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Alfred Steinheimer

Ein merkwürdiger Blitzschlag

Es ist leicht zu verstehen, daß in Naturreligionen das Aufleuchten des Blitzes und das Grollen des Donners einbezogen werden in die menschliche Vorstellung vom Wirken übersinnlicher Mächte und Gewalten. So eindrucksvoll ist die Erscheinung des im Zickzack vom Himmel herabschießenden Blitzes besonders in der Nacht, daß ein Gewitter auf manche Menschen auch heute noch furchterregend oder beklemmend wirkt. Aus vorchristlicher Zeit haben wir den Tag des blitzschleudernden Gottes Donar aus der germanischen Götterwelt als Donnerstag übernommen. Die Auffassung, die weit über die Zeit des Mittelalters herrschte, daß das Gewitter die Äußerung eines strafenden und zürnenden Gottes sei, wurde noch gestützt durch den Umstand, daß die Menschen wehrlos und hilflos das Ereignis eines Blitzschlages hinnehmen mußten, weil keine sichere Maßnahme dagegen bekannt war. Bei der Bauweise mittelalterlicher Ansiedlungen, bei welcher innerhalb eines Mauerringes die Häuser eng beieinander standen, waren ein Blitzschlag und ein daraus entstehendes Schadenfeuer oft gleichbedeutend mit dem Ende dieses Gemeinwesens.

Aus Erfahrung wußte man allerdings schon sehr früh, daß besonders den Türmen und hochliegenden einzelnen Gebäuden Gefahr drohte. Aber bis zur Erfindung des Blitzableiters etwa um 1760 durch Benjamin Franklin und eine Reihe anderer Forscher gab es für den Bauernhof nach einer alten, wenn auch nicht immer wirksamen Regel die Empfehlung, als Blitzschutz um den Hof Bäume zu pflanzen, die möglichst weit den Dachfirst überragten, auch das Anpflanzen des „Hauswurzes“ auf dem Dach wurde empfohlen. Für die Kirchtürme und Burgen gab es solche „Hausmittel“ verständlicherweise nicht, und so ist es nicht verwunderlich, daß nicht wenige Kirchen und Ritterburgen in ihrer Geschichte Zerstörungen durch Blitzeinschläge erlitten.

Als Beispiel für viele sei hier die St.-Laurentius-Kirche in Roßtal genannt, und, soweit geschichtlich bekannt und registriert, ihre erlittenen Blitzschläge und deren Folgen aufgezählt:

Das erste Mal urkundlich erwähnt wird ein folgenschwerer Blitzschlag am Martinitag, dem 11. November 1624, bei welchem das Feuer das Dach des Langhauses vernichtete.

Nur drei Jahre später, am 10. August 1627, schlug erneut der Blitz ein, und die Auswirkungen des entstehenden Brandes waren katastrophal. Der Chronist Pfarrer Bernhold schreibt, daß alles Holzwerk am Turm und Langhaus, sämtliche Altäre und Einbauten zu Asche geworden sind. Durch die Hitzeentwicklung im Turm schmolzen alle sechs Glocken und die beiden Uhren. Die, wie ein Geschichtsschreiber im 16. Jahrhundert vermeldet, einst schönste Kirche wohl 15 Meilen um Nürnberg war zur Ruine geworden. Die Auswirkungen dieses Brandes, bei welchem durch die Hitzeeinwirkungen die Außenwände des Langhauses aus dem Lot gerieten und mit Außenstützen abgefangen werden mußten, konnten erst, wie auch der Turm, anläßlich der zur Zeit noch andauernden Sanierungs- und Renovierungsarbeiten wieder verfestigt werden.

Am 9. November 1698 wurde der Turm erneut von einem Blitzstrahl getroffen, wobei auch hier der Schaden beträchtlich war. Es schmolzen wieder die Glocken und der Turm erhielt durch die Hitzeeinwirkung Längsrisse, die endgültig erst im Jahre 1984 nach Anwendung moderner Verfestigungstechniken dauerhaft geschlossen werden konnten.

Acht Jahre später, im Jahre 1706, zündete ein Blitzschlag wiederum im Kirchturm und vernichtete die Holzkonstruktion des Turmdaches.

Aus den Rechnungsbüchern der Pfarrei ist nicht ersichtlich, zu welchem Zeitpunkt der Turm und das Langhaus mit der neuen Erfindung des Blitzableiters versehen wurden. Es wird mit Sicherheit schon vor dem Jahre 1809 gewesen sein - Roßtal kam mit der Markgrafschaft Ansbach im Jahre 1806 zu Bayern -, als in einem königlichen Amtsblatt vom Juli 1809 die Polizeibehörden die Aufforderung erhielten, Blitzableiter auf ihren brauchbaren und zweckmäßigen Zustand hin zu überprüfen. Der Aufruf galt zwar für den Isar-Kreis, wird aber für die anderen bayerischen und fränkischen Kreise sicher in gleichem Maße gültig gewesen sein.

Nach einer Mitteilung des kurpfälzisch-bayerischen Intelligenzblattes im Jahre 1797 war Bayern unter seinem Kurfürsten Karl Theodor (1777–1799) eine der Provinzen in Deutschland, in welcher, wie es heißt: „...dieses vortreffliche Verwahrungsmittel gegen die Schädlichkeit der Blitze am meisten eingeführt und verbreitet wurde.“

Der nächste Blitzeinschlag, der das Bekanntwerden Roßtals im ganzen bayerischen Königreich zur Folge hatte, geschah am 30. April 1822. Das Ereignis war bezüglich damaliger technischer Erkenntnisse so spektakulär, daß die Untersuchung in „allerhöchstem Auftrag“, also vom bayerischen König Maximilian I. Joseph, angeordnet und von einem Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften geführt wurde. Auslöser dieser gutachterlichen Überprüfung war ein Bericht des Roßtaler Marktschreibers Zink, den dieser mit einigen Teilen des zerstörten Blitzableiters an die genannte Akademie übersandte. Mit der Erhebung an Ort und Stelle wurde daraufhin ein königlicher Hofrat und Professor Dr. Kastner aus Erlangen beauftragt. Seine Darstellung des Schadensfalles sei nachstehend aufgeführt:

Die physikalisch-technische Frage, die der untersuchende Dr. Julius Conrad von Yelin klären sollte, war die, ob Blitzschutzleitungen aus Messingdrahtseilen gefertigt einen Schutz bieten oder besser durch, wie er schreibt, „Eisenstangen“ zu ersetzen seien.

Die wissenschaftliche Auswertung des Berichts, nachstehend sind die Titelseite und die zur Erläuterung des Textes erforderliche Zeichnung beigefügt, geht über 19 Seiten und endigt mit der Feststellung, daß die damals offenbar vielfach verwendeten Messingdrahtseile brauchbar sind. Der Untersuchende verweist darauf, daß sogar die königlichen Residenzen in München, Nymphenburg, Schleißheim und Tegernsee mit solchen Ableitungen versehen wurden.

Um die Bevölkerung zu beruhigen, wurde auf königliche Anordnung der Untersuchungsbericht über den „Merkwürdigen Blitzschlag zu Roßstall“ kostenlos an alle Behörden und Gemeinden des Königreiches Bayern verteilt, und so dürfte vielleicht in irgendeinem vergessenen Winkel eines fränkischen oder altbayerischen Gemeindearchivs das hier aus der Vergangenheit ans Licht gebrachte Schriftchen noch aufzufinden sein.

Der Blitzableiteranlage auf der St.-Laurentius-Kirche wurde seit diesem Ereignis offenbar besonderes Augenmerk geschenkt, denn am 1. Juli 1885 wird erneut von einem Blitzeinschlag berichtet, der aber gefahrlos über eine erst ein Jahr vorher installierte Anlage abgeleitet werden konnte.

Die Erkenntnisse bezüglich des Wissens um die Voraussetzungen und die Gefahr eines Blitzschlages sowie dessen gefahrlose Abwendung haben sich seit dieser Zeit bedeutend erweitert.

Die Kirche erhielt mit der gründlichen Sanierung des Turmes und des Langhausdaches im Jahre 1985 eine neue Blitzschutzanlage, die entsprechend überprüft und kontrolliert wird, damit nach heutigem Wissensstand Schadensfalle wie die hier geschilderten ausgeschlossen werden können.

Literatur:

Rohn: Heimatbuch v. Roßtal u. Umgebung, 1928

Dieter Koerber

Anfänge von Industrialisierung in Roßtal

„Fabriquen gibt es nicht und die Handwerker als Schuster, Schneider, Spinnerleute, Maurer, Weber nähren sich kümmerlich.“ So steht es in „Richteramts Roßtal schuldigste Beantwortung und soviel möglich gründliche Erläuterung der unterm 22. Octobris 1765 gnädigst vorgelegten allgemeinen Fragen der Landesökonomie betreffend“ vom 16. Februar 1766.

War die Antwort des Richteramts etwas flüchtig gegeben? Schon Rohn schreibt in seinem Roßtaler Heimatbuch von den zwei Glasschleif- und -poliermühlen, die um 1767 in Neuses und Weinzierlein bestanden. Man mag sie nun Fabriken nennen oder nicht, immerhin waren es frühe industrielle Betriebsformen, vom Handwerksbetrieb durch ihre Größe, Zahl der Mitarbeiter und die Art der Fertigung unterschieden. Der folgende Aufsatz will den Anfängen ein Stück weit nachgehen.

I. Die Glasschleife in Weinzierlein

Die ersten Hinweise gibt das Taufregister: 1724 läßt Georg Pflaumer, „Spiegelschleiffer in der Drachischen Spiegelfabrique zu Weinzierlein“, seinen Sohn taufen, 1726 taucht im gleichen Register ein Georg Schweiggert, „Schleiffer auf der Drachischen Spiegelfabrique in Weinzierlein“, auf. Der Name Drach wird später nicht mehr in Verbindung mit der Glasschleife genannt, die sich bis ins dritte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts verfolgen läßt. Welcher Drach hat der Manufaktur den Namen gegeben? Die folgende Tabelle zeigt die Roßtaler Familie Drach:

Schon die knappe Aufstellung verrät durch den häufigen Wechsel der Wohnorte und die weiten Beziehungen viel Unternehmungslust in dieser Familie. Auffallend die Zahl der Kaufleute und Geschäftsleute. Leider läßt sich nicht ausmachen, wer mit der Glasschleife in Weinzierlein verbunden war. Man möchte an einen der Nürnberger Kaufleute (Georg, Michael, Philipp) denken. Außer ihnen führt von Johannes Brach, gest. 1743 in Roßtal, eine Spur nach Weinzierlein. Sollte er auf dem Anwesen seines Schwiegervaters Wolffermann die Glasschleife eingerichtet haben?

Aus den Kirchenbüchern lassen sich Beurkundungen (Taufen, Trauungen, Sterbefälle) von Mitarbeitern der Glasschleife von 1724 bis 1808 nachweisen. Wenn man aus der Zahl der Eintragungen in den Kirchenbüchern Schlüsse ziehen darf, so zeigt sich eine Blüte des Betriebs in den Jahren 1731 bis 1740 mit jährlich vier bis fünf und in den Jahren 1750 bis 1780 mit jährlich fünf bis acht Personenstandsfällen. Das dürfte, grob geschätzt, einem Personalstand von etwa 20 Arbeitern entsprechen. Nach 1785 nehmen die Zahlen offenbar ab. Insgesamt finden sich etwa 70 Namen von Glasarbeitern in Weinzierlein.

Die Glasschleife bestand auf dem Grundstück Uferstraße 5 (Besitzer: Adam Kandel, alte Hausnummern 24–26) nahe der Bibert in der Nordwestecke des Dorfes. Der Mühlgang soll früher durch das heutige Wohnhaus gegangen sein. Bemerkenswert ist das leider schlecht erhaltene, heute als Scheune genutzte, herrschaftlich anmutende Haus, wohl die Wohnung des Verwalters oder Besitzers. Mit Einfahrt und Stallungen im Erdgeschoß und Wohnung im Obergeschoß, wohl aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, macht es einen beinahe schloßähnlichen Eindruck. Es dürfte wohl nicht von einem einheimischen Maurermeister, eher von einem fürstlichen Baumeister entworfen sein.

Über die Leitung des Betriebes ist wenig zu finden. 1734 stirbt ein Andreas Bezold, Inspektor auf der Spiegelfabrique. Als Besitzer wird bei Rohn für 1767 der Handelsmann Holtzmann aus Schweinau genannt, doch wird schon 1723 die Tochter eines Johann Philipp Holtzmann, Handelsmann in Nürnberg, die offenbar hier oder in Weinzierlein geboren ist, in Roßtal getauft.

Das Sterberegister von 1826 verzeichnet die Beerdigung eines Georg Nikolaus Siegelin, Besitzer der Glasschleife in Weinzierlein, verstorben im Alter von 57 Jahren. (Ob die Fabrik damals noch gearbeitet hat?) Die Altersangabe 57 Jahre erweckt Zweifel: 1816 heiratet ein 26jähriger Sohn Siegelins, Conrad S., Glasarbeiter in Weinzierlein. Ist Siegelin sen. vielleicht identisch mit dem Poliermeister Nicolaus Sichlin, der 1771 in Neuses an der Glasschleife arbeitet und eine Müllerstochter Wagner aus Neuses heiratet? Dann könnte das Sterbealter 1826 77 Jahre heißen.

Solche Glasschleifen, die in Wirklichkeit keine Glas- oder gar Spiegelfabriken waren, entstanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in großer Zahl. Ihre Aufgabe war das Schleifen der rohen Glasplatten, die aus den Hütten aus Böhmen und der Oberpfalz kamen, mit Hilfe der Wasserkraft und das Polieren von Hand, zum Teil wohl auch in Heimarbeit der mitarbeitenden Frauen. 1804 zählte man im Umkreis 25 km von Fürth 22 Schleifwerke, von denen sieben Nürnberger und 14 Fürther Kaufleuten gehörten, mit insgesamt 430 Arbeitern. Die Spiegelherstellung, das Belegen und Rahmen zu Spiegeln, geschah in den Fürther Spiegelfabriken. Dafür waren die hiesigen Glasschleifereien wohl Zulieferbetriebe.

II. Die Glasschleife in Neuses

Sie scheint von geringerer Bedeutung gewesen zu sein. 1768/69 verkauft Anna Elisabeth Kuch ihr Anwesen, einen Bauernhof mit Wirtschaftsgerechtigkeit in Neuses, spätere (alte) Hausnummern 10 und 11, an den Handelsmann Johann Georg Volkert aus Fürth. Kaufsumme 2950 Gulden. Volkert errichtet auf dem Grundstück eine Glasschleife, die Gastwirtschaft scheint weitergeführt worden zu sein. Zwischen 1771 und 1817 erscheinen in den Kirchenbüchern etwa 25 Namen von Glasarbeitern (Glasschleifer, Polierer, Fasentierer), als erster der oben genannte Nicolaus Sichlin. 1778 heiratet der Wirt und Glasschleifer Adam Gugel in Neuses. Nach 1817 tauchen nur noch selten Glasarbeiter aus Neuses in den Kirchenbüchern auf, wenn, dann nur unter den Verstorbenen.

Da das Anwesen der Kirche in Roßtal handlohnpflichtig war, läßt sich aus den Kirchenrechnungen folgende Besitzerfolge feststellen:

um 1760  Lorenz Haspel
1765Witwe Haspel heiratet Gregor Kuch aus Hirschneuses
1768/69Verkauf an Johann Georg Volkert, gest. 1785 in Neuses. Die Kuchs erwerben das Bauerngut, spätere – alte – Hausnummer 28, in Roßtal, heute Gasthof zur Kanne,
um 1796Stefan Volkert
um 1835Babette Faber aus Fürth
um 1851Johann Michael Scherber.

Im Akt des Landgerichts Cadolzburg „Fixierung und Ablösung der der Kirche in Roßtal zustehenden unständigen Grundlastenbetr“ von 1851 wird Scherber schlicht „Wirt in Neuses“ genannt. Das Roßtaler Sterbebuch schreibt 1852 und 1853 beim frühen Tod zweier Kinder Scherbers: „Herr Johann Michael Scherber, Glasschleifbesitzer und Spiegelglasfabrikant in Neuses.“ Ob er damals noch tätig war? Die dem Anwesen zugehörenden Wiesen hießen in dem genannten Akt die Schleiferswiese und die Wiese auf der Schleif am Pfaffensteig.

III. Die Baumwollspinnerei Klett in Roßtal

1798 gründet Johann Jakob Gottlieb Klett, er ist Besitzer des Schlosses in Roßtal, eine Baumwoll-Maschinen-Spinnerei. Klett, geb. 11.8.1772 in Leukershausen (in dem damals zur Markgrafschaft Ansbach gehörenden Teil Württembergs), gest. 9.2.1844 in Roßtal, ist Sohn des Roßtaler Pfarrers Johann Jakob Klett, gest. Roßtal 1793, hier seit 1784. (Geschwister des Kaufmanns Klett: Georg Christoph, gest. 1817 als Pfarrer in Auhausen, und Georg Friedrich, gest. 1804 als Kaufmannsdiener in Nürnberg.) Im Sterbeeintrag wird Klett als „gewesener Baumwollenfabrikant und gründlich erlernter Kaufmann“ bezeichnet. In der Franzosenzeit 1806 lernen wir ihn überdies als Dolmetscher kennen (Heimatbuch Roßtal, S. 161). Leider ist auch über dieses erste industrielle Unternehmen in Roßtal recht wenig bekannt. Wurde es im Schloß oder seinen Nebengebäuden betrieben? - Oder an anderer Stelle?

Der offenbar auch technisch versierte Kaufmann scheint in der Markgrafschaft ein Stück Pionierarbeit geleistet zu haben. In Ansbach bemühte sich unter der Gunst Hardenbergs gegen vielerlei Widerstand der Fabrikencommissar Marquardt um die Einrichtung von Industrien. Durch die Erfindung der Jenny-Spinnmaschine in England um 1770 – die Maschine trägt den Namen der Tochter des Erfinders –– war eine maschinelle Fertigung von Baumwollgarnen erst möglich geworden. Die Maschinen wurden meist von den Garnfabriken selbst gebaut. Auffallend schnell wurde die Maschine auf dem Festland bekannt und benutzt, schuf sie doch eine Unabhängigkeit von den englischen Garnen und versorgte die zahlreichen kleinen Weber mit dem nötigen Material. So standen in der Roßtaler Baumwollspinnerei zwei Kardätschenmaschinen und sieben Jenny-Spinnmaschinen à 50-50 Spindeln. 1803 erhält Klett auf Vermittlung und nach Betriebsprüfung durch den Fabrikencommissar Marquardt eine neue Streichmaschine aus Berlin, wie man sie in der dortigen königlich-preußischen Baumwollmanufaktur verwendete. Eine gleiche Maschine kam in die Baumwollspinnerei in Roth. Die Maschinen wurden den Spinnereien unter zweijährigem Eigentumsvorbehalt unentgeltlich überlassen. Der Preis der beiden Maschinen betrug 1050 Gulden, dazu 250 Gulden Transportkosten für die 1,2 Tonnen schwere Fracht.

Die Maschinen hatten schon Getriebe statt Schnüre. „Ein Junge von 14 Jahren könnte die Maschine drehen und 25 bis 30 Pfundt Garn täglich streichen.“

Klett betätigte sich nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Techniker, so verkaufte er 1804 selbstgebaute Kardätschenmaschinen an die Spinnerei Bürger in Ansbach (gegründet 1803). Offenbar hatte, er in seiner Spinnerei auch einen tüchtigen Mechaniker. Die Mitarbeiterzahl wird 1803 mit 17 angegeben, die Jahresproduktion mit ca. 1,8 Tonnen.

Benutzte Literatur:

Neben den drei Roßtaler Heimatbüchern und den Kirchenbüchern und Kirchenrechnungen des Pfarramts Roßtal
hauptsächlich: Ortulf Reuter, die Manufaktur im fränkischen Raum Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1961