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Ausschnitt aus der Beschreibung des Richteramts Roßtal

Ausschnitt aus der Beschreibung des Richteramts Roßtal, Vetter, 1736

Alfred Steinheimer

Die Jakobskapelle auf dem Friedhof in Roßtal

Spärlich sind in den bisherigen Veröffentlichungen die Berichte, die eine zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochene Kapelle, dem Heiligen Jakob geweiht, auf dem alten Friedhof in Roßtal nennen. Im Heimatbuch von Adolf Rohn, herausgegeben im Jahre 1928 und längst vergriffen, wird die Kapelle genannt (L 1) und der Verfasser zitiert aus einem Bericht des Pfarrers Friedrich Wolshofer von 1760, der schrieb: „Von den Capellen weiß ich soviel, daß die Capelle die gleich bei der Kirch steht und die noch vollkommen gut ist, dem Heyl. Jacovo alß Patrono gewidmet gewesen, weil man alle Jacobitag eine Kirchweyh in Roßstall hat; Gottesdienst ist wohl bey viel Menschenalter nicht darinnen gehalten und deß wegen endlich zur Registratur gemacht worden ...“.

Auf der Suche nach weiteren Angaben darüber war eine Pfarrbeschreibung von Pfarrer Friedrich Grün (Q 1) aus dem Jahre 1913 hilfreich, die dank der Angaben von Bauzeiten, wertvolle Hinweise bot.

Friedrich Grün, 1. Pfarrer in Roßtal von 1903–1920, berichtet umfänglich über die Geschichte der Pfarrei, unter Benutzung auch älterer Pfarrbeschreibungen und schreibt über die einstige Kapelle im Friedhof: „Die St Jakobskapelle stand gegen Nordwesten im Kirchhof nahe der Kirche an der Stelle des jetzigen Bahrhauses. Sie stand noch bis 1802 und hatte besonders den Schmuck schöner alter Glasgemälde; sie wurde leider ohne Not auf Veranlassung des ehemaligen Dekans Pabst zu Zirndorf abgebrochen. Diese Kapelle ist im Jahre 1521 neu eingeweiht worden und auch 1627 eingerichtet für die Gottesdienste der Gemeinde, nach dem die große Kirche 1627 abgebrannt war. In späteren Zeiten diente sie zur Aufbewahrung der Akten“ (Q 1.1).

Die weiteren Nachforschungen brachten nähere Einzelheiten über dieses leider nicht mehr bestehende Bauwerk.

Unter dem Pfarrverweser Conrad Wenger, dessen Tätigkeit in Roßtal in die Jahre 1514, 1517, 1520, 1521 fällt (Q 2), lassen die Kirchenrechnungen eine lebhafte Bautätigkeit erkennen, wobei bereits Jahre vorher (1507) diese beginnen mit der Fertigstellung der Dachdeckerarbeiten für den angebauten Chor der St. Laurentiuskirche.

Bemerkenswert erscheinen dabei die Ausgaben in den Jahren 1516–1519 für einen „Karner“, also für ein Beinhaus. Es werden hierfür Ziegel, Sandsteine und Kalk angeliefert und in den Rechnungen sind eine Reihe von Bauleuten namentlich genannt. So u. a. ein Meister Hansen aus Nürnberg, der offenbar als Architekt das Bauvorhaben leitete und ein Meister Ulrich der „Steinbrecher“. Die Sandsteine kommen aus Roßtaler Brüchen, denn über den Transport ist vermerkt: „... die Stein vom untern pruch“ und die „... vom Steinpruch am perg“. Die Angabe des Standortes für diesen „Karner“ fehlt. Aus der Anzahl der beschäftigten Handwerker und Taglöhner und aus der Dauer ihrer Tätigkeit, es wurden allein 184 Tagelöhnerarbeitstage verrechnet, kann auf eine größere Baumaßnahme geschlossen werden. Zudem sprechen auch die Kosten für eine solche Annahme.

Allein für das Jahr 1519 werden 126 Gulden genannt, wobei abgestuft vom Tagelöhner mit einem Tagelohn von 24 Pfennigen, der Lohn der Meiste bis zu 50 Pfennigen beträgt und die Arbeitskräfte meist noch volle Kost erhielten. (Der Gulden rheinisch wurde zu dieser Zeit mit 252 Pfennigen gerechnet und der Tagelohn eines einfachen Arbeiters mit 24 Pfennigen entsprach einem Kaufkraftwert von etwa 3 kg Rindfleisch (L 2).

Ein Jahr später, im Jahre 1521, sind die Eintragungen in den Kirchenrechnungen mit „Ausgeben am Paw“ überschrieben; die Ausgaben sind aufgegliedert nach Materiallieferungen und Arbeitsleistungen für das Errichten der St. Jakobskapelle auf dem Friedhof.

Es tauchen die schon bekannten Namen der Meister wieder auf, wie „Meyster Hansen“, der, so ist vermerkt, kam mit fünf Personen zu Pferd nach Roßtal „... ist hie gewest die notturfft des pauws besichtigt und angezeigt“, womit seine Funktion als Baufachmann nun eindeutig ist.

Der Transport eines Altarsteines ist genannt; der Glaser mit seinem „Knecht“ setzt die Fenster „bei unserer frawen altar“ und „Meyster Ulrich fertigt den kor zu sanct Jacobs“.

Aus den Rechnungen ist ersichtlich, daß die Kapelle eine gewölbte Decke und einen Turm hatte; Ziegellieferungen werden von Defersdorf, Nürnberg und Prünst kommend aufgeführt. Auch der Schlosser ist genannt, der die beiden Türen „beslagen“, also anbringen und sichern mußte.

In der Jahresrechnung von 1521, genauere Angaben fehlen, sind Kosten für „geretschaft“ und „weyrauch“ aufgezählt: „...als man die capelln und altäre geweicht“. Die Weihehandlung selbst ist nicht beschrieben. Die Fertigstellung der Jakobskapelle zieht sich über das Weihejahr hinaus hin und noch im Jahre 1524, ein Jahr vor der ersten Erwähnung reformatorischer Gedanken in Roßtal, werden Bauausgaben genannt. Vom Jahre 1522 an sind aber auch regelmäßig die Einnahmen an Opfergeld anläßlich der „Kapelkirbey“ am St. Jakobstag aufgeführt.

Aussagen über den Standort des in den Rechnungen der Jahre 1516/1519 immer wieder genannten Beinhauses oder, wie es offenbar mundartlich hieß und in den Rechnungen geschrieben steht, des „Karntner“ bringen erst die Kostenaufzählung für den Bau der Jakobskapelle und spätere Pfarrbeschreibungen.

Das Beinhaus war ein Teil, vielleicht das Untergeschoß der Jakobskapelle. Beinhäuser sind oft doppelstöckig gebaut worden. Im Untergeschoß wurden die Gebeine aufbewahrt, während das Erdgeschoß als Sakralraum diente.

Der erste Hinweis darauf stammt aus dem Jahre 1520. Margaretha von Zedwitz, eine geborene Stiebar von Buttenheim, stiftete für das „Peinthaus“ in der „Nebenkirch“ ein „Ewiges Licht“ (Q 3). Als Stiftungskapital hinterlegte sie, deren Familie das Schloß in Roßtal von 1514–1622 besaß, den Betrag von sechzig Gulden. Da mit dem Einzug der Reformation einige Jahre später der Brauch des „Ewigen Lichtes“ abgeschafft wurde, hat man das Kapital 1535 wegen Nichteinhaltens des Stiftungsgedankens zurückgefordert.

Das „Ewige Licht“ wird nach altem Brauch auch heute noch in den katholischen Kirchen vor dem Aufbewahrungsort der geweihten Hostien Tag und Nacht unterhalten. Für die Aufbewahrung letztgenannter schuf man im Mittelalter das „Sakramentshäuschen“, wie der Tabernakel damals genannt wurde, das links freistehend neben dem Altar angeordnet war oder man verwendete Wandnischen mit absperrbaren Gittern versehen, da die Hostien meist in kostbaren Gefäßen verwahrt wurden. Das Vorhandensein eines „Ewigen Lichtes“ in der Jakobskapelle, es werden bis zur Reformation auch Ausgaben „für oel in der capelln“ genannt, läßt erkennen, daß dort regelmäßig oder zumindest in kurzen Abständen Messe gehalten wurde. In einer Beschreibung des Ortes „Roßstall“ durch Gottfried Stieber aus dem Jahre 1761 ist allerdings, wohl irrtümlich, vermerkt, daß dieses „Ewige Licht“ der Zedwitz'schen Stiftung für die Pfarrkirche bestimmt war (L 3).

Der nächste Vermerk über ein Beinhaus stammt aus den Rechnungsbüchern und wirft gleichzeitig eine neue Frage auf.

Unter den Mehrausgaben des Jahres 1521,dem Jahr der Kapellenweihe, findet sich ein Eintrag: „1/2 guld dem pander hats gepein aus dem alten im newen Karntner geordnet“.

Mit dem Ausdruck „pander“ wird, mundartlich heute nicht mehr bekannt, wahrscheinlich der Totengräber gemeint sein, aber wo war das alte Beinhaus, aus dem er die Gebeine nahm um sie im neuen zu „ordnen“?

Hatte die Krypta in der St. Laurentiuskirche die Funktion eines Beinhauses? Dieser Gedanke ist in einer Veröffentlichung schon vor sechzig Jahren widerlegt worden (L 4).

Zwar schreibt Gottfried Stieber 1761 in seiner Ortsbeschreibung über die Krypta: „In den Zeiten vor der Reformation wurden ausser Zweiffel die Todten-Vigilien in solcher gehalten, wie dann noch ein Altar nebst Opferstein darinnen anzutreffen“. In keiner der freilich erst längst nach der Reformation gefertigten Pfarrbeschreibungen werden aber die Annahmen Stiebers bestätigt.

Als im Jahre 1935 die Kirche eine, heute nicht mehr betriebene, Warmluftheizung erhielt, wurde für die Schaffung eines Heizraumes der Boden unter halb der Sakristei, die mit dem Chor erst gegen 1500 angebaut wurde, bis auf 3,30 m ausgeschachtet und dabei ein Raum mit der Grundfläche von ca. 12 m2 freigelegt, der dann im Zusammenhang mit dem Einbau der Heizeinrichtung einen Zugang von außen erhielt.

Sollte dieser Raum der „alte Karner“ gewesen sein?

Träfe diese Annahme zu, dann müßte an der nordöstlichen Ecke der Krypta eine Verbindung zu diesem Raum bestanden haben, wofür es bis heute keinen schriftlichen Hinweis gibt und auch anläßlich der Bauarbeiten im Jahre 1935 im „Heizraum“ offenbar nichts auffälliges bemerkt oder vielleicht doch übersehen wurde. Eine bauliche Besonderheit, die auf die mögliche Bestimmung dieses Raumes als Beinhaus hinweisen könnte, sei noch vermerkt: An den drei Außenwänden des Sakristeibaues auf etwa 1,0 m über Erdgleiche ist je Wandfläche eine schießschartenähnliche Wandöffnung mit einer Breite von 12 cm und unterschiedlichen Längen von 20–50 cm vorhanden, die den genannten Raum mit der Außenluft verbinden.

Da es in den Beinhäusern der Brauch war, das Gedenken an die Verstorbenen durch ständig brennende Totenlichter wachzuhalten, war für Luftzufuhr und Rauchabzug Sorge zu tragen. Dies hätte über die Wandöffnungen geschehen können.

Der letzte Vermerk, den Karner in der Jakobskapelle betreffend, vermeldet dessen Auflösung (Q 3).

Am 8. November 1627 wird die Kapelle für den Gemeindegottesdienst her gerichtet, weil durch Blitzschlag am Laurentiustag, 10. August 1627, die Pfarrkirche in Schutt und Asche fiel. Der damalige Pfarrer Balthasar Bernhold schreibt darüber: „... die im Nebenkirchlein gelegenen Todengebeine haben sie heraus und an besonderen Ort getan“.

(Es ist aus heutiger Sicht schwer verständlich, daß bei der Bodenbeschaffenheit des Friedhofes und der damals geringeren Einwohnerzahl Gebeine geborgen werden mußten, um Platz für ein neues Begräbnis zu schaffen. Es war zu dieser Zeit noch üblich, den Leichnam nur in Tüchern gehüllt und auf einem Brett liegend, dem Erdreich zu übergeben, was dessen Verfall noch beschleunigte. Beinhäuser sind uns aus Gegenden bekannt, wo der Platz durch felsige Beschaffenheit des Bodens eingeschränkt war und deshalb die Gebeine aus den alten Gräbern entfernt werden mußten, um eine neue Bestattung zu ermöglichen.)

Bemerkenswert erscheint auch das Patrozinium dieser Kapelle. Friedhofkapelle, die neben den Pfarrkirchen stehen, sind häufig dem Erzengel Michael geweiht worden, gilt er doch als der „Seelenwäger“ beim Jüngsten Gericht (L 4).

Die Wahl des Apostels Jakobus d. Ä. zum Namenspatron der Kapelle, der Heilige wurde als Schutzpatron der Pilger und Wallfahrer verehrt, könnte vielleicht damit zusammenhängen, daß ein Pilgerweg zur Wallfahrt an das Grab des Genannten in Santiago de Compostela in Nordspanien von St. Jakob in Nürnberg aus über die Jakobskirchen Oberweihersbuch, Heilsbronn, Weihenzell, Häslabronn nach Rothenburg, einem Treffpunkt der Jakobsbrüderschaften, hier in unmittelbarer Nähe vorbeiführte (L 5).

(Verwunderlich ist, daß auch das Kirchlein in Buttendorf, dessen Erbauungsjahr nicht bekannt ist, den Namen des Apostels Jakobus trägt, also in einer Pfarrei zwei Gotteshäuser mit dem gleichen Patrozinium bestanden. Gleiches gilt auch für den heiligen Ägidius (Egidius), auf dessen Namen die Kirche in Weitersdorf geweiht wurde, dessen Namensfest man aber auch in Buttendorf feierte. Für Buttendorf sind 1532 zwei Gottesdienste im Jahr vermerkt, nämlich „Sonntag nach Jacobi“ und „am Tage Egidi“).

Über die Ausstattung der Jakobskapelle in Roßtal ist wenig Konkretes bekannt.

In einer Pfarrbeschreibung von 1810, gefertigt von Pfarrer Sigismund Eberhard (Q 3) ist vermerkt, daß besonders schöne Glasfenster eingebaut waren. Die Baurechnungen zeigen, daß ein „Altarstein“ gesetzt wurde, wiewohl bei der Kostenaufstellung für die Weihe von „Altären“ gesprochen wird.

Im Jahre 1519 erhielt ein Maler, dessen Name nicht genannt ist, acht Gulden „für die zwen Flügel an unser frawen tavel zu molen“.

Hatte die Kapelle einen Flügelaltar mit Darstellungen aus dem Marienleben? Es wäre möglich, wurde doch dem Glaser, wie der Eintrag von 1520 zeigt, der Auftrag zum Fenster bei „unserer frawen Altar“ erteilt.

Am Palmsamstag 1518, wie die Kirchenrechnungen vermerken, kam aus Bamberg ein „Zwölfbotenaltar“ nach Roßtal. Das Thema, die Aussendung der zwölf Aposteln, war im Spätmittelalter beliebt und im Jahre 1522 findet sich der Eintrag: „4 guld 6 Pfd Heinz Eyssen für Stangen und Kloben die 12 potntavel zu fassen“.

Der Hinweis auf „Kloben“ zeigt, daß der Altar an der Wand befestigt war; offen bleibt allerdings, da nähere Angaben nicht gemacht wurden, ob dies in der Pfarrkirche oder in der Kapelle geschah. Der Umstand, daß der Altar erst vier Jahre nach dem Kaufund nach quasi Fertigstellung der Kapelle aufgestellt wird, spricht eher für die Annahme, daß er sich in der St. Jakobskapelle befand.

Nach dem schon genannten Ereignis des Brandschadens in der Laurentiuskirche am 10. August 1627, wurde, nachdem Pfarrer Balthasar Bernhold (in Roßtal von 1621–1639) und der 1628 amtierende Richter Friedrich Kieser sich beraten hatten, „ob in einem weitläufigen Stadel oder Schupfen“ bis zum Wiederaufbau der zerstörten Kirche Gottesdienst gehalten werden soll, schließlich der Entschluß gefaßt, die Jakobskapelle für eine Zwischenlösung umzubauen.

Aus den Angaben in den Rechnungsverzeichnissen ist zu schließen, daß der bauliche Zustand der Kapelle in den hundert Jahren ihres Bestehens offenbar schor gelitten hatte, denn ein Meister Thoma Maurer, ein Glaser von Schwabach, erhält fast 29 Gulden für alle Fenster im „Capellein“ und ein Meister Adam Hamm aus Ansbach muß mit zwei Gesellen das Dach ausbessern und „verstreichen“. Um Platz in der Kapelle zu schaffen, werden Trennwände abgebrochen, ein Zimmermann namens Michael Harlander bessert das „Getäffel“ (Wandverkleidung?) aus und errichtet zwei Emporen. Desweiteren fertigt ein Schreiner zwei Bänke, zwei kleine Bänke vor dem Altar „zur Kommunion“, ein „Bänklein für den Beichtakt“ und drei unterschiedliche Türen. Bei den Ausgaben für den Maurer ist noch vermerkt: „... das neue Baarhäußlein ausgemauert“ und als Standort für dieses Bahrhaus angegeben „neben der Capelle“.

Der Wiederaufbau von St. Laurentius ging erstaunlich schnell vor sich. Zur Bestandsaufnahme fertigte der Nürnberger Zeichner, Baumeister und Kartograph Hans Bien (1591–1632) die Pläne (L 6) und dank ansehnlicher Beträge des Markgrafen und anderer Personen konnte bereits am ersten Adventssonntag des Jahres 1628, also ein Jahr nach der Brandkatastrophe, die Kirche wieder eingeweiht werden (L 3.1).

Die Kapelle diente die Jahre nach der Reformation, wie der Pfarrbeschreibung von 1810 zu entnehmen ist, zur „Abhaltung der kleinen Leichen“, das heißt für Gottesdienste bei einfachen Begräbnissen und ab dem Jahre 1725 unter Pfarrer Ernst Georg Schülin (1691–1731) für die Registratur der Pfarrei (Q 3).

Wie schon eingangs erwähnt, wurde die „Nebenkirche“ im Jahre 1802 abgebrochen. Der Antrag hierzu, schon im September 1800 gestellt, ist nach den Beschreibungen vom Dekanat Zirndorf ausgegangen. Das im Abdruck beigefügte Antwortschreiben des der Kriegs- und Domänenkammer in Ansbach angeschlossenen „Consistoriums“ läßt den Antragsteller allerdings nicht erkennen (Abb. 1). Das Schreiben lautet:

„Auf Eure unter dem 26. vor. Mts erstattete Anzeige werdet Ihr beschieden, fordersamt die von Euch als überflüßig angegebene St. Jacobs Capelle durch Bausachverständige in Anschlag bringen zu laßen und sonach unter Beilegung eines Überschlags über den Kosten Aufwand eines neuen Obdachs der Todtenbahren Anzeige zu erstatten und weitere Resolution zu gegenwärtigen.

Ansbach den 3.Oktober 1800“

Am 22. April 1802 fand ein „öffentlicher Verkauf“, also eine Versteigerung der Kapelle statt und wie aus beigefügtem Abdruck (Abb. 2) zu ersehen ist, wurde dem „Unterthan Paul Fischhaber“ um 265 Gulden der Zuschlag erteilt. Im Kaufvertrag werden leider nur die Materialien aufgeführt, die vom Verkauf ausgeschlossen waren. Es sind dies:

4 000 Stück Ziegeln
500 Stück Backsteine
Fenster mit Drahtgitter und
Tür.
Abbildung 1

Abbildung 1

Abbildung 2

Über die Glasfenster, den Altar oder die Altäre werden in der Kauf Urkunde keine Angaben gemacht. Es kann deshalb als sicher angenommen werden, daß sie zu dieser Zeit nicht mehr in der Kapelle waren. Erstaunlich ist nur, daß auch Pfarrer Bernhold anläßlich des Umbaues der Kapelle 1628 weder von den schönen Glasfenstern spricht, die doch in späteren Pfarrbeschreibungen immer wieder erwähnt werden, noch etwas über die Innenausstattung verlauten läßt.

Der Käufer mußte sich verpflichten, das Bauwerk innerhalb eines Vierteljahres abzutragen und den Schutt zu beseitigen. Am 16. August 1802 wird der „Kaufschilling“ erlegt, wie Pfarrer Eberhard sorgfältig in seinen Büchern einträgt.

Anstelle der Kapelle soll nun das „Bahrhäußlein“, wie es in den Akten heißt, errichtet werden. 19 Schuh lang und 16 Schuh breit (umgerechnet etwa 5,65 m x 4,75 m) vermerkt der Mauerermeister Johann Steigmann in seinem Kostenanschlag und auch die anderen Handwerksmeister: Johann List, der Zimmerer, Konrad Nüchterlein, der Schreiner und Michael Schmidt, der Schlosser, legen ihre Kostenschätzung vor.

Das Consistorium in Ansbach genehmigt am 3. Dezember 1802 den Bau und auch die Kosten in Höhe von 121 Gulden (Q 5). Was mit dem schon 1627 er wähnten Bahrhaus geschah, ist aus den Akten nicht ersichtlich.

Für den Bau des neuen „Obdachs der Todtenbahren“ werden bereits Materialien aus dem Abbruch der Kapelle, nämlich Dachziegeln und Fenster verwendet, wie aus einem Revisionsbericht hervorgeht (Q 6); das restliche Baumaterial, Backsteine und Ziegeln, wurde in den Pfarrhof verbracht, sollte dort gelagert und zum Ausbessern der Kirche und der beiden Pfarrhäuser dienen.

Der genaue Standort der abgetragenen Kapelle ist heute nicht mehr feststellbar. Hans Kreuzer, der sich um die heimatkundliche Forschung in Roßtal große Verdienste erworben hat, fertigte für das Heimatbuch, ausgegeben im Jahre 1979 (S. 106) eine Skizze von der Besiedlung unseres Ortes um das Jahr 1500, aus welcher auch der angenommene Standort der Kapelle hervorgeht. Nach dieser Skizze wäre der Chor der Kapelle nicht nach Osten orientiert, was bei ihrer Ausstattung als Sakralraum für Meßgottesdienste jedoch als ziemlich sicher angenommen werden darf.

Die bei Bestattungen in der Nähe des Bahrhauses immer wieder festgestellten Anhäufungen von Steinlagen, die sicher von Fundamenten herrühren, lassen, da verständlicherweise im Friedhof keine systematische Grabung vorgenommen werden kann, keine sicheren Rückschlüsse auf den Standort der Kapelle zu (Abb.3).

Abbildung 3: Verkleinerte Teilkopie des Gräberplanes für den alten Friedhof in Roßtal

Es ist weiter aus allen eingesehenen Unterlagen nicht hervorgehend, welche Abmessungen die Kapelle besaß. Aus der Angabe von rd. 4 000 Stück Dachziegeln, die nicht verkauft wurden, könnte freilich recht spekulativ auf eine Dachfläche von rd. 115 m2 geschlossen werden und da es sich bei der Dachform sicher um ein Satteldach mit der damals üblichen Dachneigung von 60  gehandelt haben dürfte, ergäbe dies einen Baukörper von rd. 5,60 m Breite und rd. 10 m Länge.

Aushubarbeiten, die im Jahre 1969 im Friedhof für die Ableitung des Regenwassers von der Dachfläche der Kirche längs der Südseite des Langhauses vorgenommen wurden, gaben auch eine Stelle frei, die eine Anhäufung von Gebeinen barg, die aus der Umbettung anläßlich des Umbaues de Kapelle im Jahre 1627 stammen könnten (Q 7). Desgleichen wird von eine zweiten Fundstelle (Q 8) im Friedhof berichtet (Abb.3).

In der Pfarrbeschreibung von 1838 wird der Abriß der Kapelle, der nach dieser Quelle auf Antrag des damaligen Dekans Pabst in Zirndorf „ohne Not“ geschah, bedauert und der Bericht darüber endigt mit den Worten: „... schade, daß sie (die Kapelle) nicht mehr besteht und Beute der Laune eines sonst so wissenschaftlich gebildetet Mannes geworden ist“ (Q 9). Ein harter Vorwurf; der Vorgang ist jedoch differenzierter zu sehen und zu beurteilen.

Da eine Kopie des Antrags an das Consistorium in den Akten nicht enthalten ist, sind auch nicht alle Gründe bekannt, die den Dekan bewogen haben, das Gebäude abbrechen zu lassen.

Es könnte die Baulast gewesen sein, die die Pfarrei mit allen ihren Wohn-, Schul- und Kirchenbauten in Buchschwabach, Buttendorf, Roßtal und Weitersdorf zu tragen hatte und die man durch den Verkauf eines Gebäudes verringern wollte.

Letztlich hat das Consistorium in Ansbach, dem als Aufsichtsbehörde jede auch nur wenige Gulden betragende Ausgabe zur Genehmigung vorgelegt werden mußte, ohne Einwände zu erheben, dem Antrag auf Abbruch zugestimmt.

Auch von der Kirchengemeinde selbst, einschließlich Pfarrer und „Heiligenpfleger“, gab es offenbar weder einen Widerstand gegen den Antrag des Dekans noch Einsprüche gegen den Entscheid des Consistoriums.

Rückblickend dürfte die „Nebenkirch“, in der wie der Pfarrer 1760 schon schreibt, seit Menschenalter kein Gottesdienst mehr stattfand, das Opfer eines Zeitgeistes geworden sein. Ein Jahr später wurden im Königreich Bayern anläßlich der „Säkularisation“ ohne Rücksicht auf den Verlust kultureller Werte, sicher auch nur von wenigen so empfunden, eine Vielzahl kirchlicher Gebäude, ja ganze Klosteranlagen enteignet, die Gebäude für profane Zwecke genutzt oder auf Abbruch verkauft um damit eine Sanierung der Staatskasse zu erreichen.

(So wurde auch die Kapelle in Weitersdorf, weil „stark baufällig“, im Jahre 1819 verkauft und zum Teil abgetragen. Zehn Jahre später, im Jahr 1829 stellten die Gemeindebürger „ihr Kirchlein“ auf ihre Kosten wieder her, so daß es der Nachwelt erhalten blieb.)

Es läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, für welche Bauwerke die Sandsteinquader der abgebrochenen St. Jakobskapelle Verwendung fanden.

Der Käufer, der „Tabernwirth“ Paulus Fischhaber (1773–1848), der das Metzgerhandwerk erlernte und als Soldat sechs Jahre in Ansbach diente, erwarb 1797 durch Einheirat das Gasthaus „Weißes Lamm“ am Oberen Markt. Erbaute das offenbar renovierungsbedürftige Anwesen, wie die Jahreszahl 1804 und seine Initialen PFH über der Eingangstüre noch heute künden, um und erweiterte die Bebauung um den Hof. Er kaufte überdies im Jahre 1812 das „Güthlein Nr. 32a“, heute Nürnberger Str. 17/19 und längst in anderem Besitz übergegangen, um dort ein zweistöckiges Branntweinbrennhaus mit einem neuen Keller zu errichten.

Auch die weitgehend aus Sandsteinblöcken erbaute Scheune an der Spitz trägt über dem Torbogen in einem Schlußstein den Namen des Genannten und die Jahreszahl 1829.

Es ist anzunehmen, daß das von der Kapelle ersteigerte Baumaterial, die Menge kann nicht gering gewesen sein, wenn trotz der vom Käufer zu tragenden Abbruchkosten noch 265 Gulden für das Material gezahlt werden mußte, bei den genannten Baumaßnahmen wieder verarbeitet wurde. Schriftliche Nachweise darüber fehlen und die Suche nach eventuell vorhandenen Steinmetzzeichen verlief ergebnislos.

Feststellen ließ sich dagegen, daß besonders an der Vorderfront des Gasthauses und, allerdings weniger häufig, an den Wänden der Scheune an der Spitz, eine Reihe von Sandsteinen, die im Mittelalter üblichen steinmittig angebrachten Zangenlöcher besitzen, die zum Heben und Versetzen des Steinblockes angebracht wurden. Andere Hinweise wie Schleifrillen oder Spuren einer künstlerischen Bearbeitung fehlen.

Über den Verbleib der Inneneinrichtung der Kapelle geben die eingesehenen Unterlagen, Rechnungen und Pfarrbeschreibungen keine Auskunft.

Es ist nicht auszuschließen, daß manches in den Kriegswirren des 30jährigen Krieges, besonders in dem für Roßtal so leidvollen Jahr 1632, in dem allein über 600 Tote am Jahresende zu beklagen waren, verlorenging. Schreibt doch am 7. November 1731 auf eine Anfrage nach „den Gütern der Heiligen“, worunter offenbar der Besitz der Pfarrei insgesamt verstanden wurde, der Pfarrer, Magister Johann Heinrich Schülin: „Diese sind hier vielen fatis (Schicksalschläge) unterworfen gewesen. Es hat auch geheißen, die Schätze der Kirche nimmt man hin, während des 30jährigen Krieges ist unstreitig vieles verlorengegangen und kann nicht mehr ausgemittelt werden“ (Q 9).

Die noch im Jahre 1760 von Pfarrer Wolshofer, der auch Reiseprediger des Erbprinzen, des späteren Markgrafen Carl Alexander war, bezeugte Jakobikirchweih in Roßtal ist irgendwann, sicher spätestens ab 1802 nicht mehr gefeiert worden. Damit ist auch das Wissen vom Bestehen einer dem Hl. Jakob geweihten Friedhofskapelle in Roßtal den nachfolgenden Generationen verlorengegangen.

Literatur:

(L 1)Adolf Rohn: „Heimatbuch von Roßtal und Umgebung“ S. 47/1928
(L 2)Wilhelm Fickert: „Geldwesen, Kaufkraft und Maßeinheiten des Fürstentums Kulmbach Bayreuth“, 1989, Selbstverlag der Gesellschaft für Familienforschung in Franken, Nürnberg
(L 3)Gottfried Stieber: Siehe Titel unter (Q 1.1), S. 676
(L 3.1)Ebenda, S. 678
(L 4)Dr. Wilhelm Funk: „Die Heimat“, Nr. 25, Organ des Historischen Vereins Neustadt/Aisch und Umgebung, 1932
(L 5)Informationsblatt: „Der Jakobsweg“, Herausgeber: Münsterpfarrei, Pfr. Paul Geißendörfer, Heilsbronn 1993
(L 6)Ausstellungskatalog: „Der Nürnberger Zeichner, Baumeister und Kartograph Hans Bien“, 1991, S. 82

Quellen:

Archiv des Evang.-Luth. Pfarramtes St. Laurentius, Roßtal

(Q 1)Akte Nr. 96 (Friedrich Grün: „Pfarrbeschreibung 1913“)
(Q 1.1)Ebenda: Friedrich Grün nennt Rechnungsbelege der Kirchenverwaltung von 1520/21 und zitiert Gottfried Stieber: „Historische und topographische Nachricht von dem Fürstentum Brandenburg-Onolzbach“, 1761
(Q 2)Akte Nr. 263 und 264 (Kirchenrechnungen)
(Q 3)Akte Nr.95 (Historische Unterlagen)
(Q 4)Ohne Aktennummer: Kirchenrechnungen von 1624 - 1648
(Q 5)Belege zur Roßtaler Gotteshausrechnung von 1802/03
(Q 6)Akte Nr. 285 (Revisionserinn. von 1803––1807)
(Q 7)Hinweis von Pfarrer i. R. Dieter Koerber
(Q 8)Hinweis von Herrn Michael Helmreich, Roßtal
(Q 9)Akte Nr. 87, Pfarrbeschreibung von 1838

Zu Dank verpflichtet bin ich:

Frau Lisbeth Winkler, Pfarrsekretariat der Pfarrei St. Laurentius, Herrn Dachdeckermeister Horst Oerter für technische Angaben, Herrn Hans-Günther Fischhaber für familiengeschichtliche Auskünfte

Dieter Koerber

Roßtal, Buchschwabach und Rohr
oder
Buchschwabachs alte Liebe

Soweit kirchliche Aufzeichnungen zurückreichen, wird Buchschwabach als Tochterkirchengemeinde von Roßtal geführt. Die „Tochter“ ist eine aus einem größeren Kirchensprengel ausgegliederte und selbständig gewordene Gemeinde. In der Regel werden die Töchter an den Rändern der Muttergemeinde liegen. So haben sich aus dem Ursprengel Roßtal die Töchter Regelsbach (mit Kleinweismannsdorf, Hengdorf und Leitelshof), Ammerndorf (Neuses kam erst 1949 dazu) und Vinzenzenbronn (die Gemeinde umfaßt nur den Ort gleichen Namens) selbständig gemacht. Voraussetzung so einer Gemeindegründung ist, daß eine Kirche vorhanden ist und durch eine Kirchenstiftung, (man nannte sie den Heiligen), die nötigen Einnahmen für den Bauunterhalt von Kirche, Pfarrhaus, Meßnerhaus und evtl. Schule gewährleistet waren und für die Besoldung des Pfarrers, die Pfründe, gesorgt war. Die nötigen Mittel konnten aus Grundstücken, Zehnten (Steuern) oder aus anderen Rechten kommen. Aus der Kirche wurde dann die Pfarrkirche, die das Recht hatte, einen Friedhof zu unterhalten und in der alle kirchlichen Akte, wie Taufen, Trauungen, Beerdigungen ausgeführt werden durften.

Da solche Ausgliederungen ja immer auch die Einnahmen der Mutterkirche und ihres Pfarrers schmälerten, wurden sie in der Regel recht kleingehalten, eben meist nur für einen Ort.

Mit Buchschwabach hatte es eine eigene bis heute nicht recht geklärte Bewandtnis: Die Ortsflur, ebenso wie die von Trettendorf und Defersdorf, müßte in der Zeit Karl des Großen in den Rohrer Pfarrsprensel gehört haben. Diese Pfarrei war eine Gründung des Salvatorklosters in Spalt (später nach dem Regensburger Bistumsheiligen St. Emmeramkloster genannt), das wiederum eine Tochter des Regensburger bischöflichen St. Emmeramklosters war.

Der Regensburger Bischof war in der Frühzeit auch Vorsteher (Abt) seiner Klöster. Aus der Amtszeit des Bischofs Richolt (1002–1028) wird in Regensburg noch eine Grenzbeschreibung aufbewahrt, in lateinischer Fassung, die auf eine offenbar in altem Deutsch geschriebene, aus der Zeit um 820, zurückgeht.

Sie hat wiederum ins Deutsche übersetzt folgenden Wortlaut:

„Die Mark (= Grenze) St. Emmerams an der Schwabach
  1. Sie beginnt im Nordosten (von Rohr aus gesehen), bei einem See, der Pirichense genannt wird,
  2. verläuft nach Süden, bis wo der Marcpah in die Suapaha fließt;
  3. ebenso (also nach Süden) von der anderen Seite der Suapaha beginnend bei der Mühle des Dragomuzila,
  4. zieht sich zum Lintpahes houbit
  5. von dort in den Rihinpah, wie alte Grenzzeichen beweisen,
  6. bis zu einem Weg, der Miltachostiga heißt,
  7. von dort auch nach Rihgareszant
  8. von dort zum steilen Berg
  9. von dort zu Lutmaresfeld,
  10. von dort zu Luutmares Garten
  11. von dort umgeht sie alle Quellen, aus denen die Suapaha entspringt,
  12. von dort läuft sie zum stocchum,
  13. zum Claraspah,
  14. zur Quelle der Puosuapaha, von dort wiederum zum Pirichenseo“ (nach Dinklage, a. a. O; S. 197 ff)

Erläuterungen:

ad 1.)Nach Kreutzer, (I.,S. 13)„der heute verlandete Birkensee auf der Defersdorfer Höhe gegen Regelsbach“, nach Dinklage das sog. „Elsterersweiherle“, ca. l km westlich von Reglesbach; dort auch in ca. 400 m Entfernung ein „Birkenacker“
ad 2.)Dinklage sucht den Markbach in einem kleinen nördlichen Zufluß der Schwabach, an der westlichen Flurgrenze Stadt gleichen Namens. Die meisten Forscher sehen ihn in dem südlich von Wildenbergen, am Ostrand von Kottensdorf in die Schwabach mündenden Bach, nach Haag, (II. S. 1048) schon 1456 als „Marbach“ erwähnt.
ad 3.)Mühle des Dragomuzil, (slawischer Name, Kreutzer, II. S.46) eine Mühle, jedenfalls am Südufer der Schwabach, vermutlich die Kottensdorfer Mühle; Dinklage sucht sie wieder am westlichen Stadtrand von Schwabach.
ad 4.)Lintpahes houbit ist offenbar für den Übersetzer, 200 Jahre nach der Urschrift, nicht erklärbar. Gemeint wohl das heutige Limbachtal, südl. Leutzdorf, der Oberlauf oder die Quelle des Baches. Oder meint houbit einen Berg? Dann wäre an den in topographischen Karten erwähnten Schwabenbuck am östlichen Rand des Limbachtales zu denken.
Dinklage will den „Lindenbach“ in einem südlichen Zufluß der Schwabach finden, der in Schwabach den Fluß erreicht.
ad 5.)Rihinpah, Reichenbach, wohl der bei Dechendorf entspringende über Volkersgau, Ober- und Unterreichenbach in die Schwabach mündende südliche Zufluß. In den Karten heißt er Volkach.
ad 6.)Mildacher Steig. (Mildach ca. 3 km südlich Kammerstein.) Dinklage denkt an den „Rennsteig“, der als Kammersteiner Weg, (Namensänderung nach Entstehung der Burg Kammerstein) von Spalt in gerader Richtung über Abenberg, Kammerstein, Gustenfelden, Hengdorf und Gutzberg nach Zirndorf und weiter nach Norden führt.
Da die Grenzbeschreibung in Rohr entstanden sein dürfte, denke ich an einen Weg, der von Rohr aus nach Spalt führt. Es könnte die Hochstraße sein, die vom Haufbuck über Dechendorf nach Kammerstein führt, oder etwas weiter südlich die gerade Ost-Weststraße von Kammerstein über Albersreuth nach Lanzendorf. Der Weg könnte von Rohr aus über Gaulenhofen zum Haufbuck, oder über Prünst nach Dechendorf und dann, weiter südlich bis etwa Albersreuth, den schnellen Weg zwischen dem Mutterkloster in Spalt und seiner Gründung in Rohr vermittelt haben.
ad 7.)Rihgaraszant, nach Dinklage die ausgezahnte Rodung eines Richgar. Sollte der auch dem Reichenbach seinen Namen gegeben haben? Die Lage des Ortes ist nicht auszumachen.
ad 8.)Sicherlich der Houbuck, oder Haufbuck, mit 451 m die höchste Erhebung der ganzen Gegend.
ad 9.u.10.)Feld und Garten des Lutmar oder Luutmar. Altdeutsch wohl Luitmar, nach der Lautverschiebung Leutmar. Sollte eine Namensverbindung mit Leutzdorf bestehen? Die gesuchten Orte liegen allerdings ca. 8 km Luftlinie von dem Dorf entfernt.
ad 11.)Also das Gebiet um das Kloster Heilsbronn!
ad 12.)Beim Stock. Dinklage findet eine Flur, namens Stück, nördlich der B 14, in Höhe von Weiterndorf. Er denkt an einen Windbruch, wo nur Stöcke stehen.
ad 13.)Clarsbach, Bachname, nicht der Ort gleichen Namens. Der heute in Clarsbach nicht mehr wahrnehmbare Bach entspringt etwa 500 m östlich des Ortes und findet seinen Lauf nach Wendsdorf über die Weihersmühle und bei Schwaighausen in die Bibert. Die Vettersche Karte von 1736, unser Titelbild, läßt ihn deutlich erkennen.
ad 14.)Buchschwabach, wieder Bachname. Die „Kleine Schwabach“, der „Schwallbach“ entspringt bei Trettendorf/Wimpas, fließt über Buchschwabach, dort Mühlbach genannt, bei Leutzdorf in die Schwabach. Vgl. wieder die Vettersche Karte!

Zur Beurteilung:

Der so beschriebene Grenzverlauf zeigt im Osten und Süden deutlich den Sprengel der alten Pfarrei Rohr. Kottensdorf war „Tochter“ von Rohr. Bis zur Reformationszeit gab es dafür in Rohr eine Frühmeßpfründe, die vermutlich vom Klarakloster in Nürnberg verliehen wurde. („Verleihen die Drahtzieher in Nürnberg“, Schornbaum, S. 64). (1279 schenkte Friedrich Ebner den Zehnten aus der Pfarrei Regelsbach dem Klarakloster in Nürnberg. Die Ebner hatten auch Besitz und Zehnten in Kottensdorf. Sollte es damit zusammenhängen?) (Sprung, S. 61, Haag, I. , S. 1049)

Im Süden möchte ich die Mark nicht nach der Ortsgrenze von Dechendorf ziehen, sondern noch um den Dechenwald herum, da vom Reichenbach (bei Dechendorf) aus noch zwei weitere Grenzzeichen bis zum nahen Haufbuck genannt werden, der Mildachersteig, den ich etwas weiter südlich suche, „und von dort auch nach Rihgeraszant.“ Das könnte den bewußten Umgriff um den Dechenwald bedeuten, wie es auch die heutige Landkreisgrenze zwischen Schwabach und Ansbach noch tut. Die Ortsflur von Dechendorf ist hier enger gezogen.

Im Westen wurde das Gebiet um Heilsbronn offenbar später von den Abenberger Grafen erworben, die 1132 auf ihrem Besitz das Kloster gründeten, (wenn denn dieses Gebiet wirklich zur Emmeramsmark gehört hat.) Nach anderer Überlieferung kam es aus der Herrieder Klostermark in den Besitz der Abenberger.

Die Ostgrenze: Das von Dinklage noch zur Emmeramsmark gerechnete Gebiet zwischen Kottensdorf und Schwabach hatte seine eigene Geschichte: Die Zehnten verraten es und der Besitz der Kirche.

Sie stammen aus einer Schenkung des Königs an das Kloster Ellwangen, die etwa zur gleichen Zeit erfolgt sein könnte, wie die an das Spalter Kloster. Von Gunzenhausen, das ebenfalls Ellwanger Besitz war, wissen wir die Jahreszahl: 823. Später, 1296, verkaufte Ellwangen seinen Besitz um Katzwang, zu dem auch Gustenfelden gehörte, an das Kloster Ebrach. (Sprung, S. 34)

Die Nordgrenze verdient unsere besondere Beachtung: Sie reicht mit den Orten Buchschwabach, Trettendorf und Defersdorf weit in den Roßtaler Pfarrsprengel hinein und sie überschreitet damit auch die Grenze zwischen dem Bistümern Würzburg und Eichstätt. Es gibt dafür schwer eine Erklärung. Drangen die Ausbausiedler vom Königshof in Roßtal, (wenn es denn einer war), so weit in fremdes Gebiet vor? „Im Süden bildet die große Emmeramsmark um Rohr eine Barriere. Erst spätere Rodung brachte hier eine Ausweitung des Roßtaler Bereiches“ (Kreß, S. 241) oder wurde das Gebiet von Spalt verkauft. Potente Grundherren hat es wohl in der fraglichen Zeit in unserem Raum noch nicht gegeben. Hat es der König zurückerworben, um seinen Roßtaler Bereich (zugunsten Bambergs, s. unten) zu vergrößern, oder hat das Kloster Spalt von sich aus auf einen Teil seiner Mark verzichtet? Wir wissen es nicht. Aber die Tatsache einer sehr frühen Verbindung zwischen Buchschwabach und Spalt sollte festgehalten werden. Ich glaube zu sehen, daß sie bis heute noch spürbar ist.

Die frühere politische Gemeinde Buchschwabach mit ihren Ortsteilen Raitersaich und Clarsbach, die ja beide nicht zur Emmeramsmark gehört hatten, war wohl, was das Verhältnis der einzelnen Teile zueinander betraf, nie ganz problemlos, und dürfte eine ziemlich künstliche Bildung der Verwaltungsbereiche um 1825 gewesen sein. Eine betonte Eigenständigkeit haben die Buchschwabacher sowohl gegen ihre anderen Gemeindeteile, als auch gegen Roßtal immer zu bewahren versucht. Und nach Rohr heiraten sie eher, als nach Roßtal oder Raitersaich.

Es gibt nun ein Datum, vor dem die Trennung Buchschwabachs von Rohr nach Roßtal erfolgt sein muß. Die Übereignung von Roßtaler Besitz an das neugegründete Bistum Bamberg. Für die Verhältnisse in Roßtal haben wir dafür erst eine Urkunde von ca. 1050, die Bamberger Besitz in unserem Gebiet ausweist. (Kreutzer, II, S. 78 ff) Sie muß aber wohl schon Jahrzehnte früher erfolgt sein, noch zu der Zeit Kaiser Heinrichs II., des Stifters und eifrigen Förderers des neuen Bistums.

Neben Roßtal kamen auch Herzogenaurach, Langenzenn und Fürth, wohl aus Reichsbesitz an das Bistum Bamberg. Das berührte nun nicht die Bistumszugehörigkeit zu Würzburg, aber das Patronatsrecht an den Kirchen, das heißt das Recht, die Pfarrstelle zu vergeben. Für Roßtal ist das Patronatsrecht beim Domkapitel, für die Filiale Vinzenzenbronn beim Stift St. Jakob. Bevor wir wieder zu Buchschwabach kommen, noch ein kleiner Blick auf die anderen Filialen. In Ammerndorf finden wir eine Würzburger Eigenkirche, die später an das Kloster Heilsbronn gegeben wurde, in Regelsbach sind es im 13. Jhdt. die Ebner, die ihren Besitz, wie schon erwähnt, dem Klarakloster in Nürnberg überließen. Beide Filialen müssen also schon wesentlich früher in die Selbständigkeit entlassen worden sein. (Sprung, S. 31)

In Buchschwabach zeigt sich nun wieder Bamberger Besitz, der nicht von Spalt, sondern nur vom König kommen konnte. Hier in Buchschwabach ist der große Zehnt Reichslehen, der kleine Zehnt geht an das Domprobsteiamt Bamberg, ist aber zumeist, wie auch der große Zehnt, an Nürnberger Bürger weiterverliehen. Spätestens schon im ersten Viertel des 11. Jhdt. muß also Buchschwabach bei Roßtal gewesen sein. Auch ein Blick auf die Geschichte seiner Kirche läßt nichts Gewisseres erfahren. Nach den ältesten Teilen der Kirche zu schließen, (Turmerdgeschoß, früher der Chor) dürfte sie im 13. Jhdt. erbaut worden sein. Damals waren die Herren von Berg Besitzer des Ortes. Sie könnten auch die Stifter der Kirche sein mit dem in unserem Raum seltenen Magdalenenpatrozinium und auch die Stifter des großen Kirchenwaldes. Oder ist diese Stiftung älter als die heutige Kirche? Hatte sie vielleicht einen kleinen – Rohrer – Vorgängerbau. Immerhin liegt die Hälfte des großen Waldbesitzes in Rohrer Gebiet. Die heutige Landkreisgrenze trennt den südlichen Heiligenwald vom nördlichen Magdalenenholz.

Zum Schluß noch eine Überlegung, die alles bisher Erwogene wieder in Frage stellen könnte. Ist es ein Zufall, daß die alte Urkunde – im Grund ist es keine Urkunde mit Siegel und Zeugen, sondern nur eine Grenzbeschreibung –, gerade zu der Zeit wieder hervorgezogen wurde und eine lateinische Fassung, das wirkt amtlicher, erhalten hat, als die Übergabe des Roßtaler Besitzes an Bamberg anstand? Heinrich II. (1002–1024) und Bischof Richolt von Regensburg (1002–1028) waren genau Zeitgenossen. Dann könnte das Hervorholen der alten Grenzbeschreibung wie ein Einspruch gegen königliche und Bamberger Ansprüche auf dieses Gebiet erscheinen, der freilich ohne Erfolg geblieben wäre. Vielleicht war St. Emmerams Besitz in seiner nördlichen Ausdehnung über die heutigen Pfarrsprengel-Grenzen hinaus doch nicht so gesichert, wie es die Grenzbeschreibung dartun will.

So könnte ich den Birkensee als Nordostecke der Mark auch in der Waldlichtung finden, zwischen Weiler und Leitelshof, die in den Karten Attastal heißt und sich nach Süden zur kleinen Schwabach hin öffnet. Dort gibt es Quellen, ein Bächlein speist einen kleinen Weiher und Birken wachsen auch noch am Waldrand. Auffällig ist die Grenzlage im Dreieck zwischen Defersdorf im Norden und Leitelshof im Osten, an einer Stelle also, wo noch heute die Kirchensprengel von Roßtal, Regelsbach und Rohr zusammenstoßen. Die Ausdehnung nach Norden, bis an die Quellen von Clarsbach und kleiner Schwabach, wären dann nicht mehr als ein Wunsch oder ein leichtes Einflußgebiet. Man muß nur an die späteren Richteramtsgrenzen denken, die noch im 18. Jhdt. mehr Anspruch als eine Wirklichkeit zeichneten. Aber an der alten Liebe Buchschwabachs darf man nicht zweifeln; die gibt es immer noch.

Literatur:

Bayer, Adolf: St. Gumberts Kloster und Stift in Ansbach. Würzburg 1948
Dinklage, K.: Die Besiedlung des Schwabacher Landes in karolingischer Zeit. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung, Bd. 6/7 Erlangen 1941
Kress, Hans Werner:
I.) Das Richteramt Roßtal
II.) Roßtal im frühen Mittelalter
Beide in: Kreutzer/Düthorn: Roßtal, Vergangenheit und Gegenwart. Roßtal 1978/79
Kreutzer, Hans:
I.) Tausend Jahre Roßtal, Roßtal, o. J. (1955)
II.) In: Kreutzer/Düthorn: Roßtal, Vergangenheit und Gegenwart. Roßtal 1978/79
Sprung, Werner: Zehnten und Zehntrechte um Nürnberg. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Nürnberg 1967/68 (Bd. 55)
Jaag, Christoph: Unterrichtshilfen für das Schwabach-Rother Land.
I.) Folge 55, 1956
II.) Folge 68, 1957
Schornbaum, Karl: Die erste Brandenburgische Kirchenvisitation 1528.
Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns, X. Band, München 1928
Baumeister, Braun, Reiter, Schimmöller: Das Bistum Eichstätt in Geschichte und Gegenwart, Heft 1, Von den Anfängen bis zum Hochmittelalter, Edition du Signe, 1991