Sprung zum Seiteninhalt

Günter Liebert

Pelzlein, ein Flurname aus frühgeschichtlicher Zeit Roßtals

Flurnamen, die uns in vielfältiger Form begegnen, haben oftmals schon eine lange Geschichte hinter sich. Denn die Menschen, ob Sammler, Jäger, Nomaden oder seßhaft gewordene Bauern, hatten schon seit jeher das Bedürfnis, allen Dingen in der Natur einen Namen zu geben. Von Mund zu Mund und von Stamm zu Stamm wurden sie weitergereicht. In den uns überlieferten Namen der Flüsse, Seen, Berge und Fluren spiegeln sich nicht nur Denken und Empfinden, Glaube und Aberglaube, Wirtschaft und Kultur vergangener Zeiten wider, sondern sie geben auch Aufschluß über die Entwicklung der Sprache. Flußnamen aus keltischer Zeit sind in Franken nichts Ungewöhnliches; Reste der elbgermanischen Bevölkerung (1. Jh. v. Chr. bis 3. Jh. n. Chr.) finden sich in unserer Sprache wieder und Orts- und Flurnamen slawischen Ursprungs, vor allem im oberfränkischen Raum, konnten bereits umfangreich nachgewiesen werden. Für Historiker und Sprachwissenschaftler ein weites Forschungsgebiet, wenn schriftliche Zeugnisse fehlen.

Manche Flurnamen sind aber auch wieder abhanden gekommen und manche verstehen wir in ihrer ursprünglichen Bedeutung nicht mehr. Für die Gemarkung Roßtal sind uns noch 226 Flurnamen schriftlich überliefert, von denen nur einige in den uns geläufigen Landkarten vermerkt sind und wenige haben sich in der Bevölkerung erhalten, vor allem seitdem die Landwirte sich auf dem Rückzug befinden.

Zu diesen wenigen noch in Gebrauch befindlichen Flurnamen zählt 'Pelzlein' oder auch 'im Pelzlein', mundartlich 'im Pelzle', letzterer ein fester Begriff im Roßtaler Dialekt. Den Neubürgern begegnet das 'Pelzlein' nur noch als Pelzleinstraße, ohne zu wissen, woher wohl dieser etwas eigenartige Name kommt.

Die Pelzleinstraße war in der Frühzeit Roßtals noch ein feuchtes und daher kaum passierbares Tal gewesen. Ein aus Richtung des Fernabrünster Weges kommendes Bächlein, das heute vollständig versiegt ist, nahm in Höhe des Schwalbenhofes den dort entspringenden Bach (auch er ist heute nicht mehr zu sehen) auf und floß in Richtung des Mühlbachtales, nicht ohne das unterhalb der Schloßmauer austretende Quellwasser aufzunehmen. In regenreichen Perioden war das Tal daher des öfteren überschwemmt. Kreutzer nimmt deshalb zu Recht an, daß erst in der zweiten Rodungsperiode (1000–1300 n. Chr.) ein Weg durch das Tal gelegt wurde.1

Man kann wohl von der Tatsache ausgehen, daß mit der Gründung Roßtals für die Siedler noch keine Notwendigkeit für den Bau einer Straße durch den feuchten Talgrund bestand. Zu dieser Zeit führte eine vorfränkische Fernhandelsstraße aus Frankreich kommend nach Roßtal, wo sie sich teilte. Die heutige Weinleite, ein unbefestigter Weg von der Pelzleinstraße hangaufwärts nach Stöckach, war die Fortführung dieser Altstraße. Seinerzeit muß die Trasse oberhalb des Hanges und im Blickfeld des Kastells zur Kapell in der heutigen Fürther Straße geführt haben. Dieses Teilstück muß schon vor langer Zeit verlorengegangen sein. Im weiteren Verlauf kreuzte sich das Mühlbachtal und von dort führte der heute noch teilweise vorhandene Weg über Lind und Altenberg in den Osten (Prag–Krakau). Der Abschnitt zwischen Roßtal und Lind ist den Alteingesessenen noch als Stadtweg in guter Erinnerung, denn bis zum Bau der Eisenbahn ging man hier zu Fuß oder fuhr mit einem Gespann nach Nürnberg, sei es um dort zu arbeiten oder seine landwirtschaftlichen Produkte auf dem Markt zu verkaufen.

Am Fuß der Weinleite gabelte sich der Fernhandelsweg. Der abzweigende Straßenteil mündete in die Felsenstraße zur heutigen Spitzweed hinauf – dort war der Zugang zur Burg – und setzte sich als Hochstraße über Ödenreuth-Leitelshof-Schwabach bis nach Regensburg fort. Es war die Straße, auf der König Otto I. seinen aufständischen Sohn Liudolf im Jahr 954 verfolgte.

Der Flurname 'im Pelzlein' wurde schriftlich schon 1532 genannt2. Als man 1928 bei der Verlegung der Wasserleitung und später beim Bau der Kanalisation (1955) in der Pelzleinstraße in einer Tiefe zwischen 60 cm und 1 m Knüppel fand, schloß man wohl zu Recht auf einen früheren Knüppelweg. Pfosten bzw. Bolzen wurden jedoch, wie teilweise behauptet, im Bereich der Pelzleinstraße nicht gefunden.3 Zwar sollen im Talgrund, außerhalb des Trassenverlaufes, bei Grabungen vereinzelt Eichenpfosten entdeckt worden sein – so schreibt es jedenfalls Kreutzer in einer nicht veröffentlichten Notiz – doch konnte der genaue Fundort nachträglich nicht in Erfahrung gebracht werden.

Aufgrund der gefundenen Knüppel hat man den Namen Pelzlein mit dem althochdeutschen Wort 'Beiz' für Zweig, Rute, Gebüsch zu deuten versucht; also Material zur Befestigung eines feuchten Untergrunds.4 Auch das Wort Bolzen hat man als Erklärung herangezogen. Abgesehen davon, daß man in der bayerischen Flurnamensammlung keinen diesbezüglichen Flurnamen findet, wird man der Flur Pelzlein mit diesen Deutungsversuchen nicht gerecht.

Denn einen aus Reisig oder Knüppeln gebauten Weg zur Überquerung eines feuchten Tales nannte man in früher Zeit 'die Specke' oder 'Spöck', eine Fortentwicklung des mittelhochdeutschen Wortes 'specke'.5 Die mittelhochdeutsche Sprache war etwa 1150 bis 1500 in Gebrauch, also zu einer Zeit, als die Flur 'im Pelzlein' erstmals schriftliche Erwähnung fand. In den Ortsnamen wie z. B. Altenspeckfeld oder Diespeck ist dieses Wort heute noch enthalten.

Es gibt aber auch einen weiteren und vielleicht noch gewichtigeren Grund gegen die bisherige Annahme über die Herkunft des Namens Pelzlein, denn neben der volksmundlichen Bezeichnung des Talgrundes als 'im Pelzlein' gibt es noch zwei Fluren namens 'Pelzlein'.6 Die eine Flur mit den Flurnummern 396 und 397 ist der Hang zwischen der Weinleite und dem schmalen Kirchenweg aus Richtung Stöckach, der in gerader Linie hangabwärts zur Pelzleinstraße führt. Ob die Fortsetzung des Hangs ortseinwärts im Mittelalter ebenfalls Pelzlein genannt wurde, ist nicht bekannt, aber auch nicht auszuschließen, da die Flurnamen verloren gehen, wenn die Verwendung des Grundstücks sich grundsätzlich geändert hat.

Die andere Flur gleichen Namens mit der Flurnummer 395 liegt genau gegenüber auf der südlichen Seite der Pelzleinstraße an der Einmündung der Frankenstraße. Heute ist dieses Flurstück vollständig bebaut und nur bei genauerer Betrachtung läßt sich die frühere Hanglage noch erkennen.

Aufgrund der topographischen Lage beider Fluren kann sich die volksmundliche Bezeichnung 'im Pelzlein' bzw. 'im Pelzle' daher ursprünglich nur auf dieses Talstück bezogen haben. Hinzu kommt, daß dieser Talabschnitt verhältnismäßig trocken gewesen sein muß, da, wie schon weiter oben erwähnt, dort nur ein kleiner Bach floß, der erst nach ca. 250 m talabwärts die Quellen des Schwalbenhofes aufnahm. Daher war auch die Notwendigkeit für den Bau eines Knüppeldammes in diesem Bereich nicht gegeben.

Wenn, wie nun hier festgestellt, die bisherige Deutung des Flurnamens falsch ist, stellt sich die Frage nach einer anderen Erklärung für 'Pelzlein'. Zunächst bietet sich das Verb 'pelzen' an, ein Wort für pfropfen bzw. veredeln von Obst. So findet man dieses Wort in dem Flurnamen 'Pelzgarten' wieder, der allerdings in dieser Gegend nicht gebräuchlich ist. Zwischen Ammerndorf und Zautendorf gibt es eine weiträumige Flur namens Pelzetleiten, die man auf eine solche Bedeutung zurückführt.7 Doch die Endsilbe von 'pelzlein', die eine Verkleinerungsform darstellt, gibt in diesem Fall keinen Sinn. Außerdem widerspricht die Geschichte über die Entwicklung des Obstbaus der Vorstellung eines Obstgartens in der Größenordnung des Pelzleins, wie wir es heute kennen.

Der Obstbau diente in Mittelfranken bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Selbstversorgung und erst im Zeitalter des Merkantilismus begannen die Bemühungen, vor allem von seiten der Pfarrer, den Obstbau zu intensivieren und um die Dörfer einen Gürtel von Obstbäumen zu legen; ein Bild, das heute noch oftmals zu sehen ist.8 Bis in das späte Mittelalter wurde die Technik des Propfens, die man von den Römern übernommen hatte, überwiegend nur von den Klöstern angewandt. Die Züchtung beschränkte sich im Mittelalter auf die Auswahl der jeweils kräftigsten und widerstandsfähigsten Früchte und Pflanzen für die Weiterzucht.9 Es ist auch bekannt, daß sich die bäuerlichen Gärten aus arbeitstechnischen Gründen unmittelbar beim Wirtschaftshof befanden. Die Flur 'Pelzlein' liegt aber am früheren Ortsausgang von Roßtal.

Neben diesen allgemeinen Feststellungen gibt es auch zwei Dokumente, die unmittelbar auf den Anbau von Obst in Roßtal Bezug nehmen. Das eine Dokument ist die Gemeindeordnung der Stadt Roßtal10 aus dem Jahr 1580 mit insgesamt 17 Vorschriften. Eine davon lautet: Das Gemeindeobst auf den Feldbäumen darf, ehe es reif ist, weder durch Schlagen noch durch Würfe angegriffen werden. Derjenige, der es bei der Versteigerung erworben hat, darf es auch nur in der Zeit vom Morgengebetläuten bis zum Abendgebetläuten ernten. Die Tatsache, daß das Gemeindeobst auf den Feldbäumen an die Meistbietenden verkauft wurde, läßt darauf schließen, daß der Obstanbau in eigenen Gärten und in größerem Stil noch unterentwickelt war. Es darf wohl auch angenommen werden, daß es sich teilweise um Wildobst gehandelt hat, für die Menschen damals etwas Selbstverständliches, führten sie doch im ständigen Kampf gegen den Hunger ein anspruchsloses Leben.

Im Jahr 1765 richtete die Regierung von Ansbach einen umfangreichen Fragenkatalog an die Städte und Ämter in ihrem Bereich, um einen genauen Überblick über die aktuelle Situation in der Landwirtschaft und im Handwerk zu erhalten.11 Die äußerst detailliert formulierten und umfangreichen Fragen geben für sich schon einen tiefen Einblick in die damalige Struktur und Probleme der Landwirtschaft einschließlich der Forst- und Waldwirtschaft sowie dem Fischfang. Im Zusammenhang mit der Klärung über die Herkunft des Flurnamens 'Pelzlein' sind an dieser Stelle nur Fragen bezüglich des Obstbaues von Interesse. Doch darüber ist in der behördlichen Anfrage kaum etwas zu finden.

Indirekten Aufschluß über den damaligen Obstbau ergibt sich nur aus folgender Frage der Regierung: Werden Baumschulen von Eichen, Buchen, Nüsse und Maroniers angelegt und nachgezogen? Doch es fehlt jeglicher Hinweis auf Obstbaumschulen und Obstgärten. Demnach war die Anpflanzung von Obstbäumen von mehr als untergeordneter Bedeutung, was durch eine weitere, sich unmittelbar anschließende Frage erhärtet wird. Sie lautet: Ingleichen von wilden Äpfeln und Birn, auch Kern von geschlachten Obst, Zwetschgen und Kirschen, nicht weniger Pflanzen und Fexer von Weißdorn, zu Erziehung der lebendigen Hecken, statt der kostbaren Holzverlanterung? Vom Richteramt Roßtal wurde diese Frage wie folgt beantwortet: Wilde Äpfel und Birn, auch von geschlachten Obst, Zwetschgen nicht weniger Pflanzen und Fexer von Weißdorn, werden zur Erziehung der lebendigen Hecken nachgezogen und an erforderlichen Orthen eingelegt, die Feldungen aber wegen des vielen Wilds noch meistens verlantert.

Die Korrespondenz zwischen der Regierung in Ansbach und dem Richteramt in Roßtal bestätigt wohl in eindeutiger Weise, daß der 100 Jahre später zu hoher Blüte gelangte Obstbau in der hiesigen Region seinerzeit von geringer wirtschaftlicher Bedeutung war und die Kunst des Veredelns wahrscheinlich kaum oder nur in geringem Umfang angewandt wurde. Roßtal unterschied sich also nicht von den anderen klimatisch benachteiligten Regionen. Eine Bepflanzung des 'Pelzleins' mit Obstbäumen vor Beginn des 19. Jahrhunderts ist daher auszuschließen, weshalb auch die Herkunft des Flurnamens nicht von dem Verb 'pelzen' abgeleitet werden kann.

Da auf dem Wiesenhang 'Pelzlein' heute noch an einigen Stellen Terrassen sichtbar sind, aber nicht nur dort, sondern auch an der sich östlich anschließenden Flur, ist der Frage nach einer anderweitigen Nutzung in früher Zeit nachzugehen. Eingangs wurde schon die Weinleite erwähnt, ein uralter Weg, der zugleich die Grenze zum 'Pelzlein' bildet. Doch der Name 'Weinleite' umfaßt eine Flur größeren Ausmaßes. Sie schließt sich unmittelbar dem Weg in westliche Richtung an. Sie ist quasi ein Pendant zum Pelzlein und trägt die Flurnummern 399 bis 402. Heute ist dieser sonnenreiche Hang besiedelt. Die genannten Flurnummern liegen links und rechts der Anliegerstraße „Am Hopfengarten“.

Es war nichts Außergewöhnliches, daß in dem Raum um Nürnberg und Fürth im Mittelalter Wein angebaut wurde und viele Flurnamen weisen heute auf den Standort hin, wo einst der Wein wuchs. Auch das Dorf Weinzierlein verdankt seinen Namen dem früheren Weinbau. In der Gegend um Roßtal ist der Weinbau bereits für das 14. Jahrhundert bezeugt, doch reichen die Anfänge in dieser Region wahrscheinlich schon in die Zeit des Beginns der Städtegründungen zurück, die mit einem starken Bevölkerungswachstum einherging. Das war aber nur durch die Einführung neuer Produktionsmethoden in der Landwirtschaft möglich. Der Dreifelderwirtschaft folgte die Fruchtwechselwirtschaft; statt der einjährigen Brache zur Bekämpfung des Unkrautes wurden nun im größeren Umfang proteinreiche Hülsenfrüchte angebaut, die die bis dahin einseitige Getreideernährung ergänzte. Ein solcher landwirtschaftlicher Produktivitätsfortschritt war die Voraussetzung für das Wachsen der Bevölkerung in den Städten.12 Auf diese Weise wurde auch Ackerfläche frei für den Anbau von Wein, der zwar nicht zu den lebenswichtigen Grundnahrungsmitteln gehörte. Aber er ersetzte das nicht immer genießbare Trinkwasser und der Bedarf an Meßwein für die tägliche Liturgiefeier wuchs mit der Zahl der Kirchen.

Da der Weinbau einen sonnenreichen Hang mit einem leichten Boden bedingt, mußten, um das Abschwemmen der Erde bei starkem Regen zu verhindern, Terrassen angelegt werden. Der Zenit des Weinbaues war schon im 17. Jahrhundert überschritten, weshalb die oben erwähnte Anfrage der Regierung in Ansbach von 1765 keinen Bezug daraufnimmt. Im 19. Jahrhundert nahm dann der Hopfen den Platz der Weingärten ein.

Daß auch im mittelalterlichen Roßtal der Weinbau gepflegt wurde, bezeugen sowohl der Flurname 'Weinleite' als auch die Terrassen auf dem 'Pelzlein'. Im letzteren Falle könnte man dem entgegenhalten, daß Terrassen noch kein Beweis für einen Weinberg sind. Doch die 'Weinleiten' und das 'Pelzlein' liegen in einer solchen unmittelbaren Nachbarschaft und boten seinerzeit für den Weinbau die gleichen günstigen Bedingungen, sowohl was die Lage als auch die Bodenqualität betrifft, daß eine unterschiedliche Nutzung zur gleichen Zeit unwahrscheinlich erscheint. Der Wein war schließlich ein begehrtes Gut, das für einen guten Preis gehandelt und daher auch über große Entfernungen transportiert wurde. Die vielen Weinstraßen, die sich namentlich bis in die heutige Zeit erhalten haben – so auch zwischen Clarsbach und Wimpashof – sind ein deutlicher Beweis für das hohe Ansehen dieses Produktes im Mittelalter. Daraus folgt aber auch, daß es 'Pelzlein' als Flurname schon vor Beginn des Weinbaus gegeben haben muß. Erhärtet wird diese Annahme durch die Begrenzung dieser Flur von dem ehemals vorfränkischen Fernhandelsweg, auf dem sich die Händler noch lange nach der Gründung von Roßtal auf ihrem Weg nach Osten oder Westen bewegten.

'Pelzlein' als Flurname muß daher auf eine zeitlich vor dem Beginn des Weinbaues liegende Nutzung zurückgehen. Doch welche? Bei dem Bemühen, die wirkliche Herkunft des Namens und seinen Sinn herauszufinden, muß auch die Tatsache berücksichtigt werden, daß in der Zeit der Besiedlung des heutigen Landkreises Fürth durch die Franken auch Slawen sich hier niederließen, was durch viele Ortsnamen bewiesen werden konnte.13 In dieser Hinsicht hat die Sprachforschung für das oberfränkische Gebiet, wo ebenfalls viele Slawen in der Frühzeit Frankens lebten, schon viele überraschende und beispielhafte Ergebnisse zutage gefördert.

So begegnet uns das Stammwort 'Pelz' in verschiedenster Form in Flur- und Ortsnamen im Raum Bamberg und Kulmbach wieder, wie z. B. Pelzwiesen, Pelzfeld, am Boltzwege und Poltzbach. Sie beruhen alle auf dem slawischen Wort 'poljica', ein Diminutiv (Verkleinerungsform) von 'polje' und bedeutet Feld bzw. kleines Feld.14 Ähnliches hatte auch Schnetz in seiner Bayerischen Flurnamensammlung von 1952 für die Gegend von Berneck aufgezeigt.15

Im Salbuch16 des Pfarramtes von Roßtal von 1482 ist dieser Flurname zweimal aufgeführt. In beiden Fällen wird Pelzlein p o l i z l a i n geschrieben. Die Verwandtschaft mit dem slawischen Wort p o l j i c a ist eindeutig erkennbar.

1710, also rund zweihundert Jahre später, wurde auszugsweise eine Abschrift aus diesem Salbuch verfaßt, wobei das Wort polizlain nun B o l z l e i n geschrieben wurde. Hier zeigt sich in aller Deutlichkeit, wie sich in dieser Zeitspanne die Sprech- und Schreibweise verändert hat. Bis zum 'Pelzlein', wie es uns heute bekannt ist, war es von der Sprachentwicklung her nur noch ein kleiner Schritt.

Zeitlich dazwischen gab es noch eine weitere Schreibweise, die sich aber in die aufgezeigte Entwicklungslinie nahtlos einordnet. So findet sich in den Kirchenbüchern von Roßtal eine Notiz folgenden Inhalts: 1589 kauft Georg Wiedtmann (alias Wittmann) den Garten im Bölzl 2 fl. Handlohn an Gotteshaus.17

Dem Eintrag im Salbuch ist auch eine verhältnismäßig genaue Standortbestimmung der Flur 'Pelzlein' zu entnehmen. Da das Salbuch nur noch mit größten Schwierigkeiten zu lesen ist, wird auf den Auszug von 1710 Bezug genommen. Dort heißt es u. a. '... Weinleithen Gut ob dem Bolzlein ...'. Man kann daher von der Annahme ausgehen, daß der mittelalterliche Standort mit der heutigen Flur 'Pelzlein' nach wie vor identisch ist.

Es gibt wohl keinen Zweifel, daß auch die Flur 'Pelzlein' von diesem slawischen Wort abstammt, ebenso wie Pelzetleiten, die überwiegend in der Gemarkung Zautendorf (slawischer Name) liegt. Erwähnt werden muß, daß es bei Nemsdorf (ebenfalls ein slawischer Ortsname) eine Flur mit dem Namen Pilzleiten gibt, die wahrscheinlich auf der gleichen Wortwurzel fußt.

In diesem Zusammenhang ist ein Ausgrabungsergebnis aus jüngster Zeit zu erwähnen, welches die slawische Herkunft des Flurnamens 'Pelzlein' bestätigt. Anläßlich der letzten Ausgrabungen auf dem Hof der Grundschule in Roßtal wurden auch Bodenproben entnommen und im Labor archäobotanisch untersucht. So fand man neben verschiedenen Getreidesorten aus der frühen Besiedelungszeit Roßtals auch Finkensame und Seifenkraut, zwei Unkräuter, die „beide für den slawischen Siedlungsbereich typisch sind“18 P. Ettel schließt daher auf enge wirtschaftliche Kontakte Roßtals zu den Slawen. Tatsächlich müssen diese Unkräuter vom Schwalbenhof stammen, war doch dieser die Versorgungsbasis für die damalige Festung.

Nun stellt sich zunächst die Frage, wie man den Hang oberhalb der Pelzleinstraße in Roßtal als Feld bzw. Feldlein bezeichnen kann, ist doch für den modernen Menschen schlecht vorstellbar, einen solches Stück Land zu beackern und zu bestellen. Sicherlich ist es für manche überraschend, zu erfahren, daß der ganze Hang oberhalb der Pelzleinstraße zu den besten Böden dieser Gegend zählt.19 Es handelt sich um einen lehmhaltigen Sand, der mit primitiven Werkzeugen leicht zu bearbeiten war und die Feuchtigkeit speichert. Die gleiche Bodenqualität findet sich um den Schwalbenhof herum und wenn dieser als ältester Siedlungspunkt Roßtals angesehen wird, so hat das seine Begründung auch in den von der Natur vorgegebenen Bodenverhältnissen. Als die ersten Siedler nach Roßtal kamen, stand ihnen reichlich Land zur Bearbeitung zur Verfügung. Und diese Menschen hatten Erfahrung genug, um beurteilen zu können, welcher Boden fruchtbar und mit ihren einfachen Werkzeugen leicht zu bearbeiten war. Sie konnten sich gleichsam aus dem Angebot der Natur die Filetstücke heraussuchen.

Nachdem der Schwalbenhof im frühen Mittelalter die einzige Siedlung im Talgrund Roßtals gewesen ist, muß das Pelzlein dem Hof zugehörig gewesen sein, woraus folgt, daß einst Slawen hier lebten. Eine solche Feststellung muß natürlich sofort auf Widerspruch stoßen, da man ja in Fachkreisen der begründeten Meinung ist, daß es in Roßtal einen Königshof gegeben haben muß und aufgrund der topographischen Gegebenheiten kommt dafür eigentlich nur der Schwalbenhof in Frage. Wenn diese Annahme stimmt, kann doch wohl der Schwalbenhof nicht von Slawen bewohnt gewesen sein. Doch dieser Widerspruch läßt sich auflösen.

Königshöfe waren im modernen Sinne Verwaltungszentren, die die fränkischen Könige bei der schrittweisen Ausbreitung ihres ostfränkischen Reiches errichten ließen, um so ihren neuen Besitz als Königsland auszuweisen und die Rodung und Besiedlung in geordnete Bahnen zu lenken und den Frieden in dem neuen Lande zu sichern. Um diese Aufgaben möglichst rasch verwirklichen zu können, griff man oftmals auf eine bereits vorhandene Infrastruktur zurück. Dazu gehörten ein günstiger Standort an oder in der Nähe einer vorfränkischen Altstraße – die Entfernung zwischen den einzelnen Königshöfen betrug in etwa 20 km – und einer kleinen Ansiedlung als Grundsicherung der Lebensbedürfnisse für die Neuankömmlinge. Die Franken kamen schließlich in kein menschenleeres Land. Aus dem slawischen Besitz wurde Königsland und die Slawen nahmen – auch das ist in der neueren Forschung unbestritten – gleichberechtigt am inneren Landesausbau teil.20

Kreutzer vertritt in seinen Beiträgen zur Entstehung und Entwicklung des Marktes Roßtal21 die Meinung, daß der Schwalbenhof als Versorgungsbasis für den Ausbau der Befestigungsanlage auf dem Berg in der Zeit zwischen 720 und 750 diente. Allerdings spricht er von einem zehentfreien Fiskalhof, was aber dem Hinweis auf slawische Bewohner nicht widerspricht. Der von Kreutzer genannte Zeitraum für die Errichtung des Kastells in Roßtal ist zwar dokumentarisch nirgends belegt, aber es ist die Zeit, da Karl Martell seinen Besitz gegen den bayerischen Nordgau und die zusehends erstarkenden bayerischen Herzöge sicherte. Es ist anzunehmen, daß Roßtal wegen seiner topographischen Lage und seiner Nähe zum Nordgau in diese Verteidigungsstrategie einbezogen war, vor allem auch wegen der zwei Straßenverbindungen dorthin.22 Aus dieser Sicht ist der Zeitansatz für die Entstehung des Kastells in Roßtal richtig. Und ob der Schwalbenhof Königshof oder Fiskalhof war – wir wissen es nicht – aber er muß nach den hier dargelegten Gründen schon vor dem Bau der Festung dagewesen sein, weshalb der Ursprung Roßtals weiter zurückreicht als man bisher annehmen durfte.

Abschließend ist noch anzumerken, daß die obigen Ausführungen über die Flur 'Pelzlein' ein weiteres Glied in der Beweiskette über die slawische Herkunft des Ortsnamens Roßtal sind.

Anmerkungen:

1)H. Kreutzer, ROSSTAL, Vergangenheit und Gegenwart, S. 30 f.
2)W. Wiessner, Historisches Ortsnamenbuch: Mittelfranken, Stadt und Landkreis Fürth, S. 72
3)Diesen Hinweis verdanke ich Richard Völkl, der die Funde beim Bau der Kanalisation selbst in Augenschein nehmen konnte.
4)W. Wiessner, ebenda.
5)Joseph Schnetz, Flurnamenkunde, München 1952, S. 83. Das Wort ist mhd., aus spakja (spekia), ein Sammelname zu ahd. spacho "Rute, Zweig, Holzscheit".
6)Alle Flurnamen Roßtals und ihre genaue Lage wurden 1924 vom Oberlehrer Kreiselmeyer gesammelt, wobei er auf das Grundbuchsachregister des früheren Amtgsgerichtes Cadolzburg zurückgriff.
7) Bayerisches Flurnamenbuch, Hrsg. Michael Henker u. Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein, Band 2, Cadolzburg.
8)Wolfgang Thiem, Landschaft und Siedlung in Mittelfranken, in: Bauernhäuser in Franken, Mittelfranken, S. 31.
9)Walter Janssen, Mittelalterliche Gartenkultur. In: Mensch und Umwelt im Mittelalter, 1993. 1°) H. Kreutzer, ebenda, S. 114 ff.
11)H. Kreutzer, ebenda, S. 144 ff.
12)H. Fichtenau, Lebensordnungen des 10. Jahrhunderts.
13)Folgende Orte im Landkreis Fürth und Umgebung sind slawischen Ursprungs: Deberndorf, Defersdorf, Gottmannsdorf, Kauernhofen, Kottensdorf, Nemsdorf, Prünst, Roßendorf, Roßtal, Seukendorf, Weitersdorf, Wendsdorf, Wintersdorf, Zautendorf, wahrscheinlich auch Zirndorf.
14)Joseph Schütz, Frankens mainwendische Namen, 1994.
15)Joseph Schnetz, a.a.O. S. 14.
16)Salbuch = Grundbuch; das Wort ist abgeleitet vom lat. sala und bedeutete im Mittelalter Besitzübertragung, Auflassung eines Grundstückes.
17)Diesen Hinweis verdanke ich Pfarrer Koerber.
18)P. Ettel, Ergebnisse der Ausgrabungen auf der Burg Horsadal, Roßtal bei Nürnberg. In: Frühmittelalterlichen Burgenbau in Mittel- und Osteuropa, 1998. S. 135.
19)Die Flurkarten des Landwirtschaftsamtes in Fürth geben genauen Aufschluß über die unterschiedliche Bodenqualität.
20)E. Schwarz, Sprache und Siedlung in Nordost-Bayern. Nürnberg 1960.
21)H. Kreutzer, a.a.O. S. 18
22)Eine Straße führte über Schwabach nach Regensburg, die andere über Nürnberg Richtung Amberg - Prag. Die Rednitz bildet die Grenze zum Nordgau.

Dieter Koerber

Der Grundbesitz des Heiligen in Roßtal – Fortsetzung

XI. Die Roßtaler Gotteshauslehen

Schon Hans Kreutzer hat in seiner Festschrift „Tausend Jahre Roßtal“, 1955, die Grundherrschaften unseres Ortes eingehend untersucht und aus den früheren Jahrhunderten ausführliche Besitzerfolgen dargeboten. Allerdings hat er nur den Häuserbestand um 1500 dargestellt und spätere Hintersassen des Gotteshauses, die durch weitere Teilungen in den Besitz eines Hauses oder Hofes gekommen sind, nicht weiter berücksichtigt. Den Güterbestand am Ende der Grundherrschaften um die Mitte des 19. Jahrhunderts beschreiben, wie schon im ersten Teil dieses Aufsatzes im vorigen Heft der Heimatblätter, die dort genannten Aufstellungen, abgekürzt V. und D., recht genau. Zu den von Kreutzer aufgestellten Besitzerfolgen können einzelne Daten nachgetragen werden. Die genannten Jahreszahlen geben nicht immer das Jahr des Besitzerwechsels an, sondern oft nur das Jahr einer Erwähnung, z. B. in einer Jahresrechnung. Wegen großer Lücken in den erhaltenen Rechnungen sind Irrtümer und Verwechslungen nicht auszuschließen.

1. „Ein Häuslein auf dem Berg, beim Fuhrweg“, Zinkenbuck 6 AH (=alte Haus-Nr.) 53.

Besitzerfolge:

Vogel, Albrecht
Weber, Rudolf
Müller, Conz
Stollhorn, Hans
Hofmann, Philipp
Frank, Philipp
Popp, Hans
Helfer, Konrad
Fronhöver, Hans
Schmidtner, Heinrich
1592Wurm, Michael
1594Wurm, Paulus
1594Wurm, Hans
1627Michael Haßlacher (Schulmeister 1612–39)
1650Peter Burger kauft das Haus seiner Schwiegermutter Marg. Weylerin, Witwe ab. Häuslein und Hofhäuslein. Alles sehr baufällig.
1712Georg Unger, Schreiner
1745Nobak, Carl, (baufälliges Häuslein)
1766Nußbeck, Wilhelm, Weber, Neubau.
1791Nußbeck, Wilhelm
1802Wipplinger, Stefan
V.1835Wipplinger, Stefan
D.1851Wipplinger, Stefan
1955Lämmermann, Heinrich

2. „Ein Häuslein daneben“, Zinkenbuck 4, AH 54

Das Haus erscheint recht spät in den Zinslisten; es ist vermutlich erst im 18. Jahrhundert von AH 53 getrennt worden, vielleicht das o.g. Hofhäuslein.

Besitzerfolge:

1753Eisen, Georg
1791Eckstein, Johann
V.1835Gugel, Georg
D.1851Gugel, Georg

3. Ein Nebenhaus von AH 55, Gasthof Sonne, Zinkenbuck 2, AH 118

Die hohe AH 118 erweckt den Eindruck, das Haus sei erst nach 1806 entstanden, da die 1806 durchgeführte Numerierung nur bis AH 115 ging, und seitdem die danach errichteten Gebäude in der Reihenfolge ihrer Entstehung die nächste Nummer erhielten. Doch das Haus erscheint schon 1802 als Nebenhaus der Gastwirtschaft und ist wohl erst kurz nach 1806 von AH 55 mit eigener Hausnummer abgemarkt worden. Die Angaben in V. „halbe Hofreith, halbe Scheuer, halbes Gemeinderecht“, die sich für AH 118 und AH 55 finden, bestätigen dies.

Besitzerfolge:

1802und
1811Wimmersberger, Eberhard, das Nebenhaus
V.1835Weiß, Martin
D.1851Blaßneck, Stefan
Knoll
Hofer

4. Ein Tabernwirtshaus, darauf das Beckenrecht, AH 55, Gasthof Sonne, abgebrannt

Besitzerfolge:

Menger, Hans
Hofmann, Hans
1600Hofmann, Batholomäus. Er tauscht mit
1609Schuler, Georg, Richter, Sohn des Pfr. Sebastian Schuler (1594-1606)
1618Lößlein, Leonhard, Müller, heiratet die Tochter Schulers Ramold Hans 1648/49 Förster Gottfried, Richter
1660List, Claus kauft Haus von Richter Förster in Colmberg
Wolf, Hans
Wolf, Bartholomäus
1712Friedlein, Sixtus
1750Mägin (Mächin), Karl Albrecht
1767Mägin, Karl Albrecht
1769Taberne und Beckenrecht auf das sog. „Mohnfritzengut“(?) übertragen.
1797Mägin, Joh. Albrecht, Amtsbürgermeister
V.1835Fischhaber, Leonhard
Hörlein
Hörlein, Peter

5. Ein Häuslein neben dem Friedleinwirtshaus, AH 56

Das Haus gehörte zuletzt zu dem Anwesen des Kaufmanns Haas, das dem Rathausneubau weichen mußte. Es stand mit der Traufseite zum Marktplatz und wurde offenbar schon vor dem 18. Jahrhundert, durch einen ebenfalls traufseitig stehenden Verbindungsbau mit dem mit der Giebelseite zum Marktplatz stehendem Haus, AH 57 verbunden. Seit der Zeit ging die Einfahrt zu dem zu AH 57 gehörenden Garten durch den Garten von AH 56. Sie mußte durch einen jährlichen Erbzins erhalten werden.

Nach der Urkundenlage lassen sich die Besitzer erst im 18. Jahrhundert nachweisen.

Besitzerfolge:

1712Schneider, Kaspar, Schuhmacher und Gotteshauspfleger
1745Schneider, Wilhelm, Schuhmacher
1775Schmidt, Leonhard, Schwiegersohn Schmidt, Joh. Jakob
1785Reck (Rock?), Friedrich
Danach geteilt:
V.1835Rock, Joh. Georg, Rock, Kaspar
1835Joh. G. Rocks Erben
D.1851Schieffer, Anna, Rock, Kaspar
„Von der Einfahrt durch des Schneiders Garten“ zahlten Erbzins:
1730„von der Kemmelmeyerin“
D.1851Adam Knoll, „von der halben Einfuhr durch den Röckschen Garten“ Friedrich Wilhelm Kerrn, von der anderen halben Einfuhr durch den Röckschen Garten."

6. „Eine Tabernwirtschaft mit Beckenrecht, am Friedhof“

Marktplatz 6, AH 62
Besitzerfolge:
Kohler, Cunz
Mader, Hans
Herzog, Jörg
Keller, Hans
Goß, Hans, Richter
1592Stüber (Stieber), Adam
1626Hofmann, Hans, Tuchscherer, von Stiebers Tochters Vormundschaft erkauft
Sauer, Hans Leonhard
1712Sauer, Adam, Neubau
1715Huy, Hans Leonhard
1730Huy, Johann Adam
Wolf, Bartel
1736Wolf Johann
1749Gruber, Wilhelm
1756Pandasch, Valentin
1794Pandasch, Ferdinand
1796Wiedmannin, Maria Margarethe
1799Fischhaber Paulus, Schwiegersohn
1845Fischhaber, Lorenz
Fischhaber, Leonhard
Fischhaber, Hans
Fischhaber, Hans Günther

7. „Ein Haus gegen dem Schulhaus über“, Rathausgasse 3, AH 66

Besitzerfolge:
Fischer, Barthel
Beck, Friedrich
List, Georg, Beck
1615Schue, Wilhelm, Beck
1633Ott, Hans „Neubeck“
1647verkauft Kunigunde Ottin, Neubeckin an Jakob Mänger
1659/51Peter Altmann kauft Haus von Hans Ott Wolfgang Fabritius, Richter „hat das Gut eingehen lassen“.
Schützenhofer, Michael
1677(?) Schicker, Georg, Schneider
1730Schicker, Hans
1759Wolf, Adam
1768Johann Konrad Schwabs Eheweib
1810Schwab, Ferdinand
1835Schwab, Ferdinand
1841List, Georg
1851Eckstein, Matthias
Fischhaber, Leonhard, Neubau

8. „Ein Haus gegen dem Schulhaus über“, Rathausgasse 5 + 7, AH 68/69

Das Gut erscheint im 18. Jahrhundert schon geteilt. Auch der gleiche Erbzins von 17 3/4 Kreutzer 1835 weist auf eine frühere Halbierung.

Besitzerfolge:
1620gibt Peter Bauer Handlohn wegen des von Agathe Meichsner erkauften Hauses gegen dem Schulhaus über
1715Joh. Georg Heinlein, Georg Zißler, vom Haus so ehedem vom Haus die Scheuern gewesen
1730Johann Heinlein Georg Zißler
1750Georg Heinlein
1764Johann Georg Heinlein
1795Georg Heinlein
1810Georg Friedrich Brandstetter
V.1835Friedrich Brandstetter Johann Zißler
D.1851Dorn, Leonhard Johann Zißler

9. „Ein Haus gegen dem Kaplanshaus über“, Rathausgasse 9,11 und 13 AH 70, 71 und 72

Hier sind offenbar gleich drei Anwesen aus ursprünglich einem Grundstück geworden. Die Liste V. schreibt: Ein halbes Haus, Nr. 71 und ein halbes Haus Nr. 72. Beide Teile haben den gleichen Erbzins von 15 Kreutzern. In D. lautet es: 70/71, das Beckengut und 72, das Gütlein.

9a. Das Beckengut AH 70/71

Besitzerfolge:
Jordan, Hans
1506Enck, Ambrosius, Schulmeister (Vater des Pfarrers Asimus Enck, s. Kreutzer-Dümorn, S. 258 ff.!)
1599Menger, Hans Hofmann, Hans
um 1617Bub, Heinrich, Schuster
1715Kohl, Konrad, Hafner
Teilung
1731Kohls Witwe Konrad Mizam, die Hälfte Hieronymus Kohl
1753Meißel Johann Bayer, Christoph
1767Burkhard, Jakob
1791Burkhard, Johann Jakob Konrad Mizams Relikten (Hinterbliebenen)
1799Burkhard, Georg Adam (beide Hälften)
V.1935Barkhard, Adam
D.1851Johann Georg Nützel, das Beckengut

9b. Das Gütlein Nr. 72, Rathausgasse 13

Besitzerfolge:
Koppin, Agathe
Kopp, Fritz
Vogel, Hans
Vogel, Benedict
Vogel, Hans
1589Müller, Melchior
Hoffmann, Hans, Dachdecker
Fürster, Hans, Weber
Fürsterin, Barbara
1633Barbara Fürsterins Erben
Werneck, Rupprecht, Beck (Warneck oder Warnick, aus Kärnten)
Schneider, Kaspar
Die stattliche Liste nach Kreutzer, aus dem 16. und 17. Jahrhundert läßt sich für das 18. Jahrhundert nicht fortsetzen. Die großen Lücken in den Kirchenrechnungen von 1528–1630 und von 1680–1730 erlauben keine halbwegs zuverlässigen Festsetzungen. In den Rechnungen nach 1730 erscheinen keine Erbzinszahlungen aus diesem Hause. Möglicherweise bezieht sich die in 9b genannte Hälfte, Besitzer einige Generationen Mizam, auf die AH 72. Erst wieder im 19. Jahrhundert findet sich verläßlich:
1810Wießner, Thoman (Wiesener?)
V.1835Wiesener, Thomal
D.1851Lehner, Johann
Gegner, Konrad
Gegner, Martin

10. „Ein Häuslein gegen dem Kaplanshaus über“, Richtersgasse 17, AH 75/76

Besitzerfolge:
Hoffmann
Helfer, Hans
Gugelweider, Adam
Schadmann, Georg (Kreutzer liest „Schachmann“)
1625„Hans Schadmann seiner Mutter Gütlein verliehen“
1633Schadmännin, Barbara
Bäuerlein, Joh. Caspar, Lehrer, 1665-170
Wießbeck, Matthias, Büttner
Wießbecks Witwe
Teilung
1715Körber, Caspar – 1727 Pfeiffer, Jakob, Taglöhner
1750Fischhaber, Leonhard heiratet Witwe Körbers – 1753 Pfeiffer, Jakob Hönig, Marg. heiratet Kolb
1767Fischhaber, Ursula, Witwe – Hönig, Dorothea, heiratet Kittler, Leonhard
1791Fischhaber, Ursula, Witwe, – Kittlers Eheweib
V.1835Nüchterlein, Georg Christoph
D.1851Nüchterlein, Georg Christoph
1883Nüchterlein, Konrad
Stoll, Michael

11. „Ein Häuslein neben dem Pfarrhaus“, Schulstraße 13, AH 95

Das kleine Anwesen wurde wohl erst im 16. Jahrhundert errichtet.

Besitzerfolge:
1594Sebastian Schuler, Pfarrer, 1584–1608
1605Georg Schuler, Richter, erwirbt das Haus von seinen Miterben
1909Schuler tauscht gegen „Barthel Hoffmanns Behausung“ (s. unter 4. AH 55, Sonne)
1641Frank, Johann aus Nürnberg kauft das Gütlein von Hofmanns Erben zu Prünst. Das Gütlein ist abgebrannt.
1659Groß, Michael
1661Mag. Stegmann, Johann, Pfarrer 1660–74
Rahn, Hans
1682Dalnick, Simon, Rahns Schwiegersohn
1727Schneider, Johann
1754von Schneiders Witwe an ihre Tochter Barbara Grobe (Krobe), Witwe des Schulmeisters Georg Grobe, 1708–1740
1766deren Sohn Leonhard Leipold, Lehensvogt
1785Grobe, Johann Georg
1805von Steigmann, Lehensvogt für seine Tochter erkauft. Tochter Steigmann heiratet
1811Blaßneck, Michael Blaßneck, Simon, dessen Witwe heiratet
1862Peipp, Georg Stefan
1897Peipp, Johann
Peipp, Maria und Katharina
1994Museumshof

12. „das Gießhaus auf der Spitz“, Schulstraße 34, AH 89

Johann Martin Bernthal (geht nach Frankenmuth). Er verkauft
1699(auf kirchlichem Grund?) als Gießhütte für einen mehrfach verunglückten Glockenguß errichtet,
um 1720für zwei Wohnungen eingerichtet Quasbart, Schlosser Peter Übler, Zimmergeselle
1749Quasbarts Witwe
1750verkauft an Bernthal, Georg Konrad, Wagnermeister
1791Bernthal, Johann
1795seine Witwe heiratet Kuch
1846an Johann Leonhard Wackersreuther
Gastwirtschaft Pflug
heute Metzgerei Pflug, Bürobedarf Kübler

(Das „Gießhaus“ war seinerzeit namengebend für die an seiner Rückseite vorbeigehende „Bleigasse“. Ein Mißverständnis, da man hier keine Bleikugeln gegossen hatte, sondern Glocken gießen wollte. „Glockengießergasse“ klänge ja auch Schöner, wäre aber doch der Ehre zuviel für den ungeschickten Gießer. S. Kreutzer-Düthorn, S. 266 ff.!)

Wir finden als kirchlichen Grund in Roßtal ein ziemlich geschlossenes Gebiet um den Marktplatz, unterbrochen nur durch den „Burgstall“ (das Schloß) und den zugehörenden Halbhof, rechts vom Friedhofeingang. Dazu die ganze Rathausgasse mit den Häusern 3-17. Kirchenbesitz war aber auch die Bebauung auf der westlichen Seite der Rathausgasse, mit dem Kantorat (der Knabenschule), dem Kantoratsstadel, dem II. Pfarrhaus (erbaut vermutlich 1538, im dreißigjährigen Krieg abgebrannt und 1699 wieder errichtet), dem Mädchenschulhaus und dem großen Pfarrgarten. Nicht zu vergessen die Kaplansscheune gegenüber der Bäckerei Heckel. Im Westen finden wir mit dem Museumshof noch einen weiten Umgriff um die Kirche und über der Schulstraße war noch der große Garten, der zur Pfründe des Pfarrers gehörte. (Heute, seit 1929, Grundschule).

Also gehörte fast der ganze obere Ort – die „Spitz“ und der „Felsen“ waren noch nicht besiedelt – außer Teilen der Schulstraße und der „Gasse“ der Herrschaft und der Kirche. Ob hier nicht doch für mehr gesorgt war, als nur für eine Pfarrkirche?


Elisabeth Knoll

Tod und Erinnerung

Ein sogenannter Kranzkasten für ein verstorbenes Kind im Jahre 1910 und Fotos aus der Zeit um die Jahrhundertwende, aus unserem mittelfränkischen Markt, waren Anlaß zu dieser Sonderausstellung, beginnend am Karfreitag, dem 10. April 1998 bis einschließlich 3. Januar 1999.

Ländliches Totenbrauchtum

Die Kranzkästen als Erinnerung waren in der „guten Stube“ neben anderen Bildern z. B. Patendank, Sinnsprüchen (Haussegen), Schutzengelbildern usw. in jedem Haus zu finden.

In unserem dörflichen Bereich wurden die Toten noch bis in die Zeit zu Beginn des 2. Weltkrieges zu Hause aufgebahrt, natürlich war Voraussetzung, daß man ein Haus oder eine größere Wohnung hatte, sonst mußte man die Leichenhalle in Anspruch nehmen.

Die Uhren wurden angehalten, das Feuer im Herd ausgelöscht, der Verstorbene auf ein Totenbrett gelegt, welches man sich vom Totengräber ausleihen konnte, es fand immer wieder Verwendung. Die Angehörigen besorgten selbst das Waschen und Ankleiden, manche nahmen auch die „Leichenfrau“, die diese Tätigkeit übernahm. Die Leichenfrau bekam neben Geld auch das Federbett bzw. das Kopfkissen des Toten.

Am Tage der Beerdigung wurde der Tote dann vom Schreiner und der Leichenfrau für die Aufbahrung hergerichtet.

Das Totenhemd, so wollte es der Brauch, war immer vorhanden, entweder war es das Konfirmationshemd oder wurde mit der Aussteuer ins Haus gebracht. Der „gute schwarze Anzug“ oder das „gute schwarze Kleid“, Konfirmations-/Braut-/Anzug oder -kleid wurde darüber angezogen.

Der Sarg ausgeschmückt mit selbsthergestellten weißen Papierrosen, die man als Vorrat im Hause hatte für Taufe, Konfirmation, Hochzeit, um damit die Buxgirlande um die Hauseingangstüre zu schmücken. Die Rosen wurden aus weißem Kreppapier in der sogenannten „Rockenstube“, eine dörfliche Zusammenkunft im Winter, wo gestrickt, Flachs- und Schafwolle gesponnen und auch das Tanzen gelernt wurde.

Der Sarg blieb offen und jedermann nahm Abschied, auch die Kinder. Die Kinder erhielten, so wollte es der Brauch „einen Leichweck“ – ein Hefe- oder Sauerteiggebäck!

Die Verwandten, die ins Haus gebeten waren - bei uns durch die „Leichbeterin“, die Leichenfrau ging von Haus zu Haus und auch auswärts zur Verwandtschaft, um sie zu bitten, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Die „Leichbeterin“ erhielt von Leuten, die sie im Auftrag der Hinterbliebenen besuchte, eine Gabe – meist Mehl, Fett, Eier oder Geld.

Die Beerdigungen waren immer am Nachmittag, die Verwandten von auswärts, die ins Haus gebeten waren, erhielten vor der Beerdigung bereits ein Mittagessen – traditionsgemäß war dies Nudelsuppe mit Rindfleisch, Kren und Kartoffelsalat, das von den Nachbarn gekocht wurde, da ja das Feuer nicht angezündet wurde, solange der Tote noch im Haus war. Es wurde im Haus weder gebacken noch gekocht! Die Nachbarn blieben auch während der Beerdigung im Hause des Verstorbenen, die Türe durfte nicht verschlossen werden, falls die Seele des Toten zurückkommt!

Hatten alle Abschied genommen, so wurde das Brustkreuz oder der -kränz aus dem Sarg genommen für den Kranzkasten, als Andenken an den Toten. Der Kranzkasten wurde meist vom örtlichen Schreiner angefertigt oder später, als schon die Wachsblumen in Mode kamen, komplett geliefert und nur noch die persönlichen Daten mußten eingeschrieben werden.

Inzwischen waren der Pfarrer, der Kantor, die Chorschüler mit dem Kreuzträger sowie die Leichenträger eingetroffen, die Aussegnung fand statt. Der Sarg wurde geschlossen!

Durch die Leichenfrau erhielten Pfarrer, Kantor und Träger je eine Zitrone. Die Zitrone sollte vor Ansteckung und Geruch schützen und war seit der Pestzeit bei uns üblich bis zu Beginn des 2. Weltkrieges. Zitronen waren während des Krieges nicht mehr zu bekommen, so geriet der Brauch in Vergessenheit.

Die Träger waren meist die Nachbarn, Freunde oder auch Vereinskameraden der Feuerwehr oder dem Gesangsverein. Der geschlossene Sarg wurde von den Trägern erst nach dreimaligem Wiederabsetzen endgültig zum Friedhof getragen.

War eine auswärtige Beerdigung, so wurde bis zum Kirchdorf mit dem Wagen gefahren. Bei uns hatte jedes Dorf, das eingepfarrt war – unser Kirchsprengel hatte einen Radius von ca. 10 km - eine eigene Totenbahre, ein Bahrtuch und auch sogenannte „Leichenbretter“, die als Seitenbretter auf einen Leiterwagen aufgelegt wurden. Aus unserem Ortsteil Stöckach haben sich besonders schöne „Leichenbretter“ mit einem Gesangbuchvers und Palmzweigen verziert, erhalten. Die Pferde hatten aus diesem Anlaß schwarze Meßgeschirre mit Silberbeschlägen, schwarze Decken und Schabracken vorne.

Im Ortsteil Großweismannsdorf hatte man aus diesem Anlaß sogar 2 Rappen, die jedes Jahr bei einem anderen Bauern im Futter standen, mit denen auch selbstverständlich gearbeitet werden konnte, nur mußten sie samt Geschirr usw. für den Leichentransport zum Friedhof in Roßtal vorgehalten werden.

Sobald der Kutscher mit dem Wagen vorgefahren war, erhielt er Bier zu trinken, die Pferde aber 3 Scheiben Brot mit Salz.

Auf dem Leiterwagen befanden sich 2 Büschel Stroh, darauf wurde der Sarg gestellt. Der Leichenwagen fuhr dreimal an, bevor er sich endgültig in Bewegung setzte. Im Kirchdorf angekommen, jedes Dorf hatte seinen sogenannten „Aufbahrungsplatz“ wurde der Sarg auf der Schulter zum Friedhof getragen.

Der leere Wagen mit den Strohbüscheln fuhr im Galopp davon, so daß das Stroh unterwegs vom Wagen fiel, weil sonst ein neuer Todesfall unmittelbar bevorstand.

Die zum „Leichtrunk“ von der „Leichbeterin“ gebetenen Verwandten und Freunde trafen sich nach der Beerdigung zu Kaffee und „Leichweck“ im Gasthaus. Die Träger erhielten Bier und Emmentalerkäse mit Brot.