Die katholische Kirche Christkönig

Vor 60 Jahren:
Die katholische Kirche Christkönig ist errichtet

Ulrich Grimm

60 Jahre katholische Christkönigskirche in Roßtal

Im Jahre 2011 gab es eine bemerkenswerte Vielzahl festlich gefeierter Anlässe für die seit 1954 bestehende katholische Pfarrei Christkönig in Roßtal. Dabei blieb ein Datum ein wenig im Hintergrund: der 1. Juli 1951, an dem der damalige Eichstätter Bischof Dr. Joseph Schröffer die neu erbaute Kirche innen konsekriert hatte. Zum 40. und 50. Jahrestag waren kleine Festschriften erschienen, die manches ansprachen, was die Pfarrei in der Vergangenheit bewegt hatte. Eine wirkliche Chronik der Kirche selbst gibt es aber nicht, auch wenn Heinz Raab in seinem gut fünfseitigen Beitrag in „1050 Jahre Roßtal – Heimat offen und lebendig“ wesentliche Daten und Fak-ten wiedergibt. Ein Grund dafür mag sein, dass Roßtal, das 1927 erstmals nach den Tagen der Reformation wieder ein kleines katholisches Kirchlein an der Bleigasse erhalten hatte, nach dem Krieg zunächst nur Seelsorgestelle der Expositur – und ab 1950 Pfarrei – Heilsbronn war und als solche keine eigenen Akten führte. Die Pfarrei Heilsbronn besitzt jedoch nach Angaben ihres Pfarrers aus damaliger Zeit heute keinerlei Akten mehr, die Aussagen über Roßtal treffen ließen. So bedurfte es einiger Suche, um über die allseits bekannten Daten hinaus mehr über das Werden des Gotteshauses nahe den Sieben Quellen zu finden.[1]

Vorgeschichte

Am 1. April 1946 war Kaplan Joseph Zankl von Bischof Michael Rackl, einem Großonkel eines der späteren Roßtaler Pfarrer, als „Aushilfspriester“ nach Roßtal entsandt worden. Die Zahl von etwa 80 Personen, die im Jahre 1927 mit Hilfe des Bonifatiusvereins eine Scheune in ein Kirchlein umbauen konnten, das der hl. Theresia von Lisieux geweiht worden war, hatte der Krieg allein in Roßtal stark ansteigen lassen. Flüchtlinge und Heimatvertriebene, die als Katholiken einem damals fast ausschließlich protestantischen Landstrich zugewiesen worden waren, fanden sich aber nicht nur hier sondern in vielen Gemeinden im Umkreis. Sie alle sollten nach dem Willen des Bischofs in schwerer Zeit geistliche Betreuung in ihnen vertrauter Form erhalten. Deshalb war der Bezirk um Heilsbronn in Seelsorgestellen aufgegliedert worden. Die Größe des damaligen Roßtaler Bezirks wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass Seelsorger Zankl fünf Sonntagsgottesdienste zu halten hatte: in Ammerndorf, Großweismannsdorf, Großhabersdorf (bis zur Errichtung der Seelsorgestelle in Dietenhofen) und an dessen Stelle später im Lager Raitersaich zwischen Clarsbach und Buchschwabach sowie zwei in Roßtal; außer an diesen Orten wirkte er in Büchlein, Göddeldorf, Rohr und Seubersdorf zusätzlich als Religionslehrer.

Die nutzbaren Räumlichkeiten entsprachen den religiösen Vorstellungen nur zum Teil: das galt weniger für die Kirchengebäude in Roßtal und im Lager bei Clarsbach, deren Größe freilich auf Dauer nicht ausreichte, als vielmehr für die Notwendigkeit, auch Wirtsstuben [2] wie in Ammerndorf oder Klassenzimmer wie in Großweismannsdorf zu nutzen. Deshalb reifte bei Kaplan Zankl [3] sehr schnell der Entschluss zum Bau einer großen, festen Kirche in Roßtal.

Dafür war zunächst der Erwerb eines Grundstücks erforderlich. Weil eine Seelsorgestelle lediglich Teil einer Pfarrei ist, war es notwendig, dass insoweit offiziell die Expositur Heilsbronn tätig wurde. Ihr Schreiben vom 1. März 1947 „um hilfreiche Unterstützung für die Erstellung eines Bauplatzes für eine neue kath. Kirche mit Pfarrhaus in Roßtal“ an die Marktgemeinde wurde abschlägig beschieden. „Von der Marktgemeinde kann ein Gelände zur Errichtung einer kath. Kirche nicht erworben werden, da kein geeignetes Grundstück vorhanden ist. Es wird dem kath. Pfarramt empfohlen, in dieser Angelegenheit sich an Private zu wenden. Hilfreiche Unterstützung wird dabei von der Marktgemeinde gern gewährt.“ [4] Grundstücke auf der „Miederers Höhe“ (heute im Bereich der Irmgardstraße), an der Straße nach Weinzierlein (heute Fürther Straße) und nahe dem Sportplatz am Trettendorfer Weg, die für einen Kirchenbau geeignet erschienen, konnten nicht erworben werden. Nach langem, vergeblichem Bemühen gelang es „Aushilfspriester“ Zankl schließlich, in Roßtal ein Grundstück für den Kirchenbau zu bekommen, das auch die Zustimmung der Diözesanverwaltung fand: Bauingenieur Hans Leikauf hatte zusammen mit seiner Ehefrau – je zur Hälfte – erst 1948 einen Teil des Grundstücks Fl. Nr. 698 der Gemarkung Roßtal an der Sichersdorfer Straße (damals noch Sichersdorfer Weg), die wie die meisten Straßen in Roßtal noch nicht ausgebaut war, von den Eheleuten Meyer gekauft. Die notariell beurkundete Auflassungserklärung war am 31. Dezember 1948 erfolgt. Eine Eintragung ins Grundbuch, die erst den Eigentumsübergang bewirkt hätte, war noch nicht vorgenommen worden. Dennoch errichteten Hans Leikauf und Joseph Zankl, der sich als „Beauftragter des bischöflichen Ordinariats in Eichstätt“ bezeichnen ließ, am 29. Dezember 1949 privatschriftlich eine „Kauf-Vertrag“ überschriebene Urkunde [5], die ein „Entwurf für die Vorbesprechung beim Herrn Notar“ darstellen sollte. Darin „verkaufte Herr Leikauf an Herrn Zankl das ihm gehörende … Grundstück 698 in der Größe von 0,4230 ha zum Preis von 9.000 DM“. Der Verkauf erfolgte unter der gleichzeitig schriftlich formulierten Bedingung, dass auf dem Grundstück „entsprechend der Vorbesprechung Gebäude nur durch die Roßtaler Bauunternehmung Eckstein & Leikauf erstellt“ werden. Dieser Entwurf fand die Billigung des bischöflichen Ordinariats, das jedoch als Käufer die katholische Tochterkirchenstiftung Heilsbronn wünschte. Jetzt konnte Hochwürden Zankl jubeln: „Gottes Vorsehung wahrlich hat es gefügt, nach vielem vergeblichen Suchen im Neuland katholischen Lebens ein Gelände zu erwerben, von dem der Volksmund sagt: ‚Einen besseren Platz hätte man nicht finden können.’“ [6]

Dass sich die Verkäufer wirklich von ihrem Grundstück trennen wollten, belegt der nur kurze Zeit später durchgeführte notarielle Verbriefungstermin vom 9. Februar 1950. Vertragspartner war die „Katholische Pfarrkirchenstiftung Heilsbronn“ [7] , da die Seelsorgestelle Roßtal noch immer Teil der Expositur Heilsbronn war. In Roßtal selbst gab es noch keine kirchliche Rechtsperson, die als Vertragspartner und Eigentümer hätte auftreten können. Der Auflassung folgte am 15. Januar 1951 die Eintragung des Eigentumsübergangs in das Grundbuch.

Planungen

In schwerer Zeit die erforderlichen Mittel für den Bau selbst aufzubringen, war nicht einfach. Die ersten Überlegungen von „Aushilfspriester“ Zankl zu den Kosten schlossen mit einem Betrag von 100.000,– DM für den Kirchenbau ohne Turm, Gestühl, Kanzel und Orgel. Davon sollte ein Viertel durch Eigenleistung abgedeckt werden. Der vom Bischöflichen Ordinariat Eichstätt ausgewählte Nürnberger Architekt Dr.-Ing. Winfried Leonhardt, der mit der Bauplanung und -aufsicht betraut worden war, hingegen kam in seinem „überschlägigen Kostenanschlag“ vom 31. März 1950 auf 163.200,– DM. [8]

Durch die Aufnahme des Bauvorhabens in die Gruppe der zu fördernden „Seelsorgestationen Pius XII“ konnte sogar auf Mittel aus Rom zurückgegriffen werden. [9] Der Bonifatiusverein, der diese Gelder verwaltete, unterstützte den Kirchenbau mit 20.000,– DM, die über das Bischöfliche Ordinariat zur Auszahlung gelangten. Der Seelsorger hatte als einzige Gegenleistung zur Auflage erhalten, sich unter Beifügung eines Bildberichtes über den Kirchenbau mit einem Handschreiben beim Heiligen Vater zu bedanken. Die übrigen Fremdmittel steuerte die Diözese Eichstätt aus Steuereinnahmen bei. Um die nötigen Eigenmittel, die nicht nur in tatkräftiger handwerklicher Mithilfe erbracht werden konnten, zusammenzutragen, gründete sich am 29. Mai 1950 zusätzlich der Kirchenbauverein, der unermüdlich finanzielle Mittel „zusammenbettelte“.

Josef Zankl eim ersten Spatenstich
Abb. 1: „Aushilfspriester“ Josef Zankl beim ersten Spatenstich

Die konkrete Bauplanung begann, und bereits am 29. August 1950 vollzog Seelsorger Zankl an der Stelle, wo später der Altar der Kirche stehen sollte, nachmittags um 14.00 Uhr den ersten Spatenstich. Das Graben der Fundamentaushebungen erfolgte durch viele fleißige Helfer von Hand; sie schafften auch den Aushub auf Schienen in Rollwägen beiseite und lagerten ihn am südwestlichen Grundstücksrand. Dabei scheute man sich nicht, auch Frauen Hacke und Spaten in die Hand zu geben, wobei insbesondere die Mitarbeit einer Gruppe von etwa 14 weiblichen Helfern von „Aushilfspriester“ Zankl immer wieder nachdrücklich einfordert wurde. [10] Bei den Erdarbeiten wie bei anderen Baumaßnahmen tat sich besonders Emmeram (Emil) Mogl hervor, der später wegen seiner „einzigartig hohen Verdienste und Wohltaten beim Kirchen- und Pfarrhausbau“ zum „Ehrenmitglied der Kirchenverwaltung Rosstal ernannt“ wurde. [11]

Anfang September 1950 hatte der Architekt Dr. Leonhardt, endlich die Genehmigungspläne fertiggestellt. Dem rechteckigen Kirchenraum, der einschließlich des Vorraumes mit seiner Gedächtniskapelle, der ein wenig tiefer liegenden Taufkapelle und des Aufgangs zur Orgelempore eine Größe von 24,30 m x 15,60 m besitzt, ist im Osten mittig der ebenfalls rechteckige 6,40 m x 10,60 m große Altarraum angefügt, an dessen Südseite der Turm anschließt (Grundfläche 6,00 m x 4,50 m). Dessen Erdgeschoß sollte als Sakristei (Paramentenraum) dienen, in den beiden nach oben folgenden Stockwerken waren „Seelsorgeräume“ vorgesehen. Südlich davor ist als einziges rundes Bauelement ein Treppentürmchen angebaut, das auf Dachhöhe des Kirchenbaues endet. An beiden Längswänden des Kirchenschiffes strömt durch je vier beinahe fünf Meter hohe Fenster mit jeweils mittig einem tiefen Steinpfeiler Licht in den über 9,00 m hohen Raum, der mit einer schlichten geraden Holzdecke mit Kassetten versehen ist. Der 12,10 m hohe Altarraum wird durch ein über sieben Meter hohes Fenster an der Nordseite besonders erhellt. Auch an der Westwand findet sich über der Orgelempore ein großes rechteckiges Fenster. Der Bau, dessen Mauerwerk eine Stärke von 0,51 m besitzt, sollte einen freitragenden Holzdachstuhl erhalten, der durch einen im Dachfußboden liegenden parabelförmigen Flacheisen-Windverband gehalten wird; der Parabelträger gibt seine Kräfte auf die Giebelwand ab. [12]

Aushubarbeiten durch viele fleißige Helfer aller Altersklassen
Abb. 2: Aushubarbeiten durch viele fleißige Helfer aller Altersklassen

Am 12. September 1950 befasste sich der Marktgemeinderat Roßtal mit dem Bauvorhaben und beschloss: „Der eingereichte Bauplan der kath. Tochterkirchenstiftung Heilsbronn über die Errichtung einer kath. Kirche in Roßtal wurde zur Einsichtnahme vorgelegt, und mit … gegen … Stimmen beschlossen, seitens der Marktgemeinde Roßtal als Angrenzerin Einspruch gegen das Bauvorhaben nicht zu erheben. Von der Berechnung einer Gebühr wird Abstand genommen.“ Das bei dieser Abstimmung festgestellte Stimmenverhältnis ist allerdings im Protokollbuch nicht vermerkt. [13]

Der Bau

Die Umsetzung dieser Planung erfolgte unverzüglich. Der Vereinbarung im Grundstückskaufvertrag folgend erhielt das Roßtaler Bauunternehmen Eckstein & Leikauf am 15. September 1950 den Auftrag zur Durchführung der Beton-, Maurer- und Kanalisationsarbeiten, obwohl ihr Angebot nicht das günstigste Ergebnis der Ausschreibung war. Gleichzeitig wurde der 18. November 1950 als Fertigstellungstermin vereinbart. Die Erteilung der Baugenehmigung zog sich jedoch hin. Jedenfalls teilte das Landratsamt Fürth am 29. September 1950 der Tochterkirchenstiftung Heilsbronn als Bauantragstellerin mit:

„Um einen ungestörten Verlauf der wohl übereilt anberaumten Grundsteinlegung am 1.10.1950 zu ermöglichen, besteht bauaufsichtlich keine Erinnerung gegen die Ausführung eines Fundamentteils an der zur Grundsteinlegung vorgesehenen Ecke des Baukörpers.
Vorstehende Feststellung stellt jedoch nicht eine vorläufige Bauerlaubnis dar. Jegliche Weiterführung der Bauarbeiten ab 2.10.50 vor ausdrücklicher Baugenehmigung müsste Einstellung des Baues und ev. strafrechtliche Ahndung des Bauherrn auslösen.“
[14]

Am 1. Oktober 1950 vollzog Domkapitular Joseph Klebl, der damalige Baureferent des Bistums Eichstätt, die Weihe des Grundsteins, der noch heute an der Westfassade der Kirche links zu sehen ist, „Anno Domini 1950“. Am Tag zuvor hatte man bei Sonnenschein die Fundamente hoch- gemauert, den Grundstein bereitet und eine Tribüne aufgestellt. Nun litt die festliche Zeremonie unter regnerischem Wetter. Unter den Klängen eines Chorals, den die Flüchtlingskapelle spielte, zog man zu den Fundamenten. Dann würdigte Pfarrer Hausmann aus Heilsbronn, der ja rechtlich der Vertreter des Bauherrn war, „in Worten tiefer Freude die Stunde, da neben den vielen Wohnsiedlungen der Diözese auch eine seelische Heimat gerade für die Heimatlosen erstehen soll“. [15] Domkapitular Klebl verkündete, dass die neue Kirche zu Ehren des Christkönigs erbaut werde und führte die Weihehandlungen aus: Er segnete den Bauplatz, damit er „aus den weltlichen Händen in die Hand Gottes übergehe“, und den Grundstein. Schließlich umschritt er das Fundament und besprengte es mit Weihwasser. Ein „Te deum laudamus“ beendete die Weihehandlung.

Domkapitular Klebl und Herr Leikauf bei der Grundsteinlegung
Abb. 3: Domkapitular Klebl und
Herr Leikauf bei der Grundsteinlegung

Ob man mit den weiteren Bauarbeiten noch eine Woche bis zum Vorliegen der Baugenehmigung gewartet hat, ließ sich aus den Akten nicht ermitteln. Jedenfalls wurden am 9. Oktober 1950, dem Tag der Erteilung der Baugenehmigung, auch die Zimmermanns- und die Dachdeckerarbeiten ebenfalls an die Baufirma Eckstein & Leikauf vergeben. Der Baufortschritt litt allerdings immer wieder unter Materialknappheit. Insbesondere gelang es der Baufirma nicht, die erforderlichen Steine in einem Umfang zu erhalten, dass sie ihre Maurer in größerer Zahl zum Rohbau der Kirche einsetzen konnte. So verrann der vertraglich fixierte Fertigstellungstermin. Die Materialverknappung führte aber auch dazu, dass trotz der kurzen Bauzeit Lohnerhöhungen die Kosten steigerten. Dieser – freilich absehbare – Kostenanstieg ließ den findigen „wahren Bauherrn“ Hochwürden Zankl immer neue Wege suchen, sein Ziel zu erreichen, „statt einer Notkirche ein festes monumentales Werk zu erstellen“. So war er sich zum Beispiel nicht zu schade, bei den Bauern seines Heimatortes Berngau um Bauholz zu betteln. [16] Dass er dabei auch Erfolg hatte, belegt nicht nur den Einfluss von Geistlichen und der Kirche zur damaligen Zeit sondern auch die Bereitschaft „Einheimischer“, Flüchtlingen und Heimatvertriebenen bei der Erfüllung von wirklich wichtigen Wünschen Unterstützung zukommen zu lassen. Auch konnte er durch die Vermittlung von Holzlieferungen an die Schwadermühle, von der das Bauholz gekauft wurde, finanzielle Vorteile für den Bau erreichen. Außerdem gelang es ihm regelmäßig, bei fast allen beauftragten Handwerkern nicht nur Storni sondern auch Preisnachlässe auszuhandeln. [17]

Am 5. Dezember 1950 stellte die Baufirma den 19. Dezember 1950 als Tag der Hebefeier in Aussicht. [18] Aber auch dieser Tag verstrich. Sogar die Sonntagsspaziergänger, die sich regelmäßig über den Baufortschritt informierten, wunderten sich allmählich. [19] Endlich konnte man am 21. Januar 1951 feucht-fröhlich Richtfest feiern, zu dem auch Landrat Hörndlein und Kreisbaumeister Langfritz eingeladen wurden.

Am Tag des Richtfestes (21. Januar 1951)
Abb. 4: Am Tag des Richtfestes (21. Januar 1951)

Den Richtspruch trug Franz Krieglstein vor, der damals Polier der Baufirma Eckstein & Leikauf war. Das Bier war vom Bamberger Hofbräu gespendet worden. Seelsorger Zankl betrachtete an diesem Tag noch einmal die Kosten: Dank seines nimmermüden Einsatzes war der Voranschlag trotz aller Widrigkeiten nur ganz geringfügig überschritten worden. Selbst unter Berücksichtigung noch für die Innenausstattung einzusetzender Mittel schien ihm der vollständige Bau des Turmes nun möglich. „Der Seelsorgestelle ist es möglich, bis Juni dieses Jahres die Kosten zu decken durch Spenden und durch ein allenfallsiges Darlehen.“ [20] Und deshalb wurde dann auch gleich noch der Turm hochgezogen, der „Finger Gottes“, wie Joseph Zankl ihn nannte.

Blick von Südosten am Tag des Richtfestes
Abb. 5: Blick von Südosten am Tag des Richtfestes

Im Innern blieb die Kirche zunächst aus finanziellen Gründen schmucklos. Trotzdem gab es vieles zu tun. Vor allem weitere Roßtaler Handwerker kamen zum Zug: Die Estrich- und Fliesenlegerarbeiten erledigte Hafnermeister Hans Weiß, dem als Verlegematerial Solnhofener Platten bauseits zur Verfügung gestellt wurden. Die Schreinerei Hans Schopper baute die Türen; Schreinerei Thomas Meyer führte die sonstigen Schreinerarbeiten in der Kirche aus. Friedrich Greul fertigte die Einbaumöbel für die Sakristei. Die Elektroarbeiten wurden Hans Langenberger übertragen. Die wesentlichen Malerarbeiten führte Hans Haspel aus und mit den Flaschnerarbeiten war Wenzl Krieglstein beauftragt. Nach dem Aufbau der sechs marmornen Altarstufen, dem Befestigen der Kanzel an der Nordwand östlich der Tür und dem Einbringen des Altartisches war alles für die feierliche Konsekration bereitet. Nur die im Raitersaicher Lager ansässige Schreinerei Rudolph Hamperl hatte Schwierigkeiten, alle Kirchenbänke und die beiden Beichtstühle rechtzeitig zu liefern.

Auch bei der Weihe der Kirche fehlte noch ein Teil der Bänke. Wohl deshalb ist in der Schlussabrechnung vermerkt: „War billig – überaus billig; aber sorgenvolle Nächte wegen ihm.“ [21]

Blick zum Altarraum  am Tag vor der Konsekration
Abb. 6: Blick zum Altarraum am Tag vor der Konsekration (30. Juni/1. Juli 1951)
Es sind weder das große Altarbild noch die Seitenaltäre vorhanden; auch fehlt noch ein Teil der Kirchenbänke.

Weihe der neuen Kirche

Die Weihe der Kirche erfolgte am 30. Juni und 1. Juli 1951. Bischof Dr. Joseph Schröffer war aus Eichstätt angereist und hatte im Pfarrhaus Quartier genommen, das gerade noch rechtzeitig nach nur zweimonatiger Bauzeit (!) fertiggestellt worden war. Wieviel hundert Jahre waren vergangen, seit hier letztmals ein katholischer Bischof kirchliche Weihehand-lungen vorgenommen hatte? Bürgermeister Wiesinger, der mit Mitgliedern des Gemeinderates zur Begrüßung erschienen war, hatte ihn mit warmen Worten willkommen geheißen. Man hatte sich zusammen mit Pfarrer Hausmann aus Heilsbronn noch einmal vor der kleinen Kapelle an der Bleigasse versammelt. Auch die beiden evangelischen Pfarrer Grundherr und Bomhard waren erschienen. Nun zogen alle in stillem Gebet die Felsenstraße hinunter, die Pelzleinstraße entlang und die Sichersdorfer Straße (damals noch Sichersdorfer Weg) zur neuen Kirche hinauf, die zunächst die äußere Weihe erhielt. Dreimal umschritt der Bischof das neue Kirchengebäude. Nach seinem „Aperite“ (Öffnet Euch!) betrat er durch das sich auftuende Hauptportal in die Christkönigskirche.

Bischof von Eichstätt Dr. Joseph Schröffer weiht die Kirche am 30. Juni 1951 von außen
Abb. 7: Der Bischof von Eichstätt Dr. Joseph Schröffer weiht die Kirche am 30. Juni 1951 von außen

Am nächsten Tag, einem strahlend schönen Sonntag, folgte die Weihe des inneren Kirchenraumes. Auf den Kirchenboden wurden Buchstaben des Alphabets gezeichnet. An zwölf Stellen des Kirchenschiffes waren Wandleuchter und in Marmorplättchen geschlagene kleine Kreuze angebracht: Apostelleuchter und Apostelkreuze, wie sie in zahlensymbolischer Bedeutung seit dem hohen Mittelalter in Kirchen zu finden sind. Sie salbte der Bischof ebenso wie den Altar. Dann legte er die Reliquien der heiligen Märtyrer Gaudentius und Prospera in den Altartisch. Jede einzelne Weihehandlung wurde den Gläubigen erklärend nahegebracht in der übervollen Kirche, zu der der Bischof bemerkte: „Ein festlicher Abendmahlsaal ist sie geworden.“ [22] Der ersten heiligen Messe, die durch den Kirchenchor unter Leitung von Hans Gietl mit dem Singen einer lateinischen Messe verschönert wurde [23], folgte am Nachmittag um 15.00 Uhr das Spenden der hl. Firmung an über 135 junge Christen, viele aus der nun recht ansehnlichen Zahl von etwa 700 Katholiken allein im Ort Roßtal.

Konsekration des Altars
Abb. 8: Konsekration des Altars

Der Kirchenraum war für liturgische Zwecke fertiggestellt, auch wenn die Seitenaltäre und die Kommunionbank noch nicht eingebaut waren. Er war aber noch nicht mit allem Wünschenswerten ausgestattet. Trotzdem wurden immer wieder einmal Stimmen laut, die einwandten, statt einer Kirche hätten sich die Flüchtlinge besser Häuser gebaut. Aber Kirche kann, wie es die jetzt außen an der Christkönigskirche angebrachte Gedenktafel vermittelt, auch Ort gemeinsamer Sammlung und ein Stück Heimat sein. Deshalb war das Setzen dieser Priorität zur damaligen Zeit richtig, denn Gemeinschaft verbindet und lässt Schweres – jedenfalls bisweilen – leichter ertragen, besonders wenn sie sich unter Gottes Schutz stellt. Und ein schweres Schicksal hatte ja Flüchtlinge und Heimatvertriebene wahrlich getroffen. Freilich war es in dieser Situation richtig, dass die Christkönigskirche im Inneren zunächst schmucklos blieb: Weiß gekalkte Wände wurden nur von einem großen Holzkreuz über dem Altar geziert. Orgel und Glocken fehlten. Die kommenden Jahre stellten deshalb die Pfarrgemeinde noch vor weitere Aufgaben, die insbesondere ihre Spendenfreudigkeit erforderten.

Zuvor erfolgte aber die Schlussabrechnung durch Architekt Dr. Leonhardt. [24] Bei ihr fällt zunächst auf, dass letztlich die Kosten des Grundstücks niedriger lagen als die Aufwendungen für den Architekten und eine Verteuerung um über 10 % allein darauf zurückzuführen ist, dass der Kirchturm gleich miterrichtet und nicht, wie zunächst erwogen, nur bis zur Dachschräge ausgeführt wurde. Auch erscheint die Eigenleistung der Kirchengemeinde, die durch die Erdarbeiten erbracht wurde, mit lediglich 3.162,– DM sehr niedrig veranschlagt. Bei Erbringen dieser Eigenleistungen war ein schwerer Unfall passiert: Elisabeth Witt war in den letzten Bautagen zur Mitarbeit erschienen und hatte sich bei einem Sturz in einen ca. einen Meter tiefen Graben so verletzt, dass sie mehrere Monate im Krankenhaus verbringen musste.

Zur Deckung der Kosten für den Kirchenbau wurden neben denen für den Grundstückserwerb vom Bischöflichen Ordinariat in der Zeit von Februar 1950 bis Juni 1951 insgesamt 120.500,– DM angewiesen. Auf dem Selbsthilfekonto standen über 45.000,– DM zur Verfügung.

Ausstattung der Kirche nach ihrer Konsekration

Zunächst halfen für Roßtal glückliche Umstände bei der Ausstattung der Kirche: Die amerikanische Besatzungsmacht weitete den Truppenübungsplatz um Grafenwöhr erheblich aus. Deshalb mussten die Bewohner von Lutzmannstein ihre Anwesen räumen. Auch ihre Kirche wurde aufgelassen. Darin stand eine etwa 80 Jahre alte Orgel. Sie wurde der Roßtaler Kirche zur Verfügung gestellt. Allerdings war das Versetzen der Orgel mit etlichen Änderungen, insbesondere bei der Verschraubung des Gehäuses sowie an der Mechanikanlage, und auch einer Anpassung an die örtlichen Verhältnisse in Roßtal verbunden, woran zwei Fachkräfte zwei Wochen lang arbeiteten. So kann es im Nachhinein nicht verwundern, dass auf die Roßtaler Kirchenstiftung sehr zum Ärger von Seelsorger Zankl deutliche Kosten zukamen. Während er mit lediglich 300–400 DM gerechnet hatte, lautete die Rechnung auf 820,– DM. Seine Einwendungen wies die Orgelbauanstalt Josef Bittner, Eichstätt, am 21. Mai 1952 detailliert zurück. Hochwürden Zankl wandte sich daraufhin bittend an das bischöfliche Ordinariat in Eichstätt und erhielt schon wenige Wochen später die erfreuliche Mitteilung, dass der Diözesan-Bonifatiusverein die Hälfte der angefallenen Kosten für die Versetzung der Lutzmannsteiner Orgel erstatten werde. [25] So konnte Hans Merz, neben Franz Fassmann damals Organist, am Pfingstsonntag 1952 den Gemeindegesang auf der „neuen“ Orgel begleiten. [26]

Hans Merz erklärt an derLutzmannsteiner Orgel
Abb. 9: Hans Merz erklärt
an der Lutzmannsteiner Orgel

Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass diese Orgel sehr reparaturanfällig war und „bei jedem bedeutenden Witterungswechsel eine neue Regulierung braucht“, wie 1954 von der Orgelbauanstalt Bittner mitgeteilt wurde. Zunächst gab man sich aber mit der vom bischöflichen Ordinariat zur Verfügung gestellten Leihorgel aus Lutzmannstein zufrieden, auch wenn das „Zuhören im Laufe der Jahre zu einer Qual“ wurde, wie Pfarrer Rodenbücher am 8. Mai 1965 dem bischöflichen Ordinariat berichtete.

Im Oktober 1952 erhielt die Christkönigskirche auch vier Glocken. [27] Aus dem Fundus des sog. Hamburger Glockenfriedhofes, auf dem die Nationalsozialisten Kirchenglocken aus dem gesamten deutschen Reich als „Rohstoff“ für die Rüstungsindustrie über Jahre zusammengeführt hatten, waren der Diözese Eichstätt 26 Glocken zur Verfügung gestellt worden. Man wollte durch die „leihweise Ausgabe von Glocken aus deutschen Gemeinden jenseits der Oder-Neiße-Linie an Patengemeinden … weitere Lagerkosten und Bewachungsgelder in Hamburg ersparen und die Glocken durch geregelten Gebrauch gegen Schaden und Verlust sichern“. Das bischöfliche Ordinariat hatte alle der Diözese Eichstätt zugeteilten, scherzhaft „Flüchtlingsglocken“ genannten Klangkörper, die ja auch ihre Heimatgemeinden verloren hatten, der Erdinger Glockengießerei Karl Czudnochowsky zur Zurichtung und Montage übergeben. Den Pfarreien stand es frei, die ihnen zugedachten Glocken anzunehmen. Aus Klanggründen erhielt die Roßtaler Seelsorgestelle mit vier Glocken eine besonders hohe Anzahl angeboten:

Schlagton c",431 kg, 15. Jhdt, ehemals Reichenau, Kreis Rothenburg, Niederschlesien
Schlagton f",150 kg, 1503, ehemals Schreibersdorf, Kreis Neustadt, Oberschlesien
Schlagton as',477 kg, 1615, ehemals Schedlau, Kreis Falkenberg, Oberschlesien
Schlagton es",178 kg, 1709, ehemals Wahren, Kreis Wohlau, Niederschlesien

Natürlich veranlasste Pfarrer Zankl alles, um alle vier Glocken annehmen und nutzen zu können, hing doch zur damaligen Zeit nur ein kleines hell tönendes Glöcklein im Turm der Kirche. Dafür war es freilich nötig, zunächst die vorhandenen Deckenträger der Glockenstube mit zwei Auflagebalken aus Holz zusammenzuspannen. Dann konnte der neu gefertigte Glockenstuhl eingebaut werden. Die Firma Czudnochowsky, Erding, erneuerte an den Glocken noch Joche und Klöppel und berücksichtigte den Einbau von Läutmaschinen. Dann stand einer Anlieferung der Leihglocken nichts mehr im Wege. Am 11. Oktober 1952 wurden sie aufgezogen.

Der Glockentransporter
Abb. 10: Der „Glockentransporter“

Am 20. Oktober 1952 beschloss die Kirchenverwaltung, „die Glocken mit einer elektrischen Läutanlage zu versehen“, weil „kein ständiger, bezahlter Mesnerdienst“ vorhanden sei. Mit der Ausführung wurden die Herforder Elektrizitätswerke und Elektroinstallateur Langenberger beauftragt.

Dass in Roßtal eine elektrische Läutanlage zur damaligen Zeit für Gesprächsstoff sorgte und offenbar einer Rechtfertigung bedurfte, beweist ein Gedicht aus dem Jahre 1953, das sich im Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig befindet: [28]

Zwei Maurer gingen zum Turm hinauf.
„Mögst nicht glauben“, sagt einer, „elektrisch läuten sie auch.
Wo die bloß des Geld herhobn?“
Ja, a Geld hat's gekost' – doch praktisch is scho.
Da schalt ma ei – und 's Leitn fangt's a.
A kloans Kind dies alles bedienen ka.
In der Früh ist's praktisch, da schlaft ma so gern.
Die Glockn läut selber – ja des lässt si hörn.
Es ging a net anders – des müsst ihr verstehn –.
Soll ma denn jeden Tag oft soviel Treppn nauf geh?
Die Ministranten, die Schlingl, sind oft a net gleich da.
Häng die a mol aloans an vier Glockensträng a!
Ja, a Geld hat's kost, des sag i scho a,
doch wer an Verstand hat, sagt: „Notwendi war's a.“

Die Aufwendungen für den neuen Glockenstuhl, das Herrichten und Aufziehen der Glocken sowie die elektrische Läutanlage, die insgesamt annähernd 6.000,– DM betrugen, leistete die Kirchengemeinde vollständig aus eigenen Mitteln. Im Februar 1953 war hierfür ein „Glockensonntag“ gefeiert worden, an dem allein über 4.000,– DM gespendet wurden. Der restliche Betrag wurde mit Privatdarlehen einstweilen vorfinanziert, die jedoch noch im gleichen Jahr aus Spendenmitteln zurückgeführt werden konnten. [29]

Mit weiteren eigenen Mitteln „vervollständigte“ die Kirchengemeinde ihr Gotteshaus:

Zu Weihnachten 1951 wurde die Kommunionbank eingebaut, die seit der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil nicht mehr notwendig ist und deshalb 1968 wieder entfernt wurde. [30]

Die zur gleichen Zeit ebenfalls wieder abgebauten beiden Altartische der Seitenaltäre wurden 1952 aufgestellt. Auf dem nördlich gelegenen stellte Hochwürden Zankl zunächst die von Ursula Fonk gefertigte Marienfigur, die sich heute in der Vorhalle der Kirche befindet. [31]

Im Jahre 1953 schließlich erhielt der Turm eine vergoldete Spitze und eine Uhr – „der Kirche und Roßtal zur Zierde“, wie Seelsorger Zankl damals formulierte. Wohl deshalb bat die Kirchenverwaltung die Gemeinde um einen Zuschuss „zur Uhrerrichtung als gemeindliches soziales Projekt“. [32]

Nach zweimaliger Vertagung lehnte der Marktgemeinderat die Gewährung eines Zuschusses jedoch ab. [33]

Blick in den Altarraum nach der Konsekration Abb. 11: Blick in den Altarraum nach der Konsekration und dem Anbringen der Kommunionbank 1952; das heutige Altarbild entstand erst im Jahre 1957

Ein dankbarer Blick auf das Geschaffene

In dieser Zeit betrug die Zahl der Mitglieder der Tochterkirchengemeinde Roßtal über 2100, in Roßtal selbst waren es annähernd 1000 Seelen. Das war Grund dafür gewesen, aus diesem Teil der Pfarrei Heilsbronn zum 1. Januar 1954 eine eigene Pfarrei zu machen, was auch zum Schaffen neuer Rechtspersonen führte, die Träger öffentlicher und bürgerlicher Rechte sein konnten. Bei den Baumaßnahmen der Jahre 1950/51 war diese Unterscheidung in der Praxis häufig unbeachtet geblieben, wie es für Außenstehende ohnehin nicht einfach ist, bei Betrachtung der Rechtspersönlichkeit ihrer Pfarrei drei juristische Personen des öffentlichen Rechts und die „kirchliche Anstalt“ Pfarrei von einander zu trennen. Im sonntäglichen Festgottesdienst am 7. Februar 1954 wurde die bischöfliche Erhebungsurkunde feierlich verlesen, mit der Roßtal zur eigenen Pfarrei erhoben worden war, und „Aushilfspriester“ Joseph Zankl in sein neues Amt als Pfarrer eingeführt. Nach über 400 Jahren hatte Roßtal wieder einen katholischen Pfarrer.

Einführung von Pfarrer Zankl
Abb. 12: Einführung von Pfarrer Zankl

Am Nachmittag traf sich die Pfarrfamilie im Kandelsaal. Dabei blickte die gesamte Gemeinde auf das in den vergangenen vier Jahren Geschaffene zurück. Man hatte ein kleines Theaterstück geschrieben, in dem das Werden ihrer Pfarrkirche dargestellt wurde: [34]

Das „Alter“ rief darin „seine Monate“ auf und ließ sie ebenso wie die Orgel, die Glocken und die Turmuhr berichten. Der April erinnerte an Palmsonntag 1946, an dem Pfarrer Joseph Zankl seine erste feierliche heilige Messe im Theresienkirchlein an der Bleigasse in qualvoller Enge gehalten hatte („Leute sackten um wie Mucken; niemand konnte sich mehr bucken.“). Der Dezember überreichte Herrn Leikauf, der 1949 „den schönsten Bauplatz in weiten Runden“ zur Verfügung gestellt hatte, eine Blume und versicherte: „Sein Name ist stets mit der Kirche verbunden; das wollen wir heute am Festtag bekunden.“ Der Mai rief die Gründung des Kirchenbauvereins 1950 in Erinnerung und fügte Ein Hoch auf die Frau Sandner! an („Wahrlich der Ehren wert, wie gut sie es verstehet, dass ihr den Beutel leert.“).

Vom ersten Spatenstich berichtete der August (1950):

„Schaufel und Pickel und Hacke und Hand,
die Rollwagen rannten – das war allerhand.
Das war ein Hantieren, das war eine Freud!
Gell lieber Herr Pfarrer, das hat dich schon gfreut.
Und der Herr Mogl, der Kommandant,
der größte Wohltäter ist er genannt.
Unermüdlich, unverwüstlich ging es bei ihm hin und her.
Staunenswert war solches Schaffen. Leut, da ghört ein Glaube her.“

Der Oktober deutete an, dass es nicht immer reibungslos bei den Vorbereitungen zum Bau zugegangen war, wenn er im Zusammenhang mit der Grundsteinlegung am Rosenkranzfest (1950) darauf hinwies: „Doch nichts ließ euch die Freude verderben – weder Bauverbot, noch Regen noch Materialerwerben.“Der Januar (1951) rief die Hebefeier ins Gedächtnis zurück, bei der „Zimmermeister Krieglstein ein treffliches Gedicht“ gesprochen habe, nach dem Genuss von „genau 150 Liter Bier aber mancher blau“ gewesen sei; auch „Herr Bürgermeister (Wiesinger) und Bauherr (Pfarrer Zankl) hätten Freundschaft getrunken“.

Der Februar wies auf den schnellen Bau des Pfarrhauses im Jahre 1951 hin:

„Denn wenn der Herrgott hat sein Haus,
soll auch sein Diener nicht stehen draus.
Hört – wie im April die Domherrn sind kommen
und fragten: Ihr wollt das Haus fertig bekommen?
Und flux und flux der Tag kam heran,
wo der Bischof sein Quartier hier nahm. (Tag vor der Weihe der Kirche am 1.7.1951)
Der Maler Haspel schlich hinten hinaus.
Der Bischof bezog von vorne das Haus.“

Der Juli (1951) schließlich gedachte der Weihe der Kirche durch Bischof Dr. Joseph Schröffer und mahnte:

„Nun habt ihr eine Kirche lang und breit.
So sei auch das Herz stets froh und bereit
den Weg zum Hause Gottes zu gehn
und Segen und Gnad für Euch zu erflehn.“

Diese Pfarrerhebungsfeier bedeutete nicht, dass Pfarrer Joseph Zankl nun die Hände in den Schoß legte und nur dankbar auf das Geschaffene blickte. Für ihn und seine Gemeinde gab es noch viel zu tun: Ihr Kirchenbau war innen schmucklos, ein Kindergarten und ein Krankenpflegeverein sollten entstehen und in der Werkvolksiedlung war der Bau von Wohnungen für Menschen zu begleiten. Und schließlich galt es auch andernorts „an Stelle einer Notkirche ein festes, monumentales Werk zu erstellen“.

Blick von Westen auf die Kirchenfassade
Abb. 13: Ein Blick von Westen auf die Kirchenfassade zeigt auch die erste Gestaltung des Kirchenvorplatzes, die sich 2011 erneut völlig verändert hat.

Anmerkungen

1 Der folgende Aufsatz ist ein Vorabdruck des Teiles eines Beitrages für die Chronik der Pfarrei Christkönig, deren Erscheinen zum Jahre 2014 vorgesehen ist.
2 Mündliche Mitteilung von Ernestine Fassmann am 16.12.2011, die darauf hinwies, dass vor den Gottesdiensten wiederholt noch Aschenbecher geleert und Tische beiseite geschoben werden mussten. Später konnte "Aushilfspriester" Zankl auch in der evangelischen Kirche in Ammerndorf zelebrieren.
3 In kirchlichen Akten der Zeit zwischen 1946 und 1953 ist Joseph Zankl unterschiedlich und untereinander wechselnd als Kaplan, Aushilfspriester oder Expositus bezeichnet.
4 Protokoll über die Sitzung des Marktrates Roßtal vom 31.3.1947, Protokollbuch S. 73
5 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Akte "1949–53 Baugeschichte"
6 Eintrag in das von Joseph Zankl unmittelbar nach der Konsekration der Kirche angelegte kleine Fotoalbum (Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig)
7 Richtig hätte der Erwerber mit "Tochterkirchenstiftung" bezeichnet werden müssen, da die Expositur Heilsbronn erst am 3. Dezember 1950 zur Pfarrei erhoben wurde.
8 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Akte "1949–53 Baugeschichte"
9 Der im Bericht des Willibaldsboten (1951 S. 206) über die Konsekration der Kirche angegebene Betrag von 30.000,– DM widerspricht dem Inhalt der Akte "1949–53 Baugeschichte", wo sich ein entspr. Schreiben des Bischöflichen Ordinariats vom 28. Januar 1952 befindet.
10 Mündl. Mitteilung von Ernestine Fassmann am 16. Dezember 2011
11 Erster Eintrag im Protokollbuch der Kirchenverwaltung vom 10. Oktober 1952
12 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Planunterlagen
13 Protokoll über die Sitzung des Marktrates Roßtal vom 12. 9. 1950, Protokollbuch S. 183
14 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Akte "1949–53 Baugeschichte"
15 Bericht des Willibaldsboten vom 29. Oktober 1950
16 mündl. Mitteilung von Schwester Petra Ochsenkühn, die im Nachbarort groß geworden ist, am 14. November 2011
17 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig Akte "1949–53 Baugeschichte"
18 Wie Anm. 17
19 Mündl. Mitteilung von Anna Ellinger am 14. Dezember 2011
20 Wie Anm. 17
21 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Akte "Rechnung Kirchenbau"
22 Willibaldsbote vom 19. August 1951 S. 205
23 Mündl. Mitteilung von Ernestine Fassmann vom 16. Dezember 2011
24 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, "Rechnung Kirchenbau 1950-52"
25 Wie Anm. 24
26 Die Mitteilung von Steinheimer in der Festschrift "40 Jahre Pfarrirche Christkönig", die Orgel sei bereits bei der Weihe der Kirche installiert gewesen, ist durch die im Pfarrarchiv vorgefundene Korrespondenz widerlegt.
27 vgl. hierzu insgesamt auch Steinheimer, Die Glocken der katholischen Kirche in Roßtal, in: "Festschrift 50 Jahre Pfarrkirche Christkönig Roßtal", S. 18 ff
28 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Dokumentation 1948–1980
29 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Akte "1952–53 Kirchenrechnung"
30 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Akte "1949–53 Baugeschichte"
31 Wie Anm 24
32 11. Protokoll der Kirchenverwaltung (Sitzung vom 8.7.1953)
33 Protokoll über die Sitzung des Marktrates vom 7.9.1953, Protokollbuch S. 440
34 Pfarrbüro der Pfarrei Christkönig, Dokumentation 1948–1980

Anita Nagel

Der Ostereiermarkt des Heimatvereins Markt Roßtal e.V. –
eine schöne Tradition seit nun schon 25 Jahren

Am 1. April 2012 wird der 25. Ostereiermarkt im Museumshof des Heimatvereins Roßtal stattfinden. Dieses Jubiläum ist Anlass zurückzublicken und zu berichten, wie alles vor vielen Jahren begonnen und sich entwickelt hat.

Die Idee für den Ostereiermarkt in Roßtal

Schon lange vor dem ersten Ostereiermarkt hat sich in Roßtal ein Freundeskreis privat getroffen, um in der vorösterlichen Zeit Ostereier zu bemalen. Man hat sich getroffen, weil es allen Spaß machte, die Zeit vor Ostern gemeinsam für dieses Hobby zu nutzen, sich dabei zu unterhalten und zur Traditionspflege einen Beitrag zu leisten. Motor dafür waren das damalige Pflegerehepaar Elisabeth und Herbert Knoll, die Freunde und Mitglieder des Heimatvereins zu diesem schönen Brauch gewonnen haben. Diese Aktivität war Grundlage für die Idee, dass zu einem späteren Zeitpunkt der Ostereiermarkt in Roßtal ins Leben gerufen werden konnte.

Am Palmsonntag, dem 27. März 1988, war es dann soweit: der 1. Ostereiermarkt des Heimatvereins wurde im damaligen Heimatmuseum in der Schulstraße (Ötterichsches Anwesen) um 10.00 Uhr eröffnet. Die Fürther Nachrichten hatten dies am 26. März 1988 veröffentlicht. Selbstverständlich gab es auch ein Logo für das Plakat des Eiermarktes – von Herbert Knoll entworfen – ein großes rotes Ei als Symbol für den Roßtaler Ostereiermarkt. Dieses Kennzeichen lädt bis heute die Besucher ein.

Der Palmsonntag wurde bewusst gewählt; an diesem Sonntag stellt sich nach überliefertem Volksglauben der „klaane Ousderhoos“ ein. In all den Jahren wurde der Ostereiermarkt immer am Palmsonntag durchgeführt.

Das Pflegerehepaar Knoll war in dieser Zeit in der näheren und weiteren Umgebung unterwegs, um Anregungen für den noch jungen Ostereiermarkt des Heimatvereins Roßtal zu finden, diesen bei Gleichgesinnten bekannt zu machen und zum Besuch in Roßtal anzuregen.

Gute Hinweise konnten sie dabei auf dem fränkischen Ostereiermarkt in Erlangen mitnehmen; dort waren Künstler aus dem ganzen Bundesgebiet anwesend und hatten ein breites Angebot an bemalten und verzierten Eiern. Dort staunten die Besucher aus Roßtal nicht schlecht, was in Erlangen geboten wurde, und es stellte sich die Frage, ob ihr Ostereiermarkt die richtige Idee gewesen war. Die Initiatoren des Roßtaler Ostereiermarktes waren der Überzeugung, dass sie ihr Vorhaben nicht aufgeben werden und entschlossen sich, ihr „Ding“ durchzuziehen.

Der Erlös des Ostereierverkaufs war eine willkommene finanzielle Unterstützung für das Vorhaben des Heimatvereins, den neuen Museumshof im ehemaligen Peippschen Anwesen auszustatten. Obendrein wollte der Roßtaler Heimatverein wieder einem alten Brauchtum – dem Verzieren von Eiern in der Osterzeit – zum Durchbruch verhelfen.

Historie des Ostereiermarktes

Der 1. Ostereiermarkt 1988 war ein großer Erfolg, die Fotos und Berichte aus dem Jahr 1988 belegen dies.

Verkaufsraum im Ötterichschen Anwesen
Verkaufsraum im Ötterichschen Anwesen

Mehr als 20 Ostereiermaler hatten mit Können und Engagement die Eier bemalt und verziert.

In der Folge wurde Jahr für Jahr – gleich nach Weihnachten – im heimischen Bastelraum oder in gemeinsamer Runde beim Museumspflegerpaar Knoll mit dem „Eierlegen“ begonnen.

Schon 1989 bekam jeder Maler oder Künstler eine Nummer zugeteilt, die fortan unten am Ei angebracht wurde. So kann der Käufer an Hand einer Liste sehen, wer das Kunstwerk erstellt hat.

Nach den Unterlagen waren im Jahr 1989 folgende Maler vermerkt:

Betty Krach, Luise Handschuch, Traudl Hilbert, Bärbl List, Inge Rößner, Elfriede Sandner, Elisabeth Knoll sen., Helga Gmehling, Hans Krach, Elisabeth Knoll jun., Herbert Knoll, Sepp Korsa, Christa Bachmann, Willi Bachmann, Herta Kwapil, Rudolf Kwapil, Georg Zimmermann, Michael Zeitler, Gerda Fischer, Elfriede Hoffmann, Ilse Feiner und Jak List.

Erstmals während des Ostereiermarktes zeigten verschiedene Künstler des Heimatvereins den Besuchern in Malvorführungen die verschiedenen Techniken.

Seit 1989 gibt es den sogenannten „Katzenbaum“, an dem viele bunte Eier hängen, die an die Kinder verschenkt werden. Die Eier des Katzenbaumes werden seit einigen Jahren von Schulkindern gestaltet und von diesen an die kleinen Besucher verteilt.

Zum Rahmenprogramm des Ostereierverkaufes am Palmsonntag hat es wechselnde Ausstellungen von kunstvoll gestalteten Ostereiern, Osterkarten, Eierbechern österlichen Objekten und Eiern aus aller Welt gegeben. Von Beginn an wurde auch an das leibliche Wohl der Besucher gedacht; das Angebot reichte von gekochten Eiern, Brot und österlichen Schmankerln bis zu Kaffee und Kuchen.

Ab dem 4. Ostereiermarkt 1991 bekam jeder „Eiermaler“ seine Schürze aus blauem Stoff, auf dem seine Nummer aufgemalt war.

Der Ostereiermarkt im neuen Museumshof

Am 4. April 1993 wurde der Ostereiermarkt zum ersten Mal im neuen Museumshof im ehemaligen Peippschen Anwesen – das zu diesem Zeitpunkt noch leer stand – durchgeführt.

Mit Beginn der Eiermalersaison 1994 konnten sich die Künstler nun zum Bemalen und Gestalten der Ostereier im Arbeitsraum des Museumshofs treffen. Die Vorbereitung und Durchführung der künftigen Ostereiermärkte wurde in den neuen Räumlichkeiten wesentlich erleichtert.

Das Ehepaar Knoll hat im Jahr 2004 die Tätigkeit als Museumspfleger für das Heimatmuseum – und damit auch die Vorbereitung und Organisation des jährlichen Ostereiermarktes – aufgegeben.

Seit 2005 hat Anita Nagel die Aufgabe übernommen, den Ostereiermarkt, unterstützt durch die erfahrenen Künstler und Helfer, vorzubereiten, zu organisieren und mit Hilfe weiterer Freiwilliger durchzuführen.

Derzeit aktive Ostereiermaler:

Ursula Auerochs, Luise Handschuch, Angelika und Kurt Dachlauer, Elke Engelhardt, Hans Krach, Grete Schweigert, Sabine Weigelt, Sieglinde Besold, Karin Ludwig, Roswitha Stanislaus, Anita Nagel, Juliane und Karl-Heinz Hubbes, Elfriede Hoffmann, Otto Schubert, Werner Rößner.

Der Ostereiermarkt fand Jahr für Jahr mehr Besucherzuspruch aus Nah und Fern. Der Besucheransturm war und ist zeitweise so groß, dass ein großes Gedränge in den Museumsräumen herrscht – die Besucher erfreuen sich an den gestalteten Ostereiern und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heimatvereins freut dieses Interesse an ihrer Arbeit.

In vielen Zeitungsausschnitten wurde dies immer wieder geschrieben und festgehalten.

Die Motive der Ostereier sind äußerst vielfältig von den Künstlern gestaltet:

Die Künstler bearbeiten die ausgeblasenen Eier mit den verschiedensten Techniken:

Die Eier wurden und werden in den unterschiedlichsten Größen angeboten:

Strauß, Emu, Pute, Gans, Ente, Hühner, Zwerghuhn, Wachtel und Tauben, allesamt ausgeblasen, vorab sorgfältig außen und nach dem Ausblasen innen gereinigt.

Eiermaler bei der Arbeit
Eiermaler bei der Arbeit (von links):
Elfriede Hoffmann, Roswitha Stanislaus und Luise Handschuch