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Helmut Mahr

Festrede 750 Jahre Weitersdorf – 14.7.1985

Wappen der
Weitersdorfer im
Münster Heilsbronn

Am 15. August 1234, also vor rund 750 Jahren, stellte der jugendliche deutsche König Heinrich VII., Urenkel des Kaisers Friedrich Barbarossa, bei seinem Aufenthalt in Nürnberg eine Urkunde aus, so wie dies an fast allen Tagen vor und nach diesem Datum geschah. Kurz zuvor hatte es einen Rechtsstreit gegeben, den das Kloster Heilsbronn gegen die Witwe des dem König unterstehenden Reichsbeamten Konrad von Andorf führte, und der König hatte in diesem Rechtsstreit ein Urteil gefällt, denn zu dieser Zeit ist der König nicht nur Herrscher in Deutschland, der die große Linie der Politik bestimmt, sondern immer auch der Richter die höchstgerichtliche Instanz des Reiches.

Die Entscheidung des Königs wurde nun auf Pergament niedergeschrieben und dem Sieger in diesem Rechtsstreit, es war das Kloster Heilsbronn, in Form einer Urkunde, eines Urteils oder Bescheids würden wir heute sagen, ausgehändigt, eben an diesem 15. August 1234 vom König in einer Zeremonie überreicht, gegeben, das heißt auf Latein datum, und weil dies so häufig geschah, entstand daraus unser heutiges Wort Datum als kalendarische Tagesbezeichnung.

Diese Übergabe geschah im Beisein von Zeugen, deren Namen dann auch in der Urkunde genannt wurden. Nun trug sie zwar schon das Siegel des Königs und sein Namenszeichen, bei dem der Herrscher immer eigenhändig nur noch einen Strich mit der Feder zog, denn er hat es nicht nötig zu schreiben, der König läßt schreiben. Aber neben diesen beiden Voraussetzungen ist dann das dritte Kriterium für die Rechtsgültigkeit der Urkunde die Zeugenschaft der angeführten Personen.

Das alles scheint uns auf den ersten Blick als eine alltägliche Rechtshandlung des Königs, häufig für ihn, für uns aber hat diese Urkunde noch eine weitere Bedeutung. Zum erstenmal wird hier kund, daß es einen Ort Weitersdorf gibt, was aber vom König sicher nicht beabsichtigt war, als er den königlichen Reichsbeamten Burkard von Weitersdorf der großen Ehre teilhaftig werden ließ, als Zeuge des Herrschers im Reich zu fungieren.

Und das ist eigentlich alles, denn für sich allein genommen hat diese Sache nur geringe Bedeutung, sieht man ab von der Tatsache, daß das Kloster Heilsbronn diesen Prozeß gewonnen hatte.

Stellt man diese Rechtshandlung vom 15. August 1234 aber in die große Reichsgeschichte, so erhält sie sofort eine ganz andere Dimension. Und das Wort des großen deutschen Historikers Leopold von Ranke wird wahr, wenn er sagt:

„In jeder Landschaft deutscher Erde spiegelt sich die Geschichte des Reiches und der Nation.“

Das gilt sowohl für den Ort Weitersdorf aber auch für die Adelsfamilie, die hier ihren Sitz hatte und sich nach Weitersdorf benannte.

Um es klar zu sagen, und ich habe vorhin schon darauf hingewiesen: In dieser Urkunde finden wir die erste amtliche Erwähnung des Ortes. Wir dürfen es nicht verwechseln mit der Entstehung. Die liegt vor diesem Augenblick als Weitersdorf 1234 zum erstenmal genannt wurde.

Aber auch diese Entstehung und der Anlaß dieser Entstehung sind mit der Reichsgeschichte verknüpft, wie im übrigen auch die unmittelbar darauffolgenden Ereignisse der Jahre 1234 und 1235, nicht minder aber das Schicksal der Familie von Weitersdorf im 14. Jahrhundert.

Wie hängt nun „Witansdorf“, wie der Ort 1234 genannt wurde, mit der Reichsgeschichte zusammen?

Seit der Gründung des Reiches unter Kaiser Otto dem Großen im Jahre 962 hatte das ursprünglich starke Kaisertum des deutschen Königs erhebliche Machteinbußen hinnehmen müssen. Zug um Zug hatte der Großadel die Macht des Herrschers eingeengt und unter Heinrich V. noch vor dessen Tod 1125 das Recht zur Königswahl erkämpft. Das heißt, der Großadel konnte sich nun einen König nach seinen Vorstellungen frei wählen und brauchte auf das bisher praktizierte Geblütsrecht, d. h. auf den Rechtsanspruch eines Mitglieds der bisherigen Königsfamilie auf den Thron, keine Rücksicht mehr zu nehmen.

Das ganze Dilemma des Königs war dadurch entstanden, daß der Herrscher die adeligen Beamten des Reiches für ihre Dienste wegen des Mangels an Edelmetall nicht in Geld bezahlen konnte, denn es gab in dieser Phase der Naturalwirtschaft nur minimalen Geldumlauf, so daß fast alle Leistungen in Naturalien entrichtet wurden. Anstatt einer Bezahlung erhielt der Beamte vom König aus dem Reichsgut ein Stück Land mit den Bauern, die diese Felder bestellten und ihre Steuerleistungen nun nicht mehr an den der König entrichteten, sondern an den Beamten, an den der König die Nutzung auf Lebenszeit abgetreten, d. h. ausgeliehen hatte, daher das Wort Lehen für diese Art von Güterabtretung (vgl: Darlehen).

Durch diese jahrhundertelange Praxis der Vergebung von Lehen für Reichsdienste wurde aber der zur Verfügung stehende Fundus an Reichsgut im Laufe der Zeit immer geringer, ganz einfach deshalb, weil diese Belehnung meist mündlich erfolgte, und weil nun nach kurzer Zeit die besitzrechtlichen Verhältnisse bereits unklar waren.

Die ausgeliehenen Güter fielen dann nach dem Erlöschen des Dienstverhältnisses beim Tod des Lehensmannes nicht mehr an den König zurück, den Lehensherren, wie es eigentlich vorgesehen war, sondern sie gingen in den Besitz der Familie des Belehnten. Reichsbesitz wurde so zu Privatbesitz. Die Folge war auf lange Sicht eine Schwächung der königlichen Gewalt, denn dem König stand immer weniger Besitz zur Ausleihe zur Verfügung, auf der anderen Seite aber wuchs der Besitz in den Händen des Großadels an, und dieser versuchte bald im Staate eigene fürstliche Staaten aufzubauen und den König völlig an die Wand zu drücken. Wollte sich dieser in Zukunft nicht völlig zu Gunsten des Großadels entmachten lassen, so blieb ihm nur ein Weg übrig, nämlich einen den Fürstenstaaten gleichwertigen eigenen Königsstaat aufzubauen. Dies geschah in größerem Maße unter den ersten staufischen Herrschern, die 1138 mit Konrad III. an die Macht gekommen waren.

Wie aber sollte der König neues Reichsgut, neues Land schaffen? Hier gab es nur eine Möglichkeit: Die riesigen, bisher fast nicht genutzten Wälder des Reiches standen ihm da für die Rodung zur Verfügung, in unserem Raum die ausgedehnte Waldlandschaft von der Erlangener Schwabach bis hinunter nach Weißenburg; noch heute heißen sie im Nürnberger Umland Reichswälder, dann die Wälder links und rechts von Bibert und Zenn, die sich bis hinaus nach Virnsberg, bis hinüber nach Feuchtwangen und Rothenburg erstreckten, alles Orte, die sich in der Hand des Königs befanden. Die königliche Stadt Nürnberg aber wurde zum Mittelpunkt dieser ungeheuren Rodungsaktion und zum Sitz der Organisationsstelle ausgewählt.

Und nun drangen unter der Herrschaft des Stauferkönigs Konrad III. die königlichen Beamten mit dem ihnen unterstellten Dienstpersonal, meist waren es nachgeborene Bauernsöhne, die hier eine Chance hatten, Land zu erwerben, in diese Wälder zur Rodung ein. Einer dieser königlichen Beamten war auch aus der Familie, die sich später von Weitersdorf nannte.

Vielleicht bestand der Ort schon, vielleicht schufen sie ihn auch erst mit ihren Rodungsbauern, wir wissen es nicht, gewiß aber ist, daß durch diese königliche Aktion die Gemarkung des Ortes beträchtlich erweitert wurde. Die Flurnamen weisen darauf hin. Gewiß aber ist auch ihre enge Bindung an das staufische Königshaus, denn schwarz-gold, die Farbe des Königs ist auch ihre Wappenfarbe, ein schwarzer, lederner Strumpf oder Stiefel der in der Rechtssymbolik immer als ein Zeichen für Herrschaft steht. Für wen sie diese Herrschaft ausübten, wird klar, wenn wir über diesem schwarzen Schuh die goldene Laubkrone des deutschen Königs mit den dreiteiligen Blättern sehen.

Und als Konrad III. um 1150 in Nürnberg eine Klosterkirche auf königlichem Grund erbauen und einem bisher bei uns nicht bekannten Heiligen Egidius weihen läßt, da machen es ihm seine Dienstmannen nach. In Buttendorf und Weitersdorf entstehen Egidienkapellen der Ortsadeligen neben ihren hoch über die Bauernhäuser aufragenden steinernen Wohn- und Wehrtürmen. Eigentlich waren diese königlichen Reichsbeamten ursprünglich unfreien Standes gewesen, aber als Ministerialen des Königs waren sie vom unfreien Stand durch ihre militärischen und zivilen Dienste für das Reich in den neuen Stand des niederen Adels aufgestiegen und wie alle, die bei eigenem Ermessenspielraum bedeutende Aufgaben zu erfüllen haben, zeigten sie Selbstbewußtsein, verbunden mit dem Streben, das Erreichte zu bewahren und noch weiter auszubauen. Auf der einen Seite dienten sie den Staufern beim Ausbau eines eigenen königlichen Staates in Franken, auf der anderen sicherten sie mit ihren Burgen die alte staufische Hochstraße, die Verbindungsstraße von Nürnberg zu den staufischen Besitzungen Ansbach, Feuchtwangen, Rothenburg. Diese Hochstraße ist in ihrer Linienführung von Altenberg bis Großhabersdorf noch heute erkennbar und führte nördlich von Weitersdorf durch den Wald. Erst später wurde sie in das Biberttal hinabverlegt.

Reichstreue, Königstreue und Eintreten für eine starke Königsgewalt zeichneten diese Ministerialen aus, zu denen auch die Herren von Weitersdorf gehörten und wenn diese Ritter auch internationalen ritterlichen Idealen huldigten, so überwiegen dennoch die deutschen Interessen, die Neigung zu einem nationalen deutschen Staat des Königs, der später den Universalstaat ja auch ablösen sollte. Die politische Entwicklung in Deutschland ging jedoch zunächst in eine andere Richtung. Zuviel Reichsgut war schon in die Hand der Reichsfürsten geflossen, hatte die königliche Zentralgewalt geschwächt und die Fürsten zu Landesherren gemacht, so daß sie an einem Einheitsstaat nicht mehr interessiert waren. Gefälligkeitsgeschenke der Bewerber um die Kaiserkrone in ihren Kämpfen gegeneinander und mit der Kirche hatten dazu nicht wenig beigetragen.

In seinen Bemühungen, den Welfen Otto IV. die Königs- und Kaiserwürde abzugewinnen, hatte Friedrich II. von Hohenstaufen, Heinrichs Vater, König von Sizilien und Lehensmann des Papstes weitgehende Unterstützung der Kirche erfahren. Als Gegenleistung für diese Hilfe gab Friedrich am 1. Juli 1216 der Kirche, die ja von staufischem Besitz umklammert war, das Versprechen, die beiden Königreiche Deutschland und Sizilien nicht mit einer Hand, und zwar seiner, zusammen zu regieren, sondern beide Reiche in der Regierung zu trennen. Dieses Versprechen wiederholte Friedrich 1220 in Hagenau.

Der ursprünglich für die Herrschaft in Sizilien bestimmte Sohn Friedrichs, eben Heinrich VII. kam dann unter Abänderung des vorher gegebenen Versprechens als König nach Deutschland. Da er noch nicht volljährig war, wurde er zunächst einer Regentschaft unterstellt.

Friedrich II. war mehr am Ausbau Siziliens zu einem modernen Staat interessiert, als an Deutschland. Für diese Politik benötigte er die Unterstützung der deutschen Reichsfürsten, denen er deshalb in ihren Wünschen für den Ausbau ihrer eigenen Staaten in Deutschland sehr entgegen kam.

Sobald aber Heinrich VII. mit 17 Jahren der Vormundschaft entwachsen war, und 1228 die Zügel selbst in die Hand nahm, geriet der junge König unter dem Einfluß seiner Berater rasch in Gegensatz zu den großen Reichsfürsten und zu der fürstenfreundlichen Politik seines Vaters. Rückhalt in dieser neuen Richtung der Politik gewann der König bei den Städten, vor allem aber bei den Ministerialen. Die mächtige Fürstenpartei nötigte daher dem noch wenig erfahrenen König schon 1231 auf dem Reichstag in Worms in „... Statut zugunsten der Fürsten“ erhebliche Zugeständnisse ab, die ein Jahr Später auf dem Reichstag von Cividale in Friaul von seinem Vater Friedrich II. bestätigt wurden. Den Fürsten wurde dabei zugestanden, daß sie dem jungen König keinen Gehorsam mehr zu leisten brauchten, wenn er die beschworenen Abmachungen bräche.

Der Riß zwischen den politischen Ansichten des Vaters und des Sohnes war jedoch nur mühsam gekittet worden. Nach kurzem Stillstand und zeitweisem Schwanken trieben die Ereignisse dann 1234 rasch auf einen Konflikt zu, in den auch die Reichsministerialen unseres Raumes mit hineingezogen wurden.

Im Sommer 1234, eben zu der Zeit als der König die Weitersdorfer Urkunde ausstellte, wenn wir sie so nennen dürfen, war es bei Friedrich wieder zu Klagen der mächtigen Fürstenpartei über seinen Sohn Heinrich, den deutschen König, gekommen.

Hatte der Vater gerade das Krönungsgesetz gegen Ketzerei aus dem Jahre 1232 erneuert, ja es sogar zugunsten eines fanatischen ketzerrichterlichen Verfahrens verschärft, und auf das ganze Reich ausgedehnt, so verkündete der Sohn im Gegensatz dazu in Deutschland einen allgemeinen Landfrieden und überwies alle Verfahren gegen angebliche Ketzer wieder den ordentlichen Gerichten. Er wollte dem Treiben des fanatisierten Pöbels entgegentreten, das jede staatliche Ordnung über den Haufen warf.

Weitere Schritte kamen dazu, die Macht der Fürsten einzudämmen und dem Ausverkauf deutscher Königsrechte entgegenzutreten. So verwundert es nicht, daß der Kaiser kurz darauf mit der Kirche Kontakt aufnahm, um die Rückendeckung des Papstes für das Vorgehen gegen einen Sohn zu gewinnen, der seine Politik so empfindlich störte.

Man darf wohl annehmen, daß Heinrich von diesen Vorgängen unterrichtet war, denn am 2. Sept. 1234 ging ein Rechtfertigungsschreiben des Sohnes an den Vater ab. Heinrich hielt sich zu dieser Zeit in Eßlingen auf, nachdem er am 30. oder 31. August von Nürnberg abgereist war, wo er längere Zeit verweilt hatte.

Es spricht viel dafür, daß dieses Schreiben nicht erst in Eßlingen entstanden ist, sondern bereits während des Nürnberger Aufenthaltes des Königs entworfen wurde. Eines aber ist sicher: Die Biberttaler Ministerialen als starke Stütze im Kampf des Königs um seine Rechte müssen auf jeden Fall von dieser hochpolitischen Angelegenheit gewußt und sie gebilligt haben, darunter auch Burkard von Weitersdorf, denn sie hielten sich in der fraglichen Zeit in der Nähe des Königs auf.

Kurz darauf kam es dann zu einer offenen Kampfansage des Königs gegen die Fürstenpartei und im Dezember 1234 belegte dann der Papst Heinrich und alle seine Anhänger mit dem Kirchenbann, alles im Einvernehmen mit Heinrichs Vater, dem Kaiser.

Aber selbst zu dieser Zeit blieben die Ministerialen unseres Raumes dem König treu, wie wir aus vielen Urkunden wissen, und wenige Tage bevor Heinrich im März 1235 mit 5000 Mann seiner Streitkräfte den Feldzug gegen seinen Vater eröffnete und die Parteigänger des Kaisers heftig angriff, finden wir Biberttaler Ministerialen am königlichen Hof in Hagenau. Wir dürfen annehmen, daß sie wenige Tage vor dem Losschlagen, doch wohl von allem unterrichtet waren, daß sie aber auch das Vorgehen des Königs billigten, denn sonst hätten sie sich ja schon längst von ihm absetzen können.

Wir wissen, daß das Kriegsglück gegen Heinrich VII. entschied, als sein Vater in Deutschland erschien und zusammen mit den überlegenen Truppen der Fürstenpartei die alte Ordnung wiederherstellte, die im Sinne der Fürsten als Landesherren lag.

Heinrich sah seine Sache verloren und ergab sich auf Zureden wohlmeinender Freunde. Waren rebellische Fürsten nicht immer wieder in Gnaden aufgenommen worden? Doch sein Vater verzieh ihm nicht. Der König wurde gefangen nach Apulien geführt und in sicheren Kerkern verwahrt. Auf dem Transport von einem Gefängnis zum anderen sprang Heinrich in Verzweiflung von seinem Pferd in eine Felsschlucht und machte seinem Leben ein Ende.

In Deutschland aber entmachtete der Kaiser Heinrichs Anhänger, schaltete sie politisch aus, und sie mußten froh sein, daß sie dem Schicksal des Ludwig von Virnsberg entgingen, der im kaiserlichen Strafgericht seinen ganzen Besitz verlor, weil er auf der Seite Heinrichs die Anhänger des Kaisers geschädigt hatte.

Bald sollte es aber noch schlimmer für die Reichsministerialen kommen. In den letzten Jahren Friedrichs II., als Kaiser und Papst um die Herrschaft in Europa kämpften, gerieten sie rasch zwischen die Fronten, wenn die Reichsfürsten gegen Geld und Vorteile das Lager wechselten und zur anderen Partei überliefen. Wie sollte sich da ein kleiner Landadeliger halten können?

Völlig hoffnungslos wurde ihre Lage dann erst 1250, nach dem Zusammenbruch der kaiserlichen Gewalt, und der darauf folgenden kaiserlosen Zeit.

23 Jahre gab es keinen Kaiser mehr. Und von einem Königsterritorium, das der landesfürstlichen Ausdehnung hätte Einhalt gebieten können, war nicht mehr die Rede. So waren die Ministerialen ohne Herren und ohne Auftrag auf sich allein gestellt und mußten versuchen, sich der Lage anzupassen. Waren sie nicht stark genug, ihre Unabhängigkeit gegen die Großen zu verteidigen, die ein Recht des Königs nach dem anderen an sich rissen, so blieb ihnen nichts weiter übrig, als sich einem neuen starken Dienstherrn zu unterstellen.

In unserem Raum war dies der Burggraf von Nürnberg, der manchen der kleinen Ritter in seine Dienste nahm und die dann aufkaufte, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten. So nützte er ihre Notlage um sein Gebiet und seine Machtstellung auf Kosten des Ministerialenbesitzes zu erweitern.

Das galt auch für die Herren von Weitersdorf. Sicher es war zu dieser Zeit üblich, daß Ministerialen Lehen von mehreren Herren empfangen konnten, denen sie dann Dienste leisteten. Burkhard von Weitersdorf und sein Sohn waren da keine Ausnahmen, wenn wir erfahren, daß sie 1239 neben ihrer Stellung als Dienstleute des Königs auch Lehensleute des Bischofs von Würzburg waren. Das ging an in einer Zeit, als Kaiser Friedrich II. sich noch mit der Kirche vertrug, so daß die Träger kaiserlicher und geistlicher Lehen nicht in Gefahr kamen, sich bezüglich ihrer Treuepflicht für den einen oder anderen entscheiden zu müssen.

Nach der kaiserlosen Zeit aber ist erkennbar, daß sich auch die Herren von Weitersdorf den Zwängen der neuen Verhältnisse hatten anpassen müssen.

Waren sie vorher der Ehre teilhaftig geworden, als Urkundenzeugen für den deutschen König zu wirken, wie das 1234 geschehen war, so ist von diesem König nun nicht mehr die Rede. An seine Stelle war der Nürnberger Burggraf getreten, der mächtigste Landesherr unseres Raumes, dem sie nun dienen und in dessen Urkunden sie genannt werden, 1286 bei einer burggräflichen Güterübertragung im Raume Trautskirchen, noch mehr, am 7. März 1296, als Konrad der Jüngere, Burggraf von Nürnberg, seine Burg Abenberg an das Bistum Eichstätt verkaufte.

Allem Anschein nach hatte die Familie nun ihren Wohnsitz schon gar nicht mehr in Weitersdorf selbst, sondern in Windsbach, bis sie dann 1339 auch ihren letzten Besitz in Weitersdorf verkauft, ihren großen ritterlichen Gutshof, dessen steinerner Wohn- und Wehrturm, Sitz der Familie im 13. Jahrhundert, noch durch seine Umrisse 1827 bei der ersten Landvermessung in Bayern auf der Flurkarte zu erkennen ist.

Kurz darauf finden wir dann die Familie im Dienst der Bischöfe von Eichstätt als Richter von Abenberg. Aber ihre Güterverkäufe gehen weiter, immer häufiger und in immer kürzeren Abständen, was als sicheres Zeichen zu werten ist, daß sich ihre wirtschaftliche Lage verschlechtert hat.

Sind bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts noch mehrere Linien der Weitersdorfer Adelsfamilie erkennbar, Götz, Heinrich und Arnold werden wiederholt genannt, so ist am Anfang des 15. Jahrhunderts allein noch Johann von Weitersdorf am Leben.

Mit seinem Tod erlischt 1418 das Geschlecht. Nach der Sitte der Zeit wird sein Siegelring am Grabe zerbrochen worden sein; als man ihn in der Ritterkapelle des Münsters in Heilsbronn begrub. Schon vorher hatte die Familie das Kloster immer wieder mit Schenkungen bedacht. Wir wissen nicht, auf wen die Güter der Familie übergingen, die weiblichen Linien profitierten in der Regel davon. Vielleicht war aber auch nicht mehr viel vorhanden, denn erst 1430, also 12 Jahre nach dem Tod des letzten Weitersdorfers konnten vier Talente denariorum, das sind vier Pfund hauchdünner Silbermünzen, für seinen Grabstein aufgebracht werden, auf dem noch heute der Stiefel als Wappen der Familie eingemeißelt ist.

Die Kapelle bei ihrer Burg aber blieb erhalten und dient bis heute den Einwohnern von Weitersdorf als Gotteshaus. Einst hatten die Einwohner den Herren von Weitersdorf gedient. Heute aber tragen sie das Erbe ihrer Vergangenheit weiter und gestalten mit der Gegenwart auch die Zukunft ihres Ortes in einem freien Land als freie Bürger. Aber, wie Bernhard von Chartres sagt, daß jede Generation nicht aus sich selbst heraus leben und wirken kann, sondern auf den Schultern jener steht, die vor ihr gelebt haben, so steht auch das heutige Weitersdorf, bildlich gesprochen, auf den Schultern der Männer und Frauen, die vor uns da waren und uns das Erbe anvertraut haben, daß wir es weitertragen.

Das Weitersdorf von heute ist deshalb nicht denkbar ohne das Weitersdorf von gestern und ohne die adelige Familie der Herren von Weitersdorf. Ein Vermächtnis aber haben sie uns hinterlassen. Sie dienten dem Reich, dem deutschen Vaterland, würden wir heute sagen. Sie empfingen von diesem Reich, hatten aber auch Pflichten gegenüber diesem Reich.

Schwarz und Gold waren ihre Farben. Nehmen wir das Rot hinzu aus dem Banner des Kaisers Barbarossa, dann blicken wir auf die schwarz-rot-goldene Flagge des alten Reiches, die auch heute als Flagge unseres Staates über uns weht, die uns Schirm und Schutz gibt, die uns aber nur dann beschirmen kann, wenn jeder von uns mit seiner Leistung einen Teil dazu beiträgt, an welcher Stelle er auch steht, wenn jeder der Gemeinschaft seinen Anteil gibt und dieser Gemeinschaft dient, in der wir leben.


Michael Steinheimer

Pocken und Pockenschutz in Franken im 18. und 19. Jahrhundert

Die Arbeit der Heimatforschung kann sich nicht mit dem Aufzählen historischer Daten und Begebenheiten zufriedengeben, sie muß vielmehr ganzheitlich auch den Menschen vor seinem zeitgeschichtlichen und sozialen Hintergrund in die Betrachtung mit einbeziehen. Ein wichtiges Kapitel derartiger Untersuchungen ist der Einbezug der gesundheitlichen Situation der Bevölkerung einerseits, sowie andererseits die damals mögliche medizinische Versorgung.

Als Geißel der Menschheit sind uns seuchenartige Erkrankungen bekannt, die, denken wir an die Pest im Mittelalter, weite Landstriche dezimierten. Stellvertretend für eine Reihe derartiger Erkrankungen seien hier die Pocken in ihrer Auswirkung in unserem engeren Lebensraum betrachtet, eine Seuche, die bis weit in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts; auch hier in Roßtal noch, ihre Opfer forderte.

Der Begriff „Pocken“ stammt aus dem niederdeutschen Sprachbereich und ging im 16. Jahrhundert in den mitteldeutschen Sprachschatz ein. Im süddeutschen Raum dagegen finden wir weit häufiger die Bezeichnung „Blattern“. Im Mittelalter und in den nachfolgenden Jahrhunderten waren in Europa die Pocken weit verbreitet. Nach vorsichtigen Schätzungen starben im Europa des 18. Jahrhunderts noch jährlich etwa 800000 Personen an dieser Krankheit. (1, 6, 10, 12)

Aufschlüsse über die Verbreitung in den jeweiligen geographischen Räumen geben die Sterbebücher der Pfarreien. Freilich ist hier zu bedenken, daß die Eintragungen teilweise recht lückenhaft sind, zumal die Diagnosen bezüglich der Todesursachen häufig von medizinischen Laien gestellt werden mußten. Im 18. Jahrhundert tritt auf diesem Gebiet eine merkliche Besserung ein. (17, 18)

Franken erlebte insbesondere in den Jahren: 1742, 1746, 1757, 1758, 1789, und 1790 besonders schwere Epidemien. Auch in den dazwischenliegenden Jahren müssen wir von leichteren Epidemien oder lokal bedingten Häufungen von Pockenfällen ausgehen. (11, 16)

1740 finden sich mehrere Pockenfälle unter den in den Sterbebüchern der St. Laurentius-Pfarrei Roßtal benannten Todesfällen, ebenso in den Jahren 1743 und 1777, wo 18, beziehungsweise 10 Personen an den Pocken starben. Eine Untersuchung der Sterbefälle hinsichtlich der Todesursachen für die Jahre 1780 - 1785 ergab, bei insgesamt 368 Verstorbenen und 134 aufgeführten Diagnosen der Todesursache, neun an den Pocken verstorbenen Personen. Von einer Seuchenwelle wurde Roßtal jedoch im ersten Halbjahr des Jahres 1800 heimgesucht. In diesem kurzen Zeitraum vermerkten die Bücher 58 Verstorbene, wobei die Mehrzahl davon Kinder sind. (12, 18)

Die Bevölkerung stand dem Wüten der Seuche nahezu hilflos gegenüber. Über den Erreger der Krankheit konnte die Wissenschaft bei dem damaligen Stand ihrer Hilfsmittel keine Aussage machen und sie griff stattdessen auf die medizinische Tradition der Griechen zurück. So wurde über die Ursache der Pockenerkrankung in einem 1792 erschienenen medizinischen Werk geschrieben:

„Die eigentliche Ursache der Pocken ist ein Miasma, welches von reizender oder entzündeter Art seyn mag, so wie es andere phlogistische Schiedlichkeiten sind“ (M. A. Weikard S. 37)

Der verwendete Begriff „Miasma“ hat seinen Ursprung in der hippokratischen Medizin im Sinne einer Verunreinigung der Luft, die sich schädlich auf die Gesundheit und Konstitution des Menschen auswirkt. (9)

Die Behandlungsmethoden beschränkten sich auf das zur Verfügung stehende Repertoire: Aderlässe, die Einnahme von Brech- und Purgiermitteln sowie Quecksilber-, Kampfer- und Opiumgaben.

Der Kranke sollte aufrecht sitzen, reinlich gehalten und kühle gesäuerte Getränke zu sich nehmen. Außerdem galt „kühle Luft“ als geeignetes Mittel gegen Pocken. (19)

Der Erreger der Pockenerkrankung konnte erst zu Beginn unseres Jahrhunderts, im Jahre 1901 von Calmette und Guerin dargestellt werden.

Man machte allerdings schon sehr früh in England (1718) die Beobachtung, daß einmal an Pocken erkrankte Personen selten ein zweites Mal von der gleichen Krankheit befallen wurden und zog daraus Schlußfolgerungen, die uns heute kühn anmuten: Man versuchte durch Übertragung des infektiösen Pustelinhalts einer erkrankten Person auf einer nicht erkrankten einen leichteren Verlauf der Krankheit herbeizuführen und eine Immunität gegen weitere Erkrankungen zu erreichen. Von den 897 so behandelten „geimpften“ Personen, starben nur noch 17 an den Pocken, (1, 10, 11)

Besonders im Fürstbistum Würzburg, dessen aufgeklärt denkender Herrscher Franz, Ludwig von Erthal die soziale und medizinische Fürsorge der Bevölkerung zu verbessern suchte, wurde diese Erkenntnis dankbar aufgenommen. Doch bereits 1770 berichtet das „Würzburger Intelligenzblatt“ über durchgeführte Pockenschutzimpfungen. Zehn Jahre später wurden auch im benachbarten Schweinfurt Pockenimpfungen durchgeführt, bezeichnend für das Mißtrauen der Bevölkerung, vorwiegend an Waisenkindern. (16)

Ein englischer Landarzt war es, Edward Jenner, der eine entscheidende Verbesserung des Impfstoffes fand und im Jahre 1800 die Zulassung dieses neuen Stoffes von der englischen Regierung erhielt. (1, 20)

1801 wurde im Fürstbistum Würzburg die kostenlose Pockenschutzimpfung eingeführt. Trotz ehrlichen Bemühens des herrschenden Landesherren blieb das Mißtrauen gegen diese medizinische Maßnahme in den Volksschichten tief verwurzelt, so daß die Resonanz seitens der fränkischen Bevölkerung gering blieb. (16)

Als erster kontinentaleuropäischer Staat führte das Königreich Bayern 1807 nach einer Pockenepidemie die Schutzimpfung nach dem Prinzip des schon genannten Arztes Edward Jenner ein. Es war der Reformtätigkeit Montgelas zuzuschreiben, der sich dem gesundheitspolitischen Sektor ebenso widmete, wie den anderen Staatsobliegenheiten, um Bayern zu einem modernen Staat zu formen. (3, 5, 8)

Mit der Verordnung vom 26. August 1807, gültig für alle bayerischen Provinzen und somit auch für die ein Jahr vorher zu Bayern gekommene Markgrafschaft Ansbach, wird die Einführung der Pockenimpfung geregelt. Das Ziel dieser Verordnung war, wie es in der Präambel heißt: „Wir sind uns dadurch bewogen die Kindsblatter-Seuche für die Zukunft durch eine allgemeine und gesetzliche Einführung der Schutzpocken-Impfung gänzlich aus unseren Staaten zu verbannen, ...“

Impfpflichtig waren alle Kinder des dritten Lebensjahres, die das dritte Lebensjahr vollendet hatten oder noch nicht an „Kindsblattern“ erkrankt waren. Die Frist hierzu wurde auf den 1. Juli des Jahres 1808 festgelegt. Um die Durchführung zu ermöglichen, mußten von Seiten der Pfarrämter die Tauflisten der entsprechenden Jahrgänge den zuständigen Landgerichtsärzten übergeben werden. Für Roßtal war der Landgerichtsarzt in Cadolzburg zuständig. Bei Unterlassung der notwendigen Impfung konnten, je nach Vermögensverhältnissen, Geldstrafen zwischen 1 bis 8 Gulden erhoben werden. Waren die Kinder älter und wurden dem Impfarzt nicht vorgestellt, konnten Strafen bis zu 32 Gulden verhängt werden.

Die Impfung war nur den Ärzten gestattet, die eine Prüfung vor den „Sanitätssektionen“ abgelegt hatten. In den Hauptstädten gab es eigene Impfärzte, bzw. oblag die Tätigkeit dem „Stadtphysikus“. Auf dem Lande waren, wie schon erwähnt, die Landgerichtsärzte zuständig, die zu ihrer Unterstützung auch zuverlässige Chirurgen heranziehen konnten. In eigener Verantwortung durfte letztgenannter jedoch keine Impfung vornehmen.

Die verwaltungsmäßige Durchführung lag in den Händen der „Bezirksobrigkeiten“, wobei auch den Ortspfarrern Aufgaben übertragen wurden. Sie sollten von der Kanzel herab Termine und Ort der Impfung bekanntgeben und die Bevölkerung über den Nutzen dieser Maßnahme aufklären; ferner hatten sie die Impftabellen zu führen. Nach erfolgter Nachschau waren von den Ärzten Impfscheine auszustellen, die von den Geimpften beim Schuleintritt, beim Abschluß eines Lehrverhältnisses und vor der Heirat vorzulegen waren. Die Impfung selbst war kostenlos, die anfallenden Kosten wurden zur Hälfte der Staatskasse, zur anderen Hälfte der jeweiligen Gemeinde angelastet. Jede Erkrankung war künftig meldepflichtig und bei Unterlassung drohten 3 - 6 tägige Gefängnisstrafen. Jeder Pockenfall wurde einer vier Wochen dauernden Quarantäne unterworfen und die Ortspolizei war für die erforderlichen Maßnahmen zur Isolierung des Kranken zuständig. Für die Listenführung und die Ausstellung der Bescheinigungen wurden im Falle von Fahrlässigkeiten die Ärzte haftbar gemacht. (3)

In der Provinz Ansbach wurden die genauen Durchführungsbestimmungen am 22. November 1807 verkündet. Für die Belieferung der Landgerichtsärzte mit Impfstoff war der Impfarzt, Medizinalrat Dr. Krauß in Ansbach verantwortlich. (3)

Mit der Einführung der Pockenschutzimpfung sank zunächst die Zahl der Neuerkrankungen. Dies war jedoch nur zu einem Teil auf die neue Schutzimpfung zurückzuführen. Besonders gefährdet waren nach wie vor die Kleinkinder, die noch keinen ausreichenden Immunschutz entwickelt hatten. Wie die Sterbebücher zeigen, ist überdurchschnittlich diese Altersgruppe betroffen, während ältere Personen bereits häufig eine Infektion überstanden hatten und somit gegen eine nochmalige Erkrankung mit Pocken meist gefeit waren.

Die Behörden gingen davon aus, daß die Impfung eines Jahrgangs mit einer Erfassung von 60-70 % ein erhebliches Absinken neuer Krankheitsfälle zur Folge hätte und daß damit die Pocken in wenigen Jahrzehnten ausgerottet seien. Dies war leider nicht der Fall. In den Jahren 1820-1874 kam es aufgrund mangelnder Erkenntnis bei der Gewinnung des Impfstoffes zu Qualitätseinbußen, so daß der Impfstoff keinen vollständigen Schutz mehr gewährte. Es wurden deshalb immer wieder Pockenerkrankungen registriert, so zwischen den Jahren 1832 und 1841 im Städtischen Krankenhaus in Nürnberg 24 Fälle, davon im Jahr 1832/33 allein 11 Fälle. Auch Roßtal blieb nicht verschont; von 1869 bis zum Jahre 1871 erscheint jedoch kein Fall einer Erkrankung in den Sterbe-Büchern.

Im Sept. 1872 ist der Todesfall eines vier Wochen alten Kindes vermerkt und im April 1873 ist es eine 43-jährige Frau, die den Pocken zum Opfer fällt.

Im Sterbeeintrag ist vermerkt, daß der Arzt die Blatternerkrankung nicht angezeigt hat, obwohl er diese erkannte, da er vorher die an der gleichen Erkrankung leidende Tochter behandelt hat. Ob dieser Fall für den Arzt Folgen hatte, wissen wir nicht. In den darauffolgenden Hochsommermonaten traten weitere 3 Fälle auf, die tödlich verliefen. Es waren ausnahmslos ältere Personen und die Sicherheitsmaßnahmen der Behörden gingen soweit, daß eine Person nachts beerdigt wurde und in allen drei Fällen die Beerdigungen ohne „Leichenkondukt“ zu geschehen hatten. (2, 6, 7, 11, 15)

Mit diesen letzten Opfern scheint die Welle abgeklungen zu sein, jedenfalls läßt sich danach keine tödlich verlaufende „Blatternerkrankung“ als Anmerkung in den Sterbebüchern finden.

Die Verbesserung des Impfstoffes und der Erlaß des „Reichsimpfgesetzes“ von 1874 beeinflußten die Vorsorgemaßnahmen gegen diese Seuche so nachhaltig, daß ein knappes Jahrzehnt später in Deutschland die Pocken nicht mehr auftraten und Medizinstudenten die Krankheitserscheinungen nur an Hand von Abbildungen demonstriert werden konnte. (5, 6, 10, 11, 13)

Muster für die von den Impfärzten und den Pfarrämtern zu führenden Tabellen zur Durchführung der Pockenschutzimpfung nach der Verordnung für die Provinz Ansbach vom 22. November 1807

Quellen- und Literaturverzeichnis

1Ackerknecht, E. H.: Geschichte der Medizin, Stuttgart, 19865), S. 10, 17, 42, 45, 78, 91, 124–125
2Archiv des ev.-luth. Pfarramtes Roßtal, Nr. K44, Jahrgang 1869–73
3Bayerisches Gesetz- u. Verordnungsblatt, Jahrgang 1807, Spalten 1426–1437 und 1862–1867
4Borneff, J.: Hygiene, Stuttgart, New York, 19824), S. 483–484
5Daniels, J., Hagen, W., Lehmkuhl, H., Pürckhauer, F., Schröder, E., Strahlau, J., Trüb, C. L. P.: Das öffentliche Gesundheitswesen, Band I. Stuttgart, 1966, S. 35–44
6Gins, H. A.: Die Pocken, in Gundel, M.: Die ansteckenden Krankheiten, Leipzig, 1942, S. 487–496
7Geßner, J.: Der Beitrag des Arztes Wilhelm von Hoven (1760–1838) zum Gesundheitswesen in Nürnberg, Band 27 der Reihe Genealogie und Landesgeschichte, Neustadt/Aisch 1976, S. 69
8Glaser, H.: Wittelsbach und Bayern III/2, Krone und Verfassung, König Max I., Joseph und der neue Staat, München 1980, S. 162–163
9Habs, H.: Historische Entwicklung der medizinischen Mikrobiologie, in Brandis, H., Otte, H. J.: Lehrbuch der medizinischen Mikrobiologie, Stuttgart, New York, 19845), S. 3–13
10Herder Konversationslexikon, Band VII, Freiburg im Breisgau, 19063), S. 1726–1727
11Herrlich, A.: Pocken und Pockenschutzimpfung, siehe Verzeichnis Nr. 5, S. 448–467
12Koerber, D.: Pest, Pocken und Ruhr, in Roßtaler Heimatblätter, IV/1981, S. 10–11
13Krech, U.: Poxviren, in siehe Verzeichnis Nr. 9, S. 619–622
14Mahr, H.: Die medizinische, topographische und ethnographische Beschreibung des Landgerichtsbezirkes Cadolzburg durch den kgl. Gerichtsarzt Dr. Rieger, 1860, Kulturkunde des Bibert- u. Zenntales, Heft 4, Fürth, 1985
15Rohn, A.: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung, Roßtal, 1928, S. 95
16Schubert, E.: Arme Leute, Bettler und Gauner im Franken des 18. Jahrhunderts, Veröffentlichung der Gesellschaft für fränkische Geschichte, Band 26, Neustadt/Aisch 1983, S. 20–21
17Seilkopf, H. J.: Die Auswertung von Eintragungen der Todesfälle und der Todesursachen in den Kirchenbüchern, in Praktikum für Familienforscher, Heft 30, Marktschellenberg, 1939
18Steinheimer, M.: Gesundheitserziehung und -versorge zur Zeit der Aufklärung mit einer Untersuchung der Sterbefälle in den Jahren 1780–1785 in der Pfarrei Roßtal, Roßtaler Heimatblätter, I/1985, S. 15–25
19Weikard, M. A.: Medizinisches-pracktisches Handbuch, Heilbronn/Rothenburg ob der Tauber, 1797, S. 37–54
20Wolff, K.: Geschichte der Medizin, Weinheim, 19852), S. 22