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Dieter Koerber

Wie alt ist eigentlich Buchschwabach?

Über das Alter von Roßtal weiß jeder, der es wissen will, schon durch den Poststempel Bescheid: Das 1000-jährige Roßtal. Erste urkundliche Erwähnung 954.

Buttendorf hätte 1982 sein 850-jähriges Bestehen feiern können, zusammen mit dem Kloster Heilsbronn, auf dessen Gründungsurkunde von 1132 unter den adeligen Zeugen auch Gernot und Rudolph von Buttendorf siegeln.

Weitersdorf feierte 1985 sein 750-jähriges Jubiläum, Defersdorf konnte 1989 auf 650 Jahre zurückblicken, Neuses dieses Jahr auf 750 und 1998 wird Großweismannsdorf die 750-Jahrfeier begehen können. Dabei ist zu bedenken, daß diese aus Urkunden erschlossenen Zahlen nichts Endgültiges über das Alter der Orte aussagen, sondern mit der ersten Erwähnung nur das „Mindestalter“ angeben und nicht die Zeit der Gründung des Ortes nennen.

Der Ortsname Buchschwabach findet sich zum ersten Mal 1396 im Bergischen Reichslehenbuch (der Ministerialen von Zirndorf-Altenberg). Das hätte zu einer 600-Jahrfeier 1996 gereicht.1) Dagegen ist „Puohsuapaha“ als Flußname schon in der Grenzbeschreibung der Emmeramsmark um Rohr aus dem ersten Viertel des elften Jahrhunderts genannt, die auf eine frühere Fassung um 800 zurück geht.2) Heute nennt niemand dieses Gewässer noch so. In der Literatur findet man die „Kleine Schwabach“,3) auf der topographischen Karte heißt der Wasserlauf „Schwallbach“ und die Buchschwabacher nennen ihn respektlos mit der technischen Bezeichnung „Mühlbach“.

Auch Roßtal kennt für sein Gewässer nur den Namen „Mühlbach“ und schon der gelehrte Reisende Kaspar Bruschius erfährt um 1530 keinen anderen Namen, er schreibt: (Roßtal)... „ist am Mühlbachfluß drei Steine von Nürnberg gelegen.“ 4) Karl Kreuzer kennt auch noch die Benennung „Schwalmbach“.5)

Es müssen Menschen in diesem Gebiet gelebt haben, die diesem Wasserlauf, der bei Trettendorf, früher schon bei Wimpashof, entspringt und zwischen Leutzdorf und Kottensdorf die Schwabach erreicht und der sonst bei einer Länge von höchstens zehn Kilometer völlig unbedeutend ist, den Namen gegeben haben, wobei die (große) Schwabach natürlich mit namengebend gewesen ist.

Die Ortsnamenforscher weisen darauf hin, daß sich in der Markbeschreibung Flußnamen auf -bach, als auch auf -aha (heute zu -ach geworden) finden. Man kann es auch am Geschlecht unterscheiden: Der Clarsbach, der Markbach, der Reichenbach, aber die Schwabach, die Buchschwabach, die Aurach die Mildach. Die Namen auf -aha sind die älteren. So zeigt sich in der Urkunde um 800 der fließende Übergang der Namen von -aha zu -bach. Und wenn man weiter erfährt, daß die -aha Namen alemannischen Ursprungs sind, so muß man schon mit einer sehr frühen Bevölkerung in unserem Gebiet rechnen.6) Immerhin haben die Alemannen schon im dritten Jahrhundert an mehreren Stellen den römischen Limes überrannt und zum Limes (etwa auf der Linie Weißenburg-Gunzenhausen-Hesselberg-Dinkelsbühl-Aalen) ist es ja nicht mehr weit.

Aufgrund der frühen Besiedlung dürfte auch für den Ort Buchschwabach eine Gründung spätestens im 8. Jahrhundert angenommen werden, aber zu einer 1200-Jahrfeier fehlen die Urkunden.

So bleibt wohl die Kirche der älteste Zeuge des Ortes. Vom alten, 1882 abgebrochenen Bau, steht noch das Erdgeschoß des Turmes. Der romanische Bogen, der den früheren Chor im Turm abschloß, und die im Querschnitt fast kreisrunden Rippen des Kreuzgewölbes weisen auf eine Bauzeit in der ersten H/älfte des 13. Jahrhunderts.7) Daneben ist auch an einen hölzernen Vorgängerbau zu denken.

Dennoch muß man die Suche nach früheren urkundlichen Erwähnungen noch nicht aufgeben. Kurz nach dem Defersdorfer Jubiläum fand Dr. Siegfried Freiherr Scheurl von Defersdorf in Nürnberger Urkunden eine noch um 25 Jahre ältere Nennung des Ortes Defersdorf.8) Buchschwabach hatte viele Nürnberger Untertanen; deshalb wäre es vielleicht sinnvoll, in Nürnberger Urkunden zu suchen. Die Forscher sind aufgerufen!

Anmerkungen

1)Wiesner, Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Landkreis Fürth, unter „Buchschwabach“
2)Roßtaler Heimatblätter, Nummer 28 (I, 1994) S. 16 ff
3)Christoph Haag in Unterrichtshilfen für das Schwabach-Rother Land, Folge 68, 1957, Im Tal der „Kleinen Schwabach“
4)Kreutzer/Düthorn, Roßtal in Geschichte und Gegenwart, 1979, S. 113
5)Kreutzer/Düthorn, a. a. O., S. 361
6)E. Wagner, Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Schwabach Stadt und Landkreis, 1969, S. 11 f.
F. Engler, Historischer Atlas von Bayern, Schwabach, 1993, S. 50
7)H. Mahr, in Kreutzer/Düthorn a. a. O., S. 324 f
8)Roßtaler Heimatblätter, Heft 21 ( I., 1990)

Alfred Steinheimer

Baumaßnahmen, von denen die St.-Laurentius-Kirche in Roßtal verschont blieb

Ein seltsamer Titel für eine Abhandlung, aber zutreffend, wenn das geschehen wäre, was besonders im 19. Jahrhundert baulich für notwendig erachtet und geplant, aber gottlob nur teilweise zur Ausführung kam.

Im Jahre 1993 waren es genau 100 Jahre, daß die St. Laurentiuskirche eine „Renovierung“ erhielt, die ihr Aussehen besonders innen, aber auch außen veränderte.

Freilich haben seit Bestehens der Kirche schon mehrmals, und ganz sicher nach der Zerstörung Roßtals im Städtekrieg 1388, tiefgreifende Änderungen in und an der Kirche das Gesicht des ursprünglich im romanischen Stile erbauten Gotteshauses grundsätzlich verändert. Leider existieren keine Abbildungen aus dieser frühen Zeit.

Aber auch noch später, bis Anfang des 17. Jahrhunderts, sind keine Abbildungen von der Kirche bekannt, obwohl die Kirche um das Jahr 1533, also nach dem Einzug der Reformation von dem Humanisten Caspar Bruschius (1518–1557) ob ihrer prächtigen Grabdenkmäler, die der Gräfin Irmingard und des Herzogs Ernst, sowie der damals schon als „sehr alt“ bezeichneten Krypta beschrieben wird. Dreißig Jahre vorher stellte der Historiker Veit Arnbeck fest: „..., daß keine Kirche ihr ähnlich sei 15 Meilen in der Runde bei Nürnberg“

Die erste Darstellung des Bauwerks ist die, welche der Nürnberger Stadtbaumeister Hans Bien (1591 - 1632) fertigte und die uns den Zustand der Kirche nur kurze Zeit nach dem verheerenden Brand vom 10. August 1627 vor Augen führt. (Abb. 1) L 1)

Es haben sich im Pfarrarchiv keine Angaben darüber finden lassen, wer den genannten Stadtbaumeister mit der Bestandsaufnahme der Brandstätte beauftragte. Offenbar bestellte man für den Wiederaufbau namhafte Fachleute aus der Stadt Nürnberg, weil bekannt ist, daß, außer dem genannten Hans Bien, der Wiederaufbau der Turmkonstruktion durch den Nürnberger Ingenieur Hans Carl 1629 überwacht wurde.

Die kolorierte Federzeichnung des Baumeisters, die im Germanischen Museum verwahrt wird, zeigt einige interessante Details: Hans Bien hat die Nordansicht der Kirche, von der Torturmseite her gesehen, dargestellt, die zeigt, daß um diese Zeit nur die zweiflügelige Tür, Brauttür genannt, zur Kirche führt; auch die Südseite besaß nur einen Eingang.

Die außenseitigen Stützpfeiler fehlen, da diese erst nach dem Brand, der das Mauerwerk des Langhauses in seiner Standfestigkeit beeinträchtigte, im Zuge der Aufbauarbeiten nach 1628 angesetzt wurden.

Der Grundriß läßt weitere Einzelheiten erkennen: So sind im Kircheninneren insgesamt vier Grundflächen für Altäre gezeichnet, es sollen deren sechs gewesen sein, die alle durch das Feuer vernichtet wurden. Nach den Beschreibungen des schon genannten Caspar Bruschius aus dem Jahre 1533 kann lediglich der Standort des Marienaltars bestimmt werden, der etwa dort aufgestellt war, wo sich heute darüber der große moderne Leuchter befindet. Unterhalb des Altars, wenige Stufen abwärts, befand sich die Grabstätte der Kirchenstifterin Irmingard.

Über die Altäre links und rechts in den Ecken des Langhauses, vor Beginn des gotischen Chores, sowie dem Altar im Chor selbst ist nichts bekannt. Aus Kirchenrechnungen der Jahre 1517–25 Q 1) ist ersichtlich, daß es einen dem Hl. Kilian geweihten, sowie einen mit einer Bildtafel über die Aussendung der zwölf Apostel, von einem Bamberger Maler gefertigten Altar gab, deren Standorte jedoch nicht näher bezeichnet wurden. Die zeitlich nächstfolgende Abbildung datiert aus dem Jahre 1810. Johann Christoph Jakob Wilder (1783–1838) Pfarrer in Nürnberg von St. Peter u. Hl. Geist, darüberhinaus ein begabter Zeichner, fertigte eine Bleistiftzeichnung die, wie der Plan von Hans Bien, ebenfalls im Germanischen Museum in Nürnberg verwahrt wird. (Abb. 2) L 2) Dieses Konterfei läßt bereits auf der Südseite einen über einige Stufen führenden zweiten Eingang zur Kirche erkennen. Zu welcher Zeit dieser zweite Eingang geschaffen wurde, ließ sich bisher noch nicht ermitteln. Der „Ölberg“ am Chor war durch eine Umzäunung geschützt und der Kirchturm trägt die „welsche Haube“, die, nach erneuten Blitzschäden nach 1768 die Turmspitze ersetzte.

Welche Überlegungen man damals anstellte, das Turmende zu gestalten, zeigt eine relativ einfache Skizze. (Abb. 3) Die Akte im Archiv, in der das Blatt verwahrt wird,Q 2) schweigt sich über den Zeichner und das Jahr des Entwurfes aus. Es kann allerdings mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß im Zusammenhang mit einem Blitzschaden im Jahre 1698, der die Glocken und die Turmuhr vernichtete, schon 1726 Überlegungen für eine neue Turmabdeckung und die Anbringung einer neuen Turmuhr angestellt wurden.

So „zeitgerecht“ die drei Entwürfe sind, dem Charakter des spätgotischen Turmes hätten sie weit weniger entsprochen als die Lösung die dann gefunden wurde und die heute noch besteht.

Im Jahre 1840 wurden von der Kirchenverwaltung zwei Roßtaler Handwerksmeister aufgefordert einen Kostenanschlag über die Schaffung eines zusätzlichen Eingangs an der Nordseite der Kirche abzugeben. Q 3)

Der Maurermeister Johann Jakob Steigmann beginnt sein am 22. August 1840 gefertigtes Angebot mit einer recht drastischen Begründung für die Notwendigkeit der auszuführenden Arbeit:

„Da der untere Eingang an der Kirche zu klein und durch ein Torschen (?) -Stiege durch die Mehrheit der Menschen von drei Emporen und der Orgel der Austritt zu klein ist, daß die alten Leute zusammengedrückt werden daß es nicht zum aushallen ist, sollte also eine neue steinerne Stiege mit einem besonderen Eingang außen an der Mitternachtsfront in der Kirche auf die untere Empore durch die Kirchenmauer eingebrochen und den Austritt erhalten und das außen mit einem Walmdach bedachet werden.“

Er kalkuliert für seine Arbeit 120 Gulden und der Schreinermeister Christoph Nüchterlein legt ein Angebot hierzu vor, das allerdings auch Ausbesserungen am Altar einschließlich der Bemalung (?) von Bildern einschließt, mit einer Endsumme von 59 Gulden. Die Kirchenverwaltung, der Pfarrer Friedrich Jakob Ludwig Böswillibald (1830–1846) vorsteht, ist überzeugt von der Erforderlichkeit des zweiten Eingangs, dem Pfarrer selbst scheinen allerdings doch einige Bedenken über die Veränderung der Ansicht des Gotteshauses gekommen zu sein.

Das Angebot des Maurermeisters ist mit einem Randvermerk von seiner Hand versehen: „Ob durch diesen Anbau, die im gothischen Style gebaute Kirche nicht eine Verunstaltung erleide läßt sich ohne Vorlage einer Zeichnung nicht beurteilen“.

Die Zeichnung wurde gefertigt (Abb. 4) und nachgereicht, ohne Maße und ohne Angabe des Planfertigers und sie gestattet kaum eine Beurteilung im Sinne der Randnotiz des Pfarrers.

Dem Angebot ist zu entnehmen, daß die Treppe eine Breite von vier Fuß hatte, also nach metrischem Maßsystem rund 1,16 m breit war.

Die Baumaßnahme wurde durchgeführt, ob allerdings wie auf dem Plan vorgesehen, läßt sich, da später die Treppe nochmals verändert wurde, heute nicht mehr feststellen.

43 Jahre später wird der Gedanke von den beiden Emporen aus die Kirche verlassen zu können erneut aufgegriffen Q 4) und Pfarrer Christian Lotzbeck (1879–1885) schreibt am 23. Februar 1883 an das königl. Bauamt Fürth betreffs der Instandsetzung der Kirche und der Herstellung eines „Stiegenturmes“.

Besonders für den Bau des Letzteren bringt er ähnliche Argumente wie sie schon vorher der Maurermeister Steigmann brachte, verschärft seine Gründe noch mit dem Hinweis, daß im Brandfalle in der Kirche eine Panik befürchtet werden müsse, da nur je zwei Türen auf der Nord- wie auf der Südseite der Kirche bestünden.

Die Arbeiten sollten in einer Gesamtbaumaßnahme vorgenommen werden, da ich das gesamte Kirchengebäude in einem „sehr herabgekommenen Zustande befindet und dies mit der Würde eines Gotteshauses in keinem größeren Gegensatz stehen könne“.

Vorsorglich hat die Kirchenverwaltung den königl. Bauassessor Boxberger aus Nürnberg mit der Planung des Stiegenturmes (Abb. 5) und der Ausarbeitung eines Kostenanschlages beauftragt. Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme betragen 5560 Mark.

Die königl. Regierung von Mittelfranken antwortet am 13. August 1883 und „dämpft“ den Unternehmungsgeist der Kirchenverwaltung, die sich auch einen ansehnlichen staatlichen Zuschuß zu den Baukosten erhoffte.

Die Regierung begründet ihren abschlägigen Bescheid hinsichtlich des Stiegenturmes damit, daß Kirchen nicht zu den feuergefährdeten Bauten zählen und daß überdies die Vermögenslage der Kirchengemeinde es zuließe, die Anstricharbeiten mit eigenen Mitteln vorzunehmen und außerdem ließe sich, verteilt auf Jahre, die Situation der vier Eingangstüren verbessern.

Ein Jahr später reicht die Regierung ein Schreiben nach und genehmigt (!) in der Pfarrgemeinde eine Geldsammlung, wenn schon ein Stiegenturm errichtet werden soll. Es geschieht indes nichts, außer daß alle Jahre Schreiben zwischen dem Pfarramt, dem Bauamt in Fürth und der Regierung in Ansbach gewechselt werden.

Zwischenzeitlich gibt es auch eine Neubesetzung der Pfarrei. Der neue Pfarrer Ludwig Theodor Fischer (1886–1888) versucht erneut, die Pläne der Kirchen Verwaltung durchzusetzen, aber auch ihm ist kein Erfolg beschieden.

Dem nächstfolgenden Pfarrer Karl Philipp Friedrich Schirmer (1889–1900) gelingt, was kaum mehr für möglich gehalten wurde: Der Architekt Theodor Eyrich von Nürnberg erhält 1892 den Auftrag zur Planung der äußeren und inneren Umgestaltung der Kirche nebst Fertigung eines Kostenanschlages.

Der Stiegenturm ist nach wie vor im Gespräch; wie bei diesem Architekten die Lösung gedacht ist, zeigt die Darstellung der Nordseite der Kirche (Abb. 6)

Eyrich will die „Steigmann'sche Treppe“ von 1840 abbrechen, verschiebt eine neue Treppe so, daß sie unterhalb der Fensterachse angelegt wird und plant schließlich den mit einer „gotischen“ Spitze versehenen Stiegenturm, der die Möglichkeit geboten hätte, jeweils von den beiden Emporen aus die Kirche verlassen zu können. Das Problem einer schnellen „Entleerung“ der Kirche im Auge, sieht er, ohne Rücksicht auf die Fassade, eine zweite einflügelige Türe neben der „Brauttüre“ vor.

Um das Ganze etwas zu „verschönern“ sollte am Ende des Langhauses an der Westseite ein weitere Strebe angesetzt werden, da er offenbar mit dem Durchbruch für eine weitere Türe statische Probleme für die Wand befürchtete.

Die Pläne werden der höheren Baubehörde bei der Regierung in Ansbach vorgelegt und wir können dem königl. Baubeamten Köhler noch heute dankbar sein, daß er mit dieser Planung nicht einverstanden war.

Er „rettet“ die Nordfassade der Kirche, strich aus den Plänen den Stiegenturm mit seiner neugotischen Spitze, strich den zusätzlichen Strebepfeiler und die einflügelige Tür, die nun an die Westseite verlegt wurde.

Die „Steigmann'sche Treppe“ wird allerdings abgebrochen und so errichtet, wie sie heute noch besteht.

Die Grundrißpläne (Abb. 7), die nun ohne Stiegenturm gefertigt wurden, zeigen im Chorraum Einzelheiten, die schon seit Jahren mit der Frage der Restauration des Kircheninneren zur Diskussion standen. (Anmerk. im Grundriß vom Verfasser)

Wie aus einem Schreiben des Pfarrers Fischer von 1887 hervorgeht, wurde der Chorraum zu dieser Zeit nicht zum „gottesdienstlichen Gebrauche benutzt“ (!), dies, obwohl im Chor noch zwei weitere Altäre aufgestellt waren; der Hauptaltar stand zwischen dem Chor und dem Langhaus.

Bei der Renovierung sollte nun der im „gotischen Style“ gefertigte Hauptaltar in den Chor gerückt und der an der hinteren Chorwand stehende Altar, der „unschön und kunstlos“ beschrieben wird, entfernt werden.

Offenbar konnte sich die Gemeinde damals nicht zu diesem Schritt entschließen. Vielleicht schien dieser Eingriff, der das gewohnte Bild des Chores sehr verändert hätte, für einige Mitglieder der Kirchenverwaltung zu „radikal“.

Die Maßnahme schloß damit ab, daß der schon genannte zweite Eingang an der Nordseite der Kirche umgebaut und daß an der Westseite in Turmnähe eine zusätzlich Türe geschaffen wurde. Diese beiden baulichen Veränderungen wurden mit der Jahreszahl 1893 für die Nachwelt gekennzeichnet.

Die beiden Altarwände, die an der Ostwand des Chores und die an der Sakristeiwand blieben weiter so bestehen. Von Roßtals erstem Photographen, dem Kaufmann Heinrich Haas (1871–1954) stammt eine Aufnahme des Chorinneren nach der Renovation von 1893. (Abb. 8) So wie die Abbildung den Chor zeigt, blieb er auch die nächsten 45 Jahre und ältere Bürger können sich noch gut daran erinnern.

Erst im Jahre 1938 wurde fortgesetzt, was schon um die Jahrhundertwende von einzelnen Stellen angeregt aber aus mancherlei Gründen nicht zur Ausführung kam.

An dieser sachgerechten Renovation waren das Bayerische Landesamt für Denkmalspflege, das Landbauamt, die Regierung von Mittelfranken und der Evang. Landeskirchenrat beteiligt.

Mit Zustimmung der Kirchenverwaltung wurde der wenig kunstvolle, im Jahre 1745 angeschaffte „Barockaltar“ – er wurde später verkauft – (Abb. 9) und der neugotische Altar abgebaut.

Bei den Umbauarbeiten im Chor stieß man auf die Fundamente des Altars, der mit der Errichtung des gotischen Chores, gegen Ende des 15. Jahrhunderts, dort seinen Platz hatte. Auf diese Grundmauern errichtete man nun den neuen Altar, der damit um ca. 2 m zur Ostwand hin seinen Standort erhielt.

Die aus den Jahren nach dem Brand von 1627 stammende Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes entfernte man von der Trennwand zur Sakristei und stellte sie mit dem Unterbau zu einem neuen Altar zusammen.

Es kann davon ausgegangen werden, daß damit weitgehend das Aussehen des Chores wieder hergestellt wurde, wie es nach Beseitigung der Brandschäden von 1627 bestand.

Es würde zu weit führen, alles das aufzulisten, was mit Beratung und unter der Aufsicht der der schon genannten Fachbehörden im Verlaufe dieser Sanierungsarbeiten am Kirchenbauwerk und im Inneren unternommen worden ist oder vorgeschlagen wurde.

Maßnahmen dieses Umfangs sind kostenträchtig und können, allein schon aus Haushaltsgründen meist nur auf einige Jahre verteilt, durchgeführt werden. Der 2. Weltkrieg von 1939–45 verhinderte dies. Die finanzielle Lage der Pfarrei gestattet erst 1955 die Erneuerung der Kirchenbänke und in der großen Renovation, in den Jahren 1982/86 unternommen, sanierte man das Bauwerk und den Turm, legte die Deckenfresken im Chor frei und gestaltete das Tonnengewölbe des Langhauses farblich so, wie es ursprünglich war. Abschließend ist zu bemerken:

Die Restaurierung eines Gebäudes, das wie eine Kirche, über Jahrhunderte Mittelpunkt einer sich sonn- und feiertäglich versammelnden Gemeinde ist, wird immer problematisch sein.

Geänderte Liturgieformen, der Einbau von Beleuchtungs-, Heizungs- und Lautsprecheranlagen, die Erneuerung einer Orgel oder die der Kirchenbänke verändern einen Kirchenraum im Laufe seines Bestehens. Es werden deshalb immer Kompromisse geschlossen werden müssen zwischen der Bewahrung dessen was seit Generationen auf uns gekommen ist und dem was die jeweilige Zeit erfordert.

Quellen:

Archiv der Evang.- Luth. Kirche St. Laurentius, Roßtal:

Q 1)Akte Nr. 264
Q 2)Akte Nr. 207
Q 3)Akte Nr. 212
Q 4)Akte Nr. 231

Literatur:

L 1)Ausstellungskatalog: „Der Nürnberger Zeichner, Baumeister und Kartograph Hans Bien (1591–1632)“ Nürnberg 1991, Staatsarchiv.
L 2)Robert Leyh: „Johann Christoph Jakob Wilder“, Heft 18/1988
„Roßtaler Heimatblätter“
Abbildungen 1–7 sind Ablichtungen aus den unter Q 1) – Q 4) angeführten Akten
Abbildung 8 aus Bildband: „Roßtal, Bilder aus vergangenen Tagen“, Geiger-Verlag Horb am Neckar, 1987
Abbildung 9 aus Akte Nr. 251 des og. Archivs