Bekenntnisbild von 1656 der St.-Laurentius-Kirche Roßtal

Bekenntnisbild von 1656 der St.-Laurentius-Kirche Roßtal

Georg Helmreich

St.-Laurentius-Kirche in Roßtal

Geschichtlicher Teil
  1. Veröffentlichungen
  2. Irmengard und Herzog Ernst
Baulicher Teil
  1. Kirchenbau vor der Reformation
  2. Kirchenbau und Umgestaltung nach der Reformation und Kirchenbrand
  3. Besondere Ausstattung in der St. Laurentiuskirche
  4. Kirche von außen, sichtbare Zeichen vor dem Umbau nach dem Kirchenbrand und Reformation
Schlussbemerkungen
Literatur und Quellenverzeichnis

*****

Geschichtlicher Teil

1. Veröffentlichungen

Über die St.-Laurentius-Kirche wurde geschrieben von
  1. Adolf Rohn, Roßtal 1928, Heimatbuch von Roßtal und Umgebung Seite 34–42
  2. Hans Kreutzer Seite 90, Helmut Mahr Seiten 303–313 Heimatbuch 1978/1979 Roßtal Vergangenheit und Gegenwart
  3. Günter Liebert Seite 75-89, Dieter Koerber Seiten 91–96 Heimatbuch 2004, 1050 Jahre Roßtal
  4. Alfred Steinheimer Kirchenblatt August 1996
  5. Alfred Steinheimer, St. Laurentiuskirche zu Roßtal Herausgegeben vom Markt Roßtal im August 2001

2. Irmengard und Herzog Ernst

In allen Ausführungen und Aussagen wurden über die in der Kirche begrabenen Irmengard und Herzog Ernst verschiedene Angaben gemacht,

  1. Irmengard

    Bis zu den Ausführungen von Günter Liebert 2004, dass es sich bei der Irmengard um die Schwester der heiligen Kunigunde der Gattin Kaisers Heinrich II der in Bamberg residierte handelt, war die Aussage es handelt sich um die Pfalzgräfin Irmengard von Hammerstein.1

  2. Herzog Ernst

    In allen Ausführungen wurde ein Herzog Ernst von Bayern verbannt nach Roßtal 861. Gestorben 865 in Roßtal und begraben in der Kirche zu Roßtal genannt.2 Erstmals 1996 in der Veröffentlichung von Alfred Steinheimer wurde ein Herzog Ernst als einer der Verteidiger Roßtals 954 genannt. Im Heimatbuch 750 Jahre Büchenbach, Geschichte am Heidenberg der Gemeinde Büchenbach Landkreis Roth, Seiten 24–31 wird die Sage vom Herzog Ernst geschildert, wie folgt

    Seite 25 Heimatbuch Büchenbach:

    SAGE von HERZOG ERNST im Heidenberg
    Pachelbel von Gehag erzählt 1708 als erstes diese frühest bezeugte Heidenbergsage:

    "...item an Herzog Emsts Kreittz in der (von selbigem so genannten) Kreutzlach / bey Schwobach / zwischen dem Rother Weg66 und dem (seinen Namen von denen / daselbst vom Hertzog Ernst überwundenen Hungaren / als damahligen Heiden/habenden)/Heidenberg/noch realia Testimonia vorfanden sind; Von welchen letzteren/aus denen Roßtallischen alten Gerichts-Büchern/und aus einer Landesfürstlichen Urkund / allhier folgende Meldung vernommen seyn wollen: Als Hertzog Ernst allbereit Roßtall entsetzt / auch den Feind geschlagen hatte / ist er auf die Wahl-Statt /die Erschlagene zusehen/geritten: darauf aber von einem unter denen Todten und Verwundten liegenden Htingam / der seinen Bogen noch gespannt gehabt/mit einem Pfeiß7 durch das Visier geschossen /und also verwundet worden / daß erdeß Todtes seyn müssen..."

    und Seite 29 Heimatbuch Büchenbach:

    Aber es gibt auch noch einen frühen direkten Ortsbezug des bereits erweiterten und ausgeschmückten "HERZOG ERNST Epos im Gothaer Pergament - Codex des "HERZOG ERNST" Epos85, der um 1280 entstanden ist. Die letzte Strophe wurde noch vom anscheinend ortskundigen oder mit einer älteren Quelle vertrauten Schreiber ergänzt:

    [mittelhochdeutsch]
    Ernest nach Gotes hulden warp
    Er bat, e daz er starb
    man in ze Rosvelt
    Begruebe, alda noch der helt
    Durch fursten regt begraben ligt.
    Da lieget ouch diu hat an gesigt
    Der werlde grus, frou Irmegard
    gnaden ist groziu vart
    vil Zeichen durch sie tuot
    [neuhochdeutsch]
    Ernst um Gottes Gnade warb
    er bat, ehe daß er starb
    daß man ihn zu Roßtal
    begrübe, allda noch der Held
    Nach Fürstenrecht begraben liegt
    Da lieget auch die hat besiegt
    Die weltlichen Anfechtungen, Frau Irmegard
    zu ihren Gnaden ist große Wallfahrt.
    Gott viele Zeichen durch sie tut
Krypta

Baulicher Teil

1. Kirchenbau vor der Reformation

1.1 Die Krypta

Um 1030 n. Chr. soll die Heilige Irmengard, die Schwester der heiligen Kunigunde, der Gemahlin des Kaisers Heinrich II. aus Bamberg, mit dem Bau der Hallenkrypta begonnen haben.

Die Krypta hat eine Länge von 10,25 m, eine Breite von 12,00 m und eine Höhe von 4,60 m.

Das Gewölbe wird von 12 Apostelsäulen getragen.

1.2 Hauptkirche vor der Reformation
Nordhaupteingang

Erbaut im Spätromanischen Stil bis 1200, Umbau in der Gotik ab 1200.

Chor, Spätgotisch um 1500, vermutlich auf der Urkirche und Grabstätte Herzog Ernst.

Noch im Zeitalter der Romanik bis um 1200 wurde das Langhaus erbaut.

Romanische Fenster und der Mauerwerksbau aus den Umgestaltungen sind ersichtlich und weisen nach, dass das Langhaus noch in der Romanik gebaut wurde.

Allerdings wurde das Langhaus in der späten Gotik nach 1400 umgebaut.

Am besten ersichtlich ist dies am Nordhaupteingang, an dem die Jahreszahl 1518 eingemeißelt ist. Über und neben dem Eingang sind noch die romanischen Fenster vorhanden.

2. Kirchenbau und Umgestaltung nach der Reformation und Kirchenbrand

2.1 Kirchengeschichte nach der Reformation

Erste Aufzeichnungen gibt es erst seit 1627 nach dem Kirchenbrand und der Reformation.

Die heutige Kirchenausstattung stammt aus der Zeit nach dem Kirchenbrand von 1627. Der Brand wurde durch einen Blitzschlag am 10. August 1627 ausgelöst, vernichtete das ganze Dach, alles im Langhaus mit 6 Altären, die Hochgräber der Kirchenstifterin Irmengard sowie des Herzogs Ernst.

Bereits am 1. Adventssonntag 1628 konnte nach dem Aufbau der Dachkonstruktion und des Daches wieder Gottesdienst gehalten werden.

Nicht zerstört wurde beim Kirchenbrand 1627 der Chor, der Turm, erbaut noch um 1410 in der Gotik mit Hauptturm und vier Ecktürmen.

Durch Blitzschlag am 9. November 1698 brannten die Dächer des Kirchenturms ab. Danach wurde im Barock die jetzige „Welsche Haupe“ mit Aussichtsplattform aufgebaut Höhe bis Aussichtsplattform 52,25 m.

Maße Langhaus:

Länge34,50 m mit Chor 44,20 m (Chor 9,70 m)
Breite 11,35 bis 11,70 m   Chorbreite 7,30 m
St.-Laurentius-Kirche mit Emporen und Kanzel

Die Grundstruktur der heutigen St.-Laurentius-Kirche mit Emporen und Kanzel

Kanzel
2.2 Kirchenumbau nach der Reformation

Die Kanzel
Mittelpunkt ist die Kanzel für die Predigt des Hauptgottesdienstes im evangelischen Gottesdienstablauf, im Gegensatz zum katholischen Gottesdienstablauf, bei dem die Liturgie vom Altarraum aus der Mittelpunkt ist.

Nachdem es erst seit Ende des 2. Weltkrieges Lautverstärker gibt, war es zweckmäßig um die Kanzel die Bestuhlung zu führen. Eingerichtet wurden ab 1628 auch die Emporen (1. und 2. Empore) um die Predigt besser hören zu können.

Die Emporen verdecken seit dem Einbau 1628 auch die großen Nordfenster des Langhauses (siehe Bilder der Nordfenster).

3. Besondere Ausstattung in der St.-Laurentius-Kirche

3.1 Sitzordnung nach Angaben von Altpfarrer Dieter Koerber

In den Kreuzstühlen links unter den Emporen waren die Bürgermeister und Stadträte, Gemeinderäte der anderen zugehörigen Gemeinden.

In den Kreuzstühlen rechts waren Frauen und Kirchenbedienstete. Die Reihe 11 waren Logenplätze von Müllern und auswärtigen Handwerksmeistern. Die Reihen 12 bis 47 waren Frauenplätze.

Vorne die alten Witwen, danach ältere verheiratete Frauen, dann die jüngeren verheirateten, ab Reihe 40 bis 47 unverheiratete alte und jüngere Frauen. Ab Reihe 49 bis 52 waren die Hurenbänke. Diese Frauen durften nur die kleine Türe neben dem Turm als Eingang und Ausgang benutzen. Auf der Empore waren nur Männer. In der 1. Empore, Plätze 56, 57, 61 und 62 waren Markgrafenplätze, die auch von der Gerichtsbarkeit benutzt werden durften. Die anderen Plätze auf der 1. Empore waren in der 1. Reihe den Meistern, in den hinteren Reichen den Handwerkern und Bauern der ganzen Kirchengemeinde überlassen. Die 2. Empore war für Knechte der Bauern und Hausknechte vorgesehen.

Sitzordnung
3.2 Chorraum

Der Chorraum wurde nach 1910 umgestaltet.

Der ursprüngliche Hochaltar befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

Die Fenster wurden im 2. Weltkrieg zerstört und erst 1950 nach neuen Mustern eingebaut.

Chorraum

3.3 Bekenntnisbild von 1524

Das lutherische Bekenntnisbild von Roßtal hing bis etwa 1983 stiefmütterlich am Platz hoch über der Sakristeitür im Chorraum.

Erst später wurde es rechts neben der Kanzel im Hauptschiff dauerhaft dargestellt.

Das Bekenntnisbild wurde 1663 von der Familie Dietherr aus Nürnberg nach dem Kirchenbrand von 1627 an die Kirche in Roßtal gestiftet. Das Gemälde wurde 1524 von Hans Springinklee aus Nürnberg, einem Schüler Albrecht Dürers, erstellt.

Bekenntnisbild

Aus den Ermittlungen von Josef Dettenthaler ergibt sich die Beschreibung:

Das Gemälde ist durch eine Architekturstaffage aus Postamenten, Gesimsen, Pilastern und Säulen in sechs Felder unterteilt. Während der Bildträger, eine Holztafel, selbst nicht nach den Regeln des Goldenen Schnitts angelegt ist, folgt die zweigeschossige Aufteilung der Komposition ziemlich annähernd diesem Gesetz, wobei der Maiorpart von der oberen Rahmenkante bis zur Säulenbasisplatte reicht. Über dem oben abschließenden, mehrfach profilierten und verkröpften Architrav liest man die auf lutherischer Seite während der Reformationszeit wie ein Kampfruf gebrauchten Warte: VERBVM DOMINI MARET (statt mahnet) IN AETERNVM. In den Zwickeln in beiden Seiten der Pilaster darunter steht die Jahrzahl 1524. Das große zentrale Hauptbild mit der Kreuzigung Christi ist genau nach dem Goldenen Schnitt angelegt und zwar sowohl im Verhältnis von Länge (obere Rahmenkante bis Säulenbasisplatte) und Breite (Außenränder der oberen Pilaster), wie auch in der Aufteilung in Minor- (obere Rahmenkante bis Nagelwunden an Jesu Händen) und Maiorpart (Jesu Nagelwunden der Hände bis Säulenbasisplatte). Dieses Zentralbild flankieren auf hohen Säulenpostamenten der Hohepriester Aaron links und König David mit der Harfe rechts. Die Kreuzigung Christi vor Landschaftshintergrund und den Mauern Jerusalems ist hier ganz untypisch mit dem sogenannte Gnadenstuhl vereinigt: Gottvater mit Krone und Pluviale, hinter bzw. über den ans Kreuz genagelten Händen Jesu im Augenblick seiner tiefsten Erniedrigung die Herrschaftszeichen Zepter und Reichsapfel, unter Christi Füßen die Taube des Hl. Geistes. Zu beiden Seiten Jesu stehen die Schandpfähle mit dem wie bisher dem Erlöser zugewandten guten Schächer zu seiner Rechten und dem von ihm wegblickenden bösen zu seiner Linken. Am Fuß des Kreuzes liegen Schädel und Gebeine des ersten Menschen Adam, der durch seine Schuld gleichsam die Erlösung der Menschheit bewirkt hat und der auf Golgotha seine letzte Ruhe gefunden haben soll. Auf der guten Seite zu Jesu Rechten erblickt man auch die drei Marien und Johannes mit erhobenen bzw. gekreuzten Händen, weniger klagend, als für die Menschheit bittend. Auf der bösen Seite dagegen schaut man in orientalisierender Tracht den sich bekehrenden Longinus mit der Lanze, während sich der verstockt bleibende Stephaton mit seinem Essigschwamm fortstiehlt. Vor ihnen würfeln zwei Soldaten um Christi Rock. Nach oben schließt diese Szene unter einem in den Architrav einschneidenden Rundbogen ein doppeltes Girlandengehänge ab mit je zwei darauf sitzenden bzw. darunter schwebenden Putten.

Beidseitig dieses Hauptstücks sind alttestamentliche Vorbilder des Kreuzopfers Jesu dargestellt: Links Abrahams Opfer mit dem Knaben Isaak im weißen Totenkleid, dem Einhalt gebietenden Engel und dem Böcklein im Gestrüpp (Gn 12, 1–18), darunter das Stammelternpaar mit dem Totenkopf als Lohn seiner Sünde sowie die sich am Baum der Erkenntnis hochwindende Schlange als Ursache der Erlösung durch Christus, rechts die Aufrichtung der ehernen Schlange auf kreuzförmigem Gestänge (Nm 21, 6–9); denn wer – wie Luther sagt – zu diesem Zeichen „allein aus dem Glauben“ aufblickte, dem schadete der Biß der Schlangen nicht. Darunter sitzt Moses mit den Gesetzestafeln an gleicher Stelle wie das Stammelternpaar unter Abrahams Opfer und unterrichtet die Stände der Kirche, die sich wie die Juden im Zeitenlauf in selbst auferlegte Gesetze verstrickt haben: Papst, Bischof, Kleriker, Nonne, Kaiser, Königin, Adeliger, Bürger und Landmann.

Das untere Bilddrittel unterteilen weit vorkragende, mehrfach profilierte, pilasterartige Sockel mit Petrus links und Paulus gegenüber. Während die bisher besprochenen Darstellungen ganz im „altgläubigen“ Sinn vorgetragen wurden, zeigt die Szene zwischen den Apostelfürsten die bedeutendste religiöse Neuerung der Gegenwart, die sich auf urchristliche Tradition berufen kann: Das Austeilen der Kommunion unter beiderlei Gestalt hinter einem Altar, auf dem sich neben der Zehn-Gebote-Tafel Evangelium und Kelch befinden. Die weißen Chorröcke und die Halskrausen der Geistlichen bilden Übermalungen der Zeit um 1663. Zwischen ihnen klebt an der Wand antithetisch zum verhaßten Ablaßzettel ein gesiegelter Brief als Verheißung Jesu. Auch diese Szene ist nach den Regeln des Goldenen Schnitts angelegt und zwar zwischen den beiden äußeren Pilasterkanten sowie zwischen unterer Bildrahmenkante und dem dreifach unterteilten Abschlußprofil oben. In den beiden Schmalseiten sind als Zutaten von etwa 1663 das Wappen der Nürnberger Familie Dietherr, der die Stifterin der Tafel entstammt, und folgende Inschrift angebracht:

Dir O du Grosser Gott,
Zu lob und Stetter Ehr
dir auch du Frommer Christ
in Trost und Reicher Lehr
Sey dis Gemellt gestifft,
in disses Gottes Haus
mitt wünsch daß vns Zu
Seel v. Leib's Heil Schlag aus
Von Susanna Laurentij
Jung seel wittieb gebor,
ner Dietherrin
1663

Eine weitere Beschreibung ist in dem neuen Band von Wolfgang Brückner3, Lutherisches Bekenntnisgemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts Seiten 61–63, enthalten.

Bekenntnisbild von 1656
Blick auf die Sakristeitüre St. Laurentius
Aufnahme um 1900 (Haas)
3.4 Bekenntnisbild von 1656

Beschreibung von Georg Helmreich unter Mitwirkung von Gerhard Deeg.

Das Bild befindet sich im Hauptschiff links neben der Kanzel nach dem Bild Martin Luthers. Es zeigt die Übergabe der Augsburger Confession vom Juni 1530.

Das Bild trägt die Jahreszahl 1656.

Nach einer Fotoaufnahme von Haas4 um 1900 war das Bild rechts neben dem Sakristeieingang im Chor der Laurentiuskirche.

Erst später, Datum ist nicht bekannt, wurde das Bild im Hauptraum links der Kanzel gebracht, allerdings nicht mit Kreuz und Altaraufsatz.

Darstellung des Bildes von 16565

Bekenntnisbild von 1656 der St.-Laurentius-Kirche Roßtal
1. mitte:Christus am Kreuz auf schwarzem Tuch
2. oben:Gott Vater mit der Heilig-Geist-Taube mit Überschrift „Gloria in exelsis Deo“
3. unter dem Altar:Maul der Schlange
„Die rechte Lehre vom Heiligen Abendmahl“
4. rechts des Altars:schenkt Martin Luther den Abendmahlstrunk aus, als evangelische Einführung
5. links des Altars:vergibt Phillip Melanchthon die Hostie
6. neben dem Kreuz:am Altar, die biblischen Zeugen der Einsetzungsworte (von links nach rechts) Matthäus, Markus, Lukas und Paulus
7. auf der Altardecke: sind die Schriften Martin Luthers im Streit mit Zwingli und seinen Anhängern um das rechte Verständnis des "das ist mein Leib, mein Blut" ausgeführt.
8. links im Bild:neben Philip Melanchthon die fürstlichen Unterzeichner des Bekenntnisses mit Wappen (von links nach rechts)
- Georg Markgraf zu Brandenburg
- Philip Landgraf zu Hessen
- Ernst Herzog zu Lüneburg
- Wolfgang Fürst zu Anhalt
- Franziskus Herzog zu Lüneburg
9. rechts im Bild:neben Martin Luther, Reichung des Abendmahltrunks, die Vertreter der freien Reichsstädte (von rechts nach links)
- Freie Reichsstadt Nürnberg
- Freie Reichsstadt Reutlingen
- Freie Reichsstadt Windsbach
- Freie Reichsstadt Heilbronn
- Freie Reichsstadt Weißenburg
- Freie Reichsstadt Kempten
10. links im Bild:auf Kreuzhöhe, die Predigt von der Kanzel mit Kreuzstühlen neben dem Kreuz
11. zwischen:der Kanzel und den Kreuzstühlen die Taufe
12. links oben:Einzelbeichte neben dem Kreuz
13. rechts oben:Kinderlehre neben dem Kreuz mit Kathechismusbefragung
14. rechts oben:Trauung mit häuslicher Andacht
15. über der Trauung:Adam und Eva mit der Schlange
16. von zwei Kanzeln:Verbreitung der Lutherlehre
17. oben links:Vertreibung des Teufels
18. rechts unten:Lutherrose unten am Altar
19. unten rechts/links:nicht entschlüsselbare Wappen

4. Kirche von außen, sichtbare Zeichen vor dem Umbau, nach Kirchenbrand und Reformation

Die bauliche Zuordnung und die Veränderungen wurden von mir mit dem Steinmetzmeister Herbert Wick aus Müncherlbach, einem Roßtaler ermittelt.
4.1 Nordseite

kleiner Nordeingang, oben Fenster verkleinert darüber noch sichtbar Bogen des Großfensters alle jetzigen Fenster zeigen über den jetzigen Bogen einen ursprünglichen Bogen des Großfensters

Nordeingang, eingebaut 1518.
kleiner Nordeingang kleiner Nordeingang
alle jetzigen Fenster zeigen über den jetzigen Bogen einen ursprünglichen Bogen des Großfensters kleiner Nordeingang kleiner Nordeingang
Nordeingang, Eingebaut 1518 Nordeingang
4.2 Südseite
Mauervorsetzung beim Kirchturm Mauervorsetzung beim Kirchturm
Südeingang
im gotischen Stil
Südeingang im gotischen Stil
Fenster neben Südeingang,
sichtbarer Mauerversatz
Fenster neben Südeingang
Gotische Fenster,
im Inneren der Kirche die Kanzel
Fenster neben Südeingang
kleiner Südeingang
Mauerversatz
kleiner Südeingang

Sichtbare frühere größere Fenster, innen unter den Emporen

Sichtbare frühere größere Fenster

4.3 Wetzrillen an der Außenfassade

Südseite
links Haupteingang

Wetzrillen

Südseite
kleiner Eingang

Wetzrillen

Südseite
zwischen den Eingängen

Wetzrillen

4.4 Wetzrillen

sind auch an anderen Kirchen z. B. in Rohr, am Eingang zur Kirche in Regelsbach, an der St. Sebalduskirche in Nürnberg Nordseite vorhanden.

Niemand konnte bisher sagen, wozu und warum die Rillen entstanden sind.

Allgemein wurde gesagt, die Wetzrillen sind zum Anzünden des Osterfeuers entstanden. Nachdem die Rillen oft sehr tief sind, nehme ich nach Befragung von Kirchengängern an, dass die Wetzrillen für Feuer zum Anzünden von Öllampen für die dunkle Jahreszeiten, an denen kein Licht in den Kirchen vorhanden war, benutzt wurden.

Schlussbemerkungen

Trotz vieler Aufschlüsse und Nachweise, birgt der Kirchenraum der Laurentiuskirche in Roßtal immer noch Geheimnisse.

Obwohl die Roßtaler Krypta, das älteste vorhandene Kirchenwerk der Romanik unserer Kirche aus dem Jahre 1030, von innen sichtbar vorhanden ist, sind Außenfundamente der Ummauerung noch nicht freigelegt worden.

Die Krypta kann auch nie unterirdisch gewesen sein, Zumauerungen von Ausgängen sind immer noch sichtbar.

Aus dem Grab zur Beerdigung von Simon Schuhmann, neben der Krypta6 an der Nordseite der Kirche, neben dem Nordeingang, wurde der Urboden auf 2,50 m Tiefe von Wegoberkante gefunden. Auf dieser Höhe liegt der Kryptaboden.

Nach den kirchlichen Aufzeichnungen von Roßtal soll das Grab des 861 verbannten und 865 in Roßtal verstorbenen „Herzog Ernst von Bayern“ ursprünglich im Teil des heutigen Chorraumes gewesen sein.

Später soll das Grab zur heutigen Kirchengründerin, der „Heiligen Irmgard“, gestorben 1041, umgebettet worden sein. Bis zum Kirchenbrand 1627 waren es Hochgräber.

Fundamente sind heute noch unter dem Glas abgedeckten Kirchenboden. Aufgang im Langhaus, neben der Krypta sichtbar.

Über die Urkirche, den durch den jetzigen Kirchenboden abgedeckten Gräbern und Mauern, sind noch weitere Forschungen notwendig, die aber derzeit nicht durchgeführt werden.

Anmerkungen

1 Hans Kreutzer, August Ortegel siehe 1 a) und b)
2 Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung, S. 32
3 Brückner, Wolfgang: ehem. Prof. der Universität Würzburg und Vertreter einer historischen Kulturwissenschaft
4 Haas, Hans: Kaufmann in Roßtal, hat als Zeitdokument viele Fotoaufnahmen in Roßtal und Umgebung gefertigt, die im Fotoarchiv des Marktes Roßtal, Rathaus und der Familie Greul aus Roßtal vorliegen
5 Bildbeschreibung mit Koerber Dieter und Deeg Gerhard von Helmreich Georg
6 Helmreich Georg: Heimatbuch von Roßtal 2004, Seite 263

Literatur und Quellenverzeichnis

Rohn, Adolf: Heimatbuch Roßtal und Umgebung 1928
Koerber, Dieter: 450 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Roßtal
Koerber, Dieter: Roßtal und die Laurentiuskirche, Erste Auflage 1990, Seiten 2 + 3
Steinheimer, Alfred: St. Laurentius zu Roßtal Ausgabe Markt Roßtal 2001
Koerber, Dieter: Roßtaler Kirchengeschichte, Seiten 99-115 Heimatbuch Roßtal, offen und lebendig Zur 1050 Jahrfeier 2004
Brückner, Wolfgang: Lutherische Bekenntnisgemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts Die illustrierte Confessio Augustina, Verlag Schnell und Steiner GmbH, Regensburg, 1. Auflage 2007, Seite 158 Abb. 74, Seiten 63 Abb. 29 Seite 225 Tafel 20 Kat. Nr. 17
Helmreich, Georg: Heimatbuch "1050 Jahre Roßtal. Heimat offen und lebendig" Herausgegeben vom Markt Roßtal 2004 Seiten 229 bis 226, Altort und Altorterneuerung
Archiv der Pfarrei St. Laurentius Roßtal, 1. Pfarrhaus
Bildnachweis: Eigene Bilder von Georg Helmreich

Günter Liebert

Neue Erkenntnisse über die Capell und die Bartholomäuskapelle in Roßtal

Die Laurentiuskirche mit der mystisch wirkenden Krypta sowie dem schönen Pfarrhaus im alemannischen Stil sind heute wohl die einzigen steinernen Zeugen für das einst reiche kirchliche Leben im mittelalterlichen Roßtal. Wenige Jahre vor der Reformation wurde im nordwestlichen Bereich des Friedhofes eine dem heiligen Jakob gestiftete Kapelle errichtet und im Jahr 1521 eingeweiht. Nach der Reformation fanden in dieser Kapelle nach einer Pfarrbeschreibung von 1810 nur noch Gottesdienste für die „einfachen“ Begräbnisse statt. Ab 1725 wurde die Jakobskapelle als Registratur für die Pfarrei genutzt. Der Abriss der Jakobskapelle erfolgte 1802. Die Gründe dafür sind uns nicht überliefert. Vielleicht musste sie dem Bedarf nach weiteren Grabstätten weichen.1

Der einzige Beleg über eine weitere Kapelle in Roßtal verdanken wir einem Flurnamen, der sich über Jahrhunderte hinweg erhalten hat. Flurnamen entwickelten sich schon in früher Zeit aus dem Bedürfnis, den Besitz von Wiesen und Äckern den Eigentümern eindeutig zuordnen zu können. Über Jahrhunderte hinweg wurden die Flurnamen nur mündlich an die folgenden Generationen weitergereicht. Erst in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg begann man, die Flurnamen in den einzelnen Gemeinden systematisch zu erfassen und in vorgegebenen Formblättern einzutragen. Für Roßtal übernahm diese ehrenamtliche Aufgabe Albert Kreiselmeyer, Oberlehrer von Beruf. Insgesamt erfasste er im Jahr 1924 in mühseliger Arbeit 226 Flurnamen, die er auch im Einzelnen beschrieb. Ergänzend hierzu hat er auch die Flurnamen der damals zu Roßtal gehörigen Orte Oedenreuth, Trettendorf, Weitersdorf und Wimpashof in gesonderten Formularen erfasst.

Der volksmundliche Name lautet nach Kreiselmeyer „in der kapell“ und er bemerkt hierzu noch folgendes: „Hier stand früher die St. Bartholomäus-Kapelle, im 30jährigen Krieg oder schon vorher zerstört oder abgebrochen.“ Altsitzer Miederer Haus Nr. 21 (die heutige Hausnummer lautet Fürther Str. 14) behauptet, sie sei in seinem Garten Pl. Nr. 841 gestanden. Spuren sind nicht mehr vorhanden. Der Miedersche Hof heißt noch hie und da „der Kappelbauer“.

Zur genaueren Lagebezeichnung hat Kreiselmeyer, nachdem es zu seiner Zeit noch keine Straßennamen in Roßtal gab, auch noch die zur Flur Kappel gehörigen Hausnummern angegeben. Nachdem diese dem heutigen Leser nichts sagen, sind zur Orientierung nachfolgend die heutigen Hausnummern in der Fürther Straße genannt: 1, 3, 14, 18, 22, 24, 26, 28, 32. Hinzu kommt noch das ehemalige Polizeihaus mit der Hausnummer 34. Letzteres ist von besonderer Bedeutung, da hier in jüngster Zeit kleine, aber bedeutende Funde gemacht wurden, auf die weiter unten näher eingegangen wird.

Kreiselmeyer spricht von einer Bartholomäus-Kapelle, obwohl wir nur auf den Flurnamen „Kappel“ Bezug nehmen können. Woher hat er diesen Namen? Hier müssen wir etwas weiter zurückgreifen. In der Zeit von 1748 bis 1762 amtierte ein Pfarrer namens Wolßhofer in Roßtal. Er befasste sich auch mit der Geschichte von Roßtal und hat u. a. folgendes geschrieben: „Es muß aber noch eine Capelle hiergeweßen seyn, weil noch im Dorff Roßstall, außen, wo man gegen Weinzierlein zugeht, einige Häuser auf ihrem Grund, die Cappel genennt werden, auch daselbst ein Hoff ist, deßen Innhaber allzeit der Cappel Bauer genennt wird. Sie muß St. Bartholomeus geheyligt geweßen seyn, weil wir in Roßstall so gar die dritte Kirchwey am Bartholomei Tag haben“.2

Bartholomäus war einer der 12 Apostel. Er war der Schutzpatron für Haut- und Nervenkrankheiten; sein Gedenktag ist der 24. August, also 14 Tage nach Laurentius. Adolf Rohn, einer der ersten Heimatforscher in Roßtal, hat daher richtigerweise den Schluss gezogen, dass es in Roßtal nahe der Capell einen Siechkobel (im heutigen Sinn ein kleines Krankenhaus) gegeben haben muss, den man wegen der ansteckenden Krankheiten – dazu gehörte auch die im Mittelalter verbreitete Lepra – außerhalb des Dorfes ansiedelte. Einen eindeutigen Beweis dafür gab es allerdings bisher nicht.

Als der Besitzer des sogenannten Polizeihauses an der Fürther Straße Nr. 24 Umbauarbeiten in seinem Garten vornahm, fand er nicht wenige Knochen, die er zunächst in einem Karton aufbewahrte, um sie nach Abschluss der Neugestaltung einem angemessenen Platz zuweisen zu können. Er hielt es aber für seine Pflicht, die Gemeinde über die Funde zu informieren. So hatte der Archäologe Thomas Liebert die Möglichkeit, die Funde fachgerecht zu untersuchen. Neben einigen Tierknochen handelt es sich bei den Funden durchwegs um menschliche Knochen, die neben Arthrose auch noch andere Krankheiten aufweisen. Damit wird der Hinweis von Adolf Rohn auf einen Siechkobel in der Capell voll bestätigt. Der Fundort dieser Knochen ist schließlich auch ein Hinweis auf einen Friedhof, der zur Capell gehört haben muss. Denn eine Beisetzung wildfremder Menschen mit ihren ansteckenden Krankheiten auf dem Laurentiusfriedhof darf man ausschließen.

Der Fundort der kranken Knochen gibt einen Hinweis auf den Standort dieses fraglichen Friedhofes. Das Gelände, auf dem das Haus Nr. 24 gebaut wurde, ist ein sehr stark abfallender Hang, weshalb hinter diesem Haus eine Aufschüttung von 2 bis 3 Meter Höhe erkennbar ist, die von einer Mauer gestützt wird. Unmittelbar daneben verläuft ein kleiner Anliegerweg. Mit großer Wahrscheinlichkeit liegt dieser ehemalige Friedhof unterhalb dieser Aufschüttungen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass durch notwendig gewesene Erdbewegungen die Knochenfunde an die Oberfläche kamen.

Damit haben sich die Annahmen von Pfarrer Wolßhofer und Adolf Rohn wohl eindeutig bestätigt. Es bleibt nur noch die Frage offen, wann die Bartholomäuskapelle und der Siechenkobel in Roßtal entstanden sind. Eine genaue Beantwortung ist nicht möglich. Aber ein Rückgriff auf die mittelalterliche Geschichte Nürnbergs gibt uns wichtige Anhaltspunkte.

Die Siechkobel entstanden europaweit im 13. Jahrhundert, als durch die Kreuzzüge die Lepra eingeschleppt wurde. Hinzu kamen noch vermehrt andere ansteckende und nicht heilbare Krankheiten, die durch die Enge und mangelnde Hygiene in den wachsenden Städten hervorgerufen wurden. In Nürnberg hatte man daher im 13. und 14. Jahrhundert an den vier großen Fernstraßen in Richtung Frankfurt/Main, Augsburg, Regensburg und Prag zum Schutze der Bevölkerung Siechenhäuser eingerichtet, in denen Menschen mit Aussatz oder anderen ansteckenden Krankheiten betreut wurden. Finanziert wurden diese Einrichtungen durch Almosenstiftungen und persönliche Spenden.3

Wegen der Nähe zu Nürnberg dürfte die Einrichtung eines Siechkobels in Roßtal im gleichen Zeitraum, also im 13. Jh. erfolgt sein. Denn die ansteckenden Krankheiten verbreiteten sich sehr schnell, die davon betroffenen Menschen wurden von ihren Mitmenschen zu deren eigenem Schutz vor die Tür gesetzt, die Straße wurde ihr Zuhause. Die Nürnberger hatten daher an den Einfallstraßen die entsprechenden karitativen Einrichtungen geschaffen. Ähnliche finanzielle Voraussetzungen für die Errichtung eines Siechkobels waren auch in Roßtal gegeben. Es waren die vielen Menschen, die über Jahrhunderte hinweg das Grab der seligen Irmingard besuchten und die Laurentiuskirche reich ausstatteten. Sie waren die Quelle für den Bau der Bartholomäuskapelle (als Cappel überliefert) und die Schaffung eines Siechkobels. Wann diese Einrichtungen dem Verfall preisgegeben wurden, wissen wir nicht, wahrscheinlich aber Anfang des 16. Jahrhunderts. Denn in dieser Zeit nahmen die Lepra und die anderen ansteckenden Krankheiten – auch wegen der Verbesserung der Hygiene – deutlich ab. Die Nürnberger hatten daher den Siechenhäusern zunehmend andere karitative Aufgaben übertragen, für die der Roßtaler Siechkobel wahrscheinlich aus räumlichen Gründen nicht geeignet war.

Anmerkungen

1 Alfred Steinheimer: Die Jakobskapelle auf dem Friedhof von Roßtal, Roßtaler Heimatblätter, Heft 28 (l 1994)
2 Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung, Von den Kapellen, S. 47
3 Stadtlexikon Nürnberg, S. 993 Siechkobel