw-Einheiten) auf der Staatsstraße 2409 herrscht. Diese „Nord-Süd-Achse“ verbindet die Bundesstraßen 14 und 8 und dient außerdem dem Ortsverkehr.

Wer erinnert sich deshalb zur Gegenwart noch des 18. April 1945, als einige Stunden vor dem Einmarsch der Amerikaner in Roßtal diese Bahnbrücke einer sinnlosen Vernichtung preisgegeben wurde? Ein historisches Foto aus jenen schicksalhaften Tagen, unter geheimnisvollen Umständen vom Nürnberger Fotografen und als Wahl-Roßtaler verstorbenen Friedrich Paulack aufgenommen, dokumentiert den „Nachlaß“ eines Regimes, das, dem Untergang geweiht, in letzter Minute auch hier Wunden zu schlagen wußte.

Die gesprengte Winkelbrücke

Knapp vier Jahrzehnte nach diesem Geschehen ist das Erinnerungsvermögen des einzelnen verblaßt, nur wenige können sich – und das auch nur in Bruchstücken – an die Umstände der Brückenzerstörung erinnern. In jenen Tagen des Zusammenbruches Deutschlands hatte man auch in Roßtal andere Sorgen, als darüber Niederschriften anzufertigen. Es war ein recht mühseliges Unterfangen, die Tatumstände des größten Kriegsereignisses in Roßtal – will man den Luftangriff am 1. April 1945 auf einen Munitionszug am Roßtaler Bahnhof, der sogar Todesopfer forderte, nicht einbeziehen – nachträglich zu ermitteln.

Mit dem Eintreffen eines deutschen L-Kommandos (Lahmlegungs-Kommandos) bangten die Einwohner um die Winkelbrücke. Zwei Fliegerbomben wurden zwischen die Geleise der beiden Fahrtrichtungen „eingebettet“, wobei eine Wachpatrouille – die auch das nahe Munitionsdepot hütete – eine Bevölkerungs-„Sabotage“ schon im Ansatz unmöglich werden ließ. Die Straße unterhalb der Brücke verbarrikadierten die Soldaten mit Panzersperren, in den Boden gerammte Holzsäulen, um den Vormarsch der US-Truppen aufzuhalten.

Bemühungen der Roßtaler, die Wehrmachtsangehörigen von ihrem Unterfangen abzuhalten, schlugen fehl. Schon hatte man Hoffnung geschöpft, heil davonzukommen – der Feind stand bereits vor der „Haustüre“ –, als das zwar Voraussehbare, jedoch nicht mehr Erwartete geschah: Am 18. April 1945, morgens gegen 4.30 Uhr, zerbrach die Winkelbrücke mit einer mächtigen Detonation.

Nur die Bewohner der knapp daneben liegenden Wohngebäude ahnten die Gefahr, als sie kurzfristig evakuiert wurden; sonst aber lag Roßtal im Schlaf. Das einsetzende Inferno brachte es mit sich, daß sämtliche Fensterscheiben im Ort zerbrachen, Häuser abgedeckt und Wohngebäude beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen wurden, für die es keine „Schadenersatzansprüche“ mehr anzumelden gab.

Der Schreiber dieser Zeilen, der als knapp Zehnjähriger im Luftschutzkeller der Krypta dieses Ereignis miterlebte, erinnert sich noch sehr gut, wie die herrlichen Chorfenster von St. Laurentius mit ohrenbetäubendem Klirren in das Kircheninnere stürzten. Stücke von eisernen Bahnschwellen schnellten wie von einem Katapult bis zum Friedhof und Holzgraben. Der Brückentorso selbst bot ein Bild des Grauens, bizarr ragten Schienengestänge empor und Steinkolosse machten die Straße unpassierbar.

Bereits sieben Stunden später fuhr der erste Jeep der Amerikaner in Roßtal ein, gegen 13.30 Uhr rollten aus Richtung Clarsbach die Panzer der Alliierten. Die Ortsübergabe verlief friedlich. Aber auch selbst die riesigen Gesteinsbrocken hielten die Kettenfahrzeuge nicht davon ab, die eigens dafür unpassierbare Barriere zu „erklettern“. Kurz darauf bahnte ein Räumfahrzeug die Strecke frei.

Die Bahnfahrer waren schließlich mit die einzigen Leidtragenden der sinnlosen Brückenzerstörung, die den Vormarsch der Amerikaner um keine Minute verzögern konnte. Sechs Monate fuhren Roßtals Arbeitnehmer mit dem Rad, alten „Holzvergasern“ oder sogar „per pedes“ nach Nürnberg zu ihren Betrieben, um zum Wiederaufbau beizutragen. Diese anstrengenden, mühevollen Anfahrtswege in die zerstörte Noris klingen für die Gegenwart unwahrscheinlich und unglaubhaft, entsprechen jedoch der Wahrheit, wie es uns noch einige Augenzeugen bestätigen können.

Auch die Bahn hatte sich schnell zur Beseitigung des Verkehrschaos entschlossen, bereits im August wurde der Bau einer Notbrücke in Angriff genommen, die schon im Oktober eingleisig befahrbar war. Ein Jahr später, im Herbst 1946, erstand die jetzige, wieder zweigleisige „Winkelbrücke“. Aus den Überbleibseln der alten Brücke, den Trümmern, Quadern und Gesteinsbrocken, entwickelte sich durch fleißige Hände in der Nachkriegszeit so manches Bauwerk.

Vor zwei Jahren wurde die Winkelbrücke erneut zur Baustelle: Die westliche, gepflasterte Bahnbrückenböschung wurde abgetragen und eine gefährliche Engstelle für den Straßenverkehr (besonders für die Fußgänger) beseitigt.

Bau der neuen Winkelbrücke

Eine „Pfahlwand“ (unser Bild) – ähnlich einem Orgelpfeifenaufbau – garantiert die Standfestigkeit der Böschung und des gesamten Brückenwerkes. 26 gestaffelte „Großbohrpfähle“ (inzwischen in Betonverschalung verkleidet) mit einem Durchmesser von 90 cm wurden im Boden verankert, wobei die sichtbare Höhe lediglich ein Drittel der eigentlichen Ausmessung darstellt. Das bedeutet, daß die längste eingesetzte „Orgelpfeife“ auf unserem Bild mit 12,65 m nur zu 4,21 m erkennbar ist.

Für Ergänzungen und Nachträge um die Ereignisse der Brückensprengung wäre der Verfasser allen Lesern der „Roßtaler Heimatblätter“ dankbar.