Sonderausstellung »Geld ist eine schöne Sache, …«

11. September 2011 – 1. April 2012

„Geld ist eine schöne Sache, …“, sagt Wilhelm in Goethes ‘Wilhelm Meisters Lehrjahre’, als ihm ein Beutel überreicht wird, „durch dessen schönes Gewebe die reizende Farbe neuer Goldstücke durchschimmerte“, „als Ersatz für seine Zeit und als Erkenntlichkeit für seine Mühe“. Wilhelm Meister erhielt Arbeitslohn.

Dieser war neben Erträgnissen aus der Landwirtschaft in den vergangenen 200 Jahren auch die entscheidende Lebensgrundlage der Roßtaler Bürgerinnen und Bürger. Bisweilen reichten die Einnahmen freilich nicht, alle Bedürfnisse der einzelnen zu befriedigen. Sie mussten sich dann Geld leihen oder waren auf helfende Unterstützung einzelner oder der Allgemeinheit angewiesen. Wenn es ihnen besser ging, konnten sie vielleicht auf Ersparnisse zurückgreifen, die aber in Notzeiten durch Geldentwertungen gefährdet waren.

Geld als Zahlungsmittel und Recheneinheit hat bereits vor langer Zeit als allgemeiner Wert- und Preismaßstab den früheren Tauschhandel abgelöst. Es ist in einer arbeitsteiligen Wirtschaft unentbehrlich. Nun wird Bargeld immer mehr von Buchgeld zurückgedrängt: Überweisung, Kreditkarte, Scheck und jetzt auch sogenanntes elektronisches Geld sind seit Jahren als gängige Zahlungsformen anerkannt und zum Allgemeingut geworden.

Zurzeit beschäftigt uns verstärkt die Geldsicherheit. Geldentwertungen gab es freilich immer wieder. Und auch die modernen Formen von (möglichst sicheren?) Geldanlagen, insbesondere in Fonds oder Zertifikaten, stellen nur eine punktuelle Erweiterung gegenüber den schon früher üblichen Immobilien, Edelmetallen oder Schuldverschreibungen dar.

„Geld allein macht nicht glücklich“, lautet ein Sprichwort. Es weist auf die Möglichkeit der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben hin: Spenden und Stiften – auch dazu ist Geld „eine schöne Sache“.

Fotos:

Blick in den Raum der Sonderausstellung

Blick in den Raum der Sonderausstellung

4585
Diese Vitine zeigt neben Münzen und Geldkassetten vor allem Dokumente aus der Zeit des 19. Jhdts., als Roßtal zum souveränen Königreich Bayern gehörte:
Zwei gemeindliche Rechnungsbücher und deren obrigkeitliche Beanstandung, Schrftstücke zm Wechsel des Ortes aus der Gruppe Municipal- in die der Ruralgemeinden, das sog. Fischhaber'sche Journal und ein Schuldanerkenntnis zur Ablösung einer Grundrentenschuld.
Geldtisch aus Großweismannsdorf um 1850:
Auf der eingelassenen Marmorplatte wurde durch Münzwurf die Werthaltigkeit der zurückgezahlten Münzen geprüft.
4591

2562

Aus der Kaiserzeit 1871–1918:
Neben einem alten Kaufladen (um 1880) sind insbes. Münzen, Sparbücher, Geldbeutel und -kassetten aus der Zeit ausgestellt.
4592
4597
Während die linke Seite des Schauschrankes Geld, Fahrkarten, eine Schaffnertasche und Ausstattungsstücke eines alten Kontors enthält, stehen auf der rechten Seite Gegenstände für Kinder im Vordergrund: mechanische Blechsparbüchsen und Spiele.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen wird durch einen Kaufladen, Sparbücher, Geldbörsen, Münzen und Rechnungen nähergebracht.
4606
2552
In den zwanziger Jahren des 20. Jhdts. herrschte viel wirtschaftliche Not. In der Inflationszeit 1923 stiegen die Wertbezeichnungen der Geldscheine auf Milliardenbeträge. Viele Orte auch in Mittelfranken brachten eigenes Notgeld in Umlauf. Die Weltwirtschaftskrise ab 1928 verschärfte vor allem die Arbeitslosigkeit.

4612
Für „Kleinsparer“ standen Sparschränke, Sparbücher und Spardosen zur Verfügung.
4613

„Sparefroh“ lud zum Sparen ein.

2553

4614

In örtlichen Stiftungen und verschiedenen Sammlungen wurden in zweihundert Jahren beachtliche Mittel für die unterschiedlichsten Hilfsbedürftigen zusammengetragen.
4621
4626
4627
Spendenaufrufe und Sammelbüchsen von Diakonie und Caritas.
Eine Auswahl von Anlagepapieren aus über 100 Jahren.
4628
4629
Die Währungsreform 1948 schuf die harte Deutsche Mark.
Der Raubüberfall auf die Sparkasse in Roßtal 1953, der zwei Tote forderte, bewog Bürgermeister und Gemeinderat, für die Wiedereinführung der Todesstrafe zu kämpfen.
4630
4631
Registrierkasse aus einem Ladengeschäft.
Von der DM zum Euro, was auch in den Silbergedenkmünzen der Bundesrepublik sichtbar wurde.
4632
2554
Blick in den Raum der Sonderausstellung

Blick in den Raum der Sonderausstellung