Barack Obama auf dem Osterei

Ostereiermaler
Die Ostereiermaler 2010

Roßtaler Hobbymaler arbeiten mit viel Fleiß für den Markt am 28. März

Selbstverständlich sind alle Künstler sensible Naturen. Doch die Gruppe, die sich jede Woche im Roßtaler Museumshof zum gemeinsamen Werken trifft, muss besonders feinfühlig sein: Schließlich werden hier Eier bearbeitet. Die zarten Schmuckstücke werden im Mittelpunkt des traditionellen Ostereiermarkts am 28. März stehen.

ROSSTAL – Es duftet nach Kaffee in dem kleinen Zimmer mit der niedrigen Balkendecke, das einst die gute Stube des Gutshofs war, dessen Ursprünge ins 16. Jahrhundert zurück reichen. Kuchen steht auf dem Tisch. Unbeachtet für den Moment. Viel zu konzentriert sind die Ei-Künstler am Werk. Anita Nagel, seit fünf Jahren Organisatorin des Ostereiermarktes, der nun zum 23. Mal Besucher in den Museumshof lockt, kann sich auf 16 feste Maler verlassen: „Von Ende Januar bis eine Woche vor Palmsonntag treffen wir uns regelmäßig“, sagt sie, „…und manchmal gibt es auch Hausaufgaben.“

Dann wird daheim weiter an den filigranen Schönheiten gearbeitet. Schließlich müssen für den Markt, dessen Erlös dem Museumshof zugute kommt, mehr als tausend exquisit dekorierte Eier zur Stelle sein. „Wir könnten gut noch ein paar weitere Helfer gebrauchen“, wünscht sich Anita Nagel. Erfolg hatte sie, als sie vor vier Jahren eine Schulklasse um Mithilfe bat. „Einige Jungen und Mädchen bemalen bis heute Eier für uns, die werden dann an den ‘Kinderbaum’ gehängt. Davon darf sich jedes Besucherkind ein Exemplar als Geschenk mitnehmen.“

Zarte Aquarelle

Erwachsene, die in Zukunft bei der fleißigen Gestaltergruppe mitmischen wollen, brauchen natürlich ein bisschen Geduld. Wichtig ist aber vor allem der Mut, seine kreativen Fähigkeiten auszutesten. Luise Handschuch ist dabei, seit Elisabeth und Herbert Knoll den Markt ins Leben gerufen haben: „Die Übung kam im Lauf der Jahre ganz von alleine“, schmunzelt die 81-Jährige und tupft mit feinen Pinselstrichen zarte Aquarelle aufs Ei.

Jeder der 16 festen Helfer hat nicht nur eine persönliche Kennnummer, die er klein auf jedes von ihm gefertigte Ei schreibt, sondern arbeitet auch in ganz eigener Technik. Juliane Hubbes (61) malt in diesem Jahr zum Beispiel liebevoll Katzen. Ehemann Karl-Heinz hat es in einer diffizilen Kratztechnik zur Meisterschaft gebracht: „Die Motive stammen von sorbischen Eiern“, verrät der 69-Jährige.

Sieglinde Besold (52) ließ sich von Anita Nagel für die Gruppe begeistern: „Mein Mann ist Lokführer und oft abends unterwegs, da habe ich Zeit zum Basteln“, verrät sie. Eine Bekannte, die aus Tschechien stammt, brachte Sieglinde Besold die alte Kunst des Bossierens bei. Nun tupft sie selbst zarte Muster mit Wachs auf die Eierschalen.

Otto Schubert wird von seinen Kollegen neidlos „unser Alleskönner“ genannt. Der 64-Jährige hat schon Barack Obama vom Oval Office aufs Oval gebracht und mag freche Comicwesen. In diesem Jahr kurvt bei ihm der Jubiläums-Adler im Rund und es gibt Erinnerungen an die Olympischen Spiele in Vancouver: „Ich hab’ einfach schon als Kind gern gemalt“, gesteht Schubert, „aber früher hatte ich nicht so die Zeit.“

Eines ist allen Hobby-Ei-Künstlern gemeinsam: „Aus unseren Küchen sind alle Rezepte verbannt, für die man Eier zerschlagen muss“, lacht Anita Nagel. „Spiegeleier sind tabu, es gibt Rührei“, bestätigt Karl-Heinz Hubbes. Doch wie kommt der Inhalt bruchfrei aus der Schale? Nicht ohne die richtigen Werkzeuge. Und das sind: Eierpick, Kreuzschraubenzieher, Rouladennadel und eine Klistierpumpe. Mit letzterer wird das Ei mehrfach ausgespült. „Sonst fängt es an zu stinken“, erklärt Anita Nagel. Sie selbst hörte vor 15 Jahren bei einer „Damenkaffeerunde“ erstmals von den Roßtaler Eiermalern und wagte kurzentschlossen einen Versuch.

Werkzeug Marke Eigenbau

Mittlerweile hat die Gruppenleiterin eine Technik perfektioniert, für die anspruchsvolles Gerät benötigt wird. „Ich benutze Zahnarztinstrumente, einen Rosenbohrer, einen Diamant, eine Feile, die bei Wurzelbehandlungen im Einsatz ist, und Nadeln mit Widerhaken“, zählt sie auf. Damit perforiert sie musterhaft Eier. Durch die vorsichtig gebohrten Öffnungen, entfernt sie dann die Eihaut und fädelt anschließend schmale Bänder ein. „Das ist so entspannend“, freut sie sich. „… wenn nur der Bohrer nicht so schrill wäre“, wirft Roswitha Stanislaus (56) lachend ein.

Bevor die fertigen Schmuckstücke ihren großen Auftritt am Osterstrauß haben, kommt noch „Bändlasmacher“ Werner Rößner zum Einsatz. Der hat eigens eine Maschine konstruiert, die Kupferdrahtstücke in die perfekte Ösen-Form biegt. Die passenden Aufhängebänder schneidet er am liebsten im Urlaub im Wohnwagen zu, damit die filigranen Schönheiten aus der Werkstatt der fleißigen Roßtaler Eiermaler beim Markt am Palmsonntag, 28. März, von 10 bis 17 Uhr im Museumshof ihren großen Auftritt haben.

Text und Foto: Sabine Rempe

Quelle: Fürther Nachrichten vom 12.3.2010