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Georg Helmreich

Altort und Altortsanierung in Roßtal

Funde bei Kanalbau, Wasserleitungsbau und Straßenausbau 2002 und 2003.

Der Markt Roßtal hat in der Altortsanierung und in Vollzug des Baugesetzbuches und der Bayerischen Städtebauförderung die Schulstraße nach der Gestaltungsplanung der Gruppe DASS, Prof. Johannes Geisenhof ausbauen lassen.

Die alten Kanäle und die Wasserleitung aus den Jahren 1927/28 mussten erneuert werden. Neben den Ausgrabungen des Archäologen Thomas Liebert wurden folgende Grabungsergebnisse vorgefunden.

Grabungsergebnis
Nahaufnahme:
gegenüber Anwesen Klose,
90 cm unter Straßenoberkante
Bereich Backofen
Urboden
Grabungsergebnis
Nahaufnahme:
am Anwesen Schmeißer (Laden),
90 cm unter Straßenoberkante
Urboden
Grabungsergebnis

Kanalgraben am Museumshof
gegenüber Anwesen Klose

Grabungsergebnis

Nahaufnahme: Friedhofseingang
1. Pfarrhaus, Urboden 1,80 m unter
Eingangsoberkante

Die geologischen und archäologischen Grabungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass im Bereich Schulstraße, 1. Pfarrhaus, Museumshof und Friedhof nach Zerstörungen etwa um 1380 und um 1650 das Mauerbruchmaterial und Ziegelbrocken eingeebnet und auf neuer Ebene (1. Pfarrhaus, Krypta, Schulstraße) die Stadt wieder errichtet wurde.

Nähere Ausführungen und Untersuchungsergebnisse werden durch Berichte und Dokumentationen in dem neuen Heimatbuch veröffentlicht.

Grabungsergebnis
Nahaufnahme: Grab Simon Schuhmann,
vor Nordeingang Kirche
Urboden 2,50 m unter Wegoberkante
nach Grabung Helmreich
Grabungsergebnis
Grabungen am 1. Pfarrhaus: Funde von Gebäuderesten, Fund eines Kinderskelettes

Dr. N. Autenrieth

Aus der Buchschwabacher Dorfschule

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts, die Schulpflicht war erst wenige Jahre alt, gab es Auseinandersetzungen zwischen Lehrer und Schulbehörde auf der einen Seite und unzufriedenen Eltern auf der anderen Seite und Lehrer und Behörden waren darauf bedacht, ja nicht das Gesicht zu verlieren.

So ist auch der Brief des als Lokalschulinspektion eingesetzten Pfarrers an seine vorgesetzte Behörde, die Distriktschulinspektion in Zirndorf zu verstehen:

Koenigliche Districkts-Schulen-Inspecktion!

Der Schullehrer Joh. Sixt. Trapp von Buchschwabach erschien den 9ten Juli und gab bei der unterzeichneten Behörde folgendes zu Protocoll:

„Katharina Werthner, die Frau des Joh. Math. Werthner Köhlers zu Buchschwabach sey heute Nachmittag während des Schulunterrichts zu ihm in das Schulzimmer gekommen, und habe mit leidenschaftlicher Wuth die gröbsten Schmähungen und Schimpfwörter gegen ihn und gegen die Lokalschulinspektion so wie über die Art des jetzigen Unterrichts nach den neuesten Verordnungen ausgestoßen.

Die Veranlassung zu dieser schimpflichen und entehrenden Lästerung habe der Mann dieser Frau selbst gegeben, in dem er seinen 10jährigen Knaben, der manchmal hinter die Schule gegangen, und um nicht entdeckt zu werden, auch seine kleine Schwester zu gleicher Versäumnis gezwungen hat, welche Nachlässigkeiten von beiden mit einer billigen Strafe geahndet worden sind, erbärmlich und unmenschlich durchgeprügelt habe.

Diese wohlverdiente vielleicht nur etwas übertriebene Züchtigung eines Vaters an seinem Sohn sollte nun der Schullehrer, der die Kinder zur Schule nötige, verschuldet haben und um diese Schuld zu rächen, habe das lästernde Weib die Schule verflucht und verwünscht, den Schullehrer mit allen nur ersinnlichen Schimpfwörtern, als er sei ein Ochse, Esel, dummer Kerl, im Beisein der ihm untergebenen Schuljugend belegt, seinen Unterricht, wie vorzüglich den Gebrauch der baierischen Lehrbücher elendes dummes Zeug genannt, und um das Maaß voll zu machen, habe sie auch die Lokal-Schulinspektion insultiert und ausdrücklich verlangt, er solle nur dem Inspektor sagen, er sei nichts besser wie der Schullehrer und tauge so wenig wie er. Auf dieses ärgerliche Lärmen wäre die ganze Nachbarschaft aufmerksam gemacht geworden, indem sie das Schimpfen auch auf der Straße bis zu ihrer Wohnung fortgesetzt habe.“

In Beziehung auf meine Person schreibe ich dieß in der ruhigsten Fassung, weil die Verunglimpfungen eines unverständigen auch sonst schon übel berüchtigten Weibes mich gar nicht tangieren, vielmehr das ausgelassene Gift der Lästerzunge mir gerade erscheint wie jener unverdiente Fluch, von dem der Weise sagt: Es fliegt vorüber wie ein Vogel dahinfährt.

Aber für die Würde des Amtes und für meine fernere Wirksamkeit kann es mir nicht gleichviel seyn, ob ich für einen braven oder schlechten, für einen geschickten oder dummen, für einen ehrliebenden oder pflichtvergessenen Mann gehalten werden möge. Es liegt zu Tage, diese Verunglimpfung ist die Frucht des schändlichsten Undanks, der aus der bisher gehandhabten verbesserten Schuldisziplin nicht allein für mich, sondern schon für viele pflichtliebende Männer hervorgegangen ist.

Wer auf die Gesetze hält, der findet auch wieder Schutz bei den Gesetzen. In dieser Überzeugung erstatte ich von dieser ärgerlichen Sache Bericht an die Königl. Distr. Schulen-Inspecktion und ersuche dieselbe gehorsamst, sich für das Beste der Schule gefälligst zu verwenden, diese Injurien-Klagen an die Königl. Schulpolizeibehörde gelangen zu lassen, und solche zu veranlassen, dass dergleichen boshafte Verleumdungen mit den geeigneten Strafen belangt und mir wie dem Schullehrer hinlängliche Genugthuung gewährt werden möge. Ich muss dies insbesondere für den Schullehrer wünschen, weil dieser schändliche Auftritt während des Unterrichts vorfiel, und auch andere, bei der möglichen Minderung der Schulstrafen, doch schon Miene gemacht haben, sich auf gleiche Weise an dem Schullehrer zu rächen.

In der Überzeugung meine Pflicht erfüllt zu haben verharre ich hochachtungsvoll

Roßstall, d. 11ten Juli 1813

Königl. Kanzlei
als
Local-Schul-Inspecktion
Herrnbaur


Hans Ringel

Zweihundert Gehängte im Eichenwald?

Roßtal, das ja bekanntlich älter ist als Nürnberg, wird in Urkunden und Schriften aus Nürnberg, insbesondere aus Nürnbergs Frühzeit oft erwähnt. Mehrere Geschichtsschreiber von Nürnberg erwähnen gerne zu Beginn ihrer Darstellungen unseren Ort Roßtal als älteste bedeutende Stätte der Geschichte unserer Gegend.

Einer der wichtigsten Chronisten von Nürnberg, dessen Werk auch heute noch als Quellenwerk eine besondere Bedeutung hat, war der Ratsschreiber Johannes Müllner. Er verfasste sein Werk „Die Annalen der Reichsstadt Nürnberg“ im Auftrag des Rates der Reichsstadt Nürnberg zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Roßtal ist in seinem Werk mehrfach erwähnt.

Besonders interessant ist der in unseren Heimatbüchern schon erwähnte Kampf zwischen von Heideck und den Nürnbergern im Zusammenhang mit dem Handwerkeraufstand und den anschließend 200 Gehängten im Eichenwald. Da dies eine der ältesten Quellen ist, die von dieser Begebenheit berichtet, soll dieser Abschnitt hier im Original von Müllner wiedergegeben werden.

„Insonderheit hatte der von Haideckh einen Knecht, dem er viel vertrauet, Hennickhe genannt, den er unbekannterweis oftmals gen Nürnberg geschickt, als einen Kundschafter. Der ist von den Aufruhrem ausgespähet, gefangen und benötigt worden, ihnen seinen Herren, den von Haideckh, zu verkundschaften und zu verraten, wann er von Haideck gen Roßtal oder Liechtenau ritte. Solches hat der Knecht also zusagen und shwören müssen, da er änderst mit dem Leben davon kummen wollen, und hat es zwar seinem Herren verhalten, aber durch wunderbarliche Schickung Gottes doch endlich selbs eröffnen müssen, dann als der von Haideckh einsmals Vorhabens gewest, gen Roßtall, allda er Güter gehabt, zu reuten, und mit einem Trunk von den Nurnbergischen Ratsherren Urlaub genummen und dabei dem Knecht, so auch mitreuten sollen, einen Trunk auf die Reis, so man damals S. Johannis Segen zu nennen pflegte, angeboten, und dabei scherzweis gesagt, Hennicke, wie wiird es uns ergehen, wann die Schalk von Nürnberg hinter uns kummen, hat der Knecht aus bösen Gewissen und weil er aus dieser Red vermutet, es wäre die Sach seinem Herrn eröffnet worden, sich darob dermaßen entsetzt, daß er das Trinkgeschirr fallen lassen und auf des von Haideckh (der allerlei Argwohn hieraus geschöpft) femer Zusprechen, ihme frei bekannt, wie alle Sach beschaffen und daß er den Aufrührem versprechen müssen, wann der von Haideckh gen Roßtall käme, ihnen bei Nacht mit einem brinnenden Scheib ein Zeichen zu geben.

Derwengen der von Haideckh seine Untertanen, soviel er in der Eil aufbringen mögen, versamblet, dieselbe an gelegenen Orten im Wald verborgen, ist gen Roßtall geritten und dem Knecht befohlen, seinem Versprechen nach, den Aufrührern zu Nürnberg mit einem brennenden Scheib das veranlaßte Zeichen zu geben, darauf die von Nürnberg in ziemblicher Anzahl, darunter wohl der halbe Teil des neuen Rats gewest sein sollen, herausgewischt und vermeint, den von Haideckh als ihren abgesagten Feind in ihren Gewalt zu bringen, sein aber von seinem Volk auf allen Seiten umbringt und ihrer viel erschlagen, die übrigen aber, deren noch bei 200 gewest und unter denen viel, die nur Kurzweil halben, ohne Wehr oder Waffen, mit hinaus gelaufen, von des von Haideckh Volk gefangen worden. Die hat derselb alle auf dem Eibberg bei Roßtal an die Baumb hangen lassen.

Aventintis lib. 7. berühret diese Gesdiicht mit wenig Worten und schreibt, Cunradt, Herr zu Haldeck, hab aus Befelch König Carls denen von Nürnberg (verstehe den Aufrührem) abgesagt und deren viel gefangen und henken lassen.

Sigmundt Maisterlein schreibt, es sei unter ihnen eins Wirts Sohn gewest, bei dem der von Haideckh seine gewohnliche Herberg zu Nürnberg gehabt. Dieser hab, als man ihne gleich aufknüpfen sollen, dem von Haideckh zugeschrieen und gebeten, ihme das Leben zu schenken, die weil er ihme oft die Stiefel ausgezogen und zu Bett geleuchtet hätte. Der von Haideck aber hab ihme geantwortet: Weil du mit bewehrter Hand wider mich ausgezogen und mir nach Leib und Leben getrachtet, da dir doch von mir nie nichts Übels begegnet und ich deinem Vater und dir oftmals mein Leib und Leben vertrauet hab, so würde ich auch in deines Vaters Haus ferner vor dir nit sicher sein etc. und hab ihn darauf an einen hohen Baumb über alle andere hinauf zu knüpfen befohlen.

Dieser Handel hat eine große Traurigkeit unter das Pöfelvolk zu Nürnberg gemacht, und hat einer da seinen Vater, der ander seinen Sohn, Bruder oder Freund beklagt, die auf dem Eibberg hingen oder erschlagen worden, sein auch allbereit viel unter der Gemein gewest, welche die Metzger ihrer Treu, die sie dem alten Rat bewiesen, gelobet und gewünscht, daß sie ihre alten Herren wieder hätten, zu dem auch kummen, daß König Carl dem aufruhrischen Rat mit ernstlichen Schriften gedrohet...“

Soweit Müllners Bericht über die Ereignisse in Roßtal, im Jahre 1348/1349, der Zeit des Handwerkeraufstandes in Nürnberg.

Im „Nürnberg Archiv“ schreibt dazu Dr. Horst-Dieter Beyerstedt: „... soweit die Chroniken, die leider alle einen Schönheitsfehler haben: Sie wurden erst lange nach den Ereignissen geschrieben und geben die Sicht des Rates wieder. Die zeitgenössische Überlieferung ergibt ein anderes Bild. Schon Konrads Schlichtungsversuch und seine Asylgewährung für die geflohenen Ratsherren und Patrizier lassen sich historisch nicht nachweisen, und die Massenhinrichtung schrumpft in ihren Dimensionen ganz erheblich: Im Januar 1349 ließe der Edle von Heideck mehrere Nürnberger hängen, die seinen Dienern einen Hinterhalt gelegt hatten. Eine ganz normale Repressalie also, wie sie in dem jahrhundertlangen Kleinkrieg zwischen Nürnberg und den adeligen Plackern der Umgebung an der Tagesordnung war - aber ihr Zusammenhang mit den Ereignissen des Handwerkeraufstands verlieh ihr in den Augen der Nachwelt eine monumentale Größe.“

Somit wird die Frage, ob und wenn ja, wie viele Gehängte es im Eichenwald wirklich gab, weiterhin ein Geheimnis der Geschichte bleiben. Einige Geschichtsschreiber halten die gesamte Schilderung als legendär. So hat z. B. Lochner sie als Sage nacherzählt.

Quellen:

Johannes Müllner: Die Annalen der Reichsstadt Nürnberg von 1623, Teil l: Von den Anfängen bis 1350. Mit einer Einleitung herausgegeben von Gerhard Hirschmann. Nürnberg 1972 im Selbstverlag des Stadtrats zu Nürnberg.
Reiche: Geschichte der Reichstadt Nürnberg, Nürnberg 1896
„Nürnberg Archiv“ Blatt N 02142 verfasst von Dr. Horst-Dieter Beyerstedt. Nürnberg, 2000
Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung, Roßtal 1928
Kreutzer/Schwemmer: Tausend Jahre Roßtal, Roßtal 1955
Kreutzer/Düthom (Hg.): Roßtal, Vergangenheit und Gegenwart,Roßtal 1978/1979


Hans und Eva Ringel

4. März 1777 in Roßtal, eine Momentaufnahme

Während des amerikanischen Bürgerkrieges kämpften auch viele Deutsche auf Seiten der Engländer mit. Viele von Ihnen taten dies nicht freiwillig, sondern wurden von ihren jeweiligen Landesherrn zum Kämpfen an England verkauft. 1777 schloss auch der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Christian Friedrich Carl Alexander, einen Subsidienvertrag und verpflichtete sich damit, Truppen zur Verfügung zu stellen. Die Truppen wurden in Bayreuth und Ansbachs zusammengestellt, marschierten dann bis Ochsenfurt, von wo aus es mit dem Schiff weiter ging.

Mehrere Offiziere und Soldaten führten Tagebücher über ihre Erlebnisse, so auch Johann Conrad Döhla. Dieser berichtet während seines Marsches von Bayreuth nach Ansbach auch über Rosstal:

"4 March. We arrived at Rosstal. This is a small place which lies about an hour from Ansbach. In this place there are two churches one on the top of the other, because the oldest one disappeared a long time ago and later another was built thereon. From the new one, however, a person can look down into the old church and view the ruins and all that pertains thereto. This is rather remarkable..."

Da uns die deutsche Ausgabe der Tagebücher von 1913 durch Baron von Waldenfels nicht vorliegt, hier eine sinngemäße Rückübersetzung:

„4. März. Wir kamen in Rosstal an. Dies ist ein kleiner Ort, der ungefähr eine Stunde von Ansbach entfernt liegt. In diesem Ort sind zwei Kirchen, eine auf der „Spitze“ der anderen, wobei die ältere vor langer Zeit verschwand und später die andere darüber gebaut wurde. Von der neuen jedoch kann man in die alte hinab sehen und Ruinen und all das was dazugehört sehen. Das ist sehr bemerkenswert.“